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Ein Zimmer mit Stockbetten in der neuen Asylunterkunft.

Blick in die neue Asyl-Unterkunft

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Einen Blick in die neue Asylunterkunft in Penzberg konnten Besucher werfen - ab Mitte März sollen dort Asylbewerber einziehen.

Penzberg - Aus zwei Gebäuden besteht die neue Asylunterkunft an der Nonnenwaldstraße in Penzberg. Das eine ist bereits bewohnt, ins zweite Haus sollen ab Mitte März die ersten Flüchtlinge einziehen. Am Freitagabend öffnete die Regierung von Oberbayern die Türen für Besucher. Über 100 Neugierige kamen, um das noch unbewohnte der zwei Gebäude zu besichtigen. Die Regierung hat beide Gebäude vom Landkreis gemietet, der sie für knapp fünf Millionen Euro errichtet hat.

Wer ins zweite Haus einzieht, ist noch offen. „Unser großer Wunsch ist, dass die Regierung einen Teil mit Familien belegt“, betonte gestern Kreiskämmerer Norbert Merk. Was ihm Maximilian Bair, Unterkunftskoordinator der Regierung, nicht versprechen konnte. Dazu habe man selbst noch keine Informationen. Was die Kapazität betrifft, korrigierte die Regierung gestern die Zahlen leicht nach unten: Im ersten Haus ist Platz für bis zu 92 Menschen, im zweiten noch unbewohnten für biszu 95. Insgesamt also 187 Plätze.

Im noch unbewohnten Haus befinden sich drei Zimmer mit zehn Betten, sechs Zimmer mit acht Betten, drei Zimmer mit fünf Betten und ein Zimmer mit zwei Betten. Jede Wohneinheit hat Tische und Stühle, eine Toilette mit Dusche und eine Küchenzeile, neben der zum Teil ein Bett steht. Man habe keine Gemeinschaftsküche, damit die Bewohner besser darauf acht geben, erklärte Bair. Vor Ort sind – wenn die Häuser voll belegt sind – zwei Hausmeister sowie zwei Verwalter des Dienstleisters „European Homecare (EHC)“, den die Regierung mit dem Betrieb beauftragt hat. Für zehn Jahre hat die Regierung die Häuser als Asyl-Unterkunft gemietet.

Zugleich meldeten sich Asylbewerber zu Wort, und zwar wegen einer tätlichen Auseinandersetzung am vergangenen Mittwoch in der Asyl-Unterkunft, bei der auch ein Messer im Spiel war. Noch am selben Abend waren Helfer des „Unterstützerkreises Asyl Penzberg“ in die Unterkunft gekommen. Sie stellten klar, dass Handgreiflichkeiten, Alkoholkonsum, Müllverbreitung und Lärm bis tief in die Nacht ein sehr schlechtes Licht sowohl auf die Flüchtlinge als auch die Arbeit des Unterstützerkreises werfen. Die anwesenden rund 30 Asylbewerber formulierten den Wunsch, den Menschen in Penzberg zu zeigen, dass nur wenige Flüchtlinge aus der Reihe fielen, der Großteil sich jedoch anständig verhalte. Das unterstrichen sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir schämen uns für das, was manche hier tun“, betonte ein Mann aus Afghanistan.

Um die Situation zu verbessern und weitere Konflikte zu vermeiden, sammelten die Bewohner einige Ideen: Die Hausverwaltung müsse die Regeln klarer verdeutlichen, die Polizei solle kommen und die deutschen Gesetze vorstellen, und eine Hotline für Problemsituationen solle eingerichtet werden. Einigkeit herrschte unter den anwesenden Flüchtlingen in einem weiteren Punkt: ein Sicherheitsdienst, der in der Nacht und am Wochenende vor Ort ist und Sicherheit und Ordnung in der Unterkunft zu gewährleisten. „Viele von uns haben Angst um ihr Leben. Wir brauchen Hilfe und Unterstützung“, erklärte ein Nigerianer. „Leider gibt es auch eine Gruppe, die Alkohol trinkt und sich nicht an die Regeln halten will.“Seinen Unmut darüber brachte ein Afghane auf den Punkt: „Ich bin einen langen Weg aus Afghanistan gekommen. Hier gibt es Brot, Geld, Schuhe und ein Krankenhaus. Ich möchte nicht, dass sich meine Landsleute hier schlecht benehmen. Warum sind sie zum Ärger machen und Schlagen nicht zu Hause geblieben? Ich will hier nur Danke sagen für alles.“

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