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Klärt über Essstörungen auf: Sozialpädagogin Nicola Hümpfner im Atrium des Gymnasiums.

Infoabend am Gymnasium  

Essstörungen: Immer mehr Schüler leiden darunter

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Immer mehr Schüler leiden unter Essstörungen. Auch am Penzberger Gymnasium. Das wurde bei einem Infoabend deutlich.

Penzberg – 32 Prozent der normalgewichtigen Acht- bis Zwölfjährigen wären lieber dünner. 19 Prozent der Kinder versuchen, auch tatsächlich abzunehmen, und 21,9 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen zeigen Symptome eines gestörten Essverhaltens. Mit diesen Zahlen beginnt Nicola Hümpfner am Donnerstagabend im Atrium des Penzberger Gymnasiums ihren Vortrag zum Thema „Essstörungen vorbeugen, erkennen und behandeln“. Die Statistiken zeigen: Der Umgang mit dem eigenen Körper und die Beziehung dazu, ist für viele Heranwachsende ein wahres Erschwernis. „Essstörungen zählen zu den häufigsten und gefährlichsten chronischen Gesundheitsproblemen im Kindes- und Jugendalter“, betont Sozialpädagogin und Familientherapeutin Hümpfner. Sie arbeitet seit 17 Jahren für ANAD, ein Münchner Versorgungs- und Therapiezentrum bei Essstörungen.

Auch um das Penzberger Gymnasium macht die Problematik keinen Bogen. Vielmehr sei eine steigende Tendenz erkennbar, sagt Schulsozialarbeiterin Bettina Alsters. Seit den Sommerferien seien ihr und den Lehrerkollegen – oft im Sportunterricht – ungewöhnlich viele Schüler mit Gewichtsproblemen aufgefallen. Der Verdacht auf Essstörungen bestätigte sich bei den meisten. Einige befinden sich laut Alsters mittlerweile in Behandlung. Die Pädagogin hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen. Der letzte Vortrag dieser Art lag an der Schule mehr als zehn Jahre zurück. „Ich wollte dieses etwas in Vergessenheit geratene Thema wieder mehr in den Vordergrund rücken.“ In Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat des Gymnasiums organisierte sie letztlich den Informationsabend für Eltern und Lehrer.

Dass ein gewisser Nachholbedarf besteht, wird dort schnell deutlich. Die knapp 50 Gäste lauschen den Worten von Expertin Hümpfner aufmerksam und stellen interessierte Fragen. Arten, Folgen sowie Ursachen von Essstörungen erörtert die Referentin in ihrem zweistündigen Vortrag anschaulich und verständlich. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Die Schuld für die Erkrankung eines Kindes ist nicht mit einer simplen Antwort zu klären. „Früher hieß es stets, die Mütter sind schuld. Doch das ist falsch“, unterstreicht Hümpfner. Der Weg bis zur Essstörung setze sich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammen. Es bringe nichts, wenn Eltern sich große Vorwürfe machen. Sie zitiert den dänischen Familientherapeut Jesper Juul: „Wie man seine Kinder richtig erzieht, weiß man immer erst hinterher.“

Ein paar Ratschläge für den richtigen Umgang mit dem Nachwuchs, um späteren Essstörungen vorzubeugen, hat Hümpfner dennoch auf Lager. Sie plädiert für eine gemeinsame, verantwortungsvolle Nutzung der Medien. „Es ist in der heutigen Zeit extrem wichtig, den Kindern eine Medienkompetenz anzutrainieren.“ Ansonsten sei die Gefahr hoch, dass durch Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper auftrete. Die Eltern nimmt sie dabei als Vorbilder in die Pflicht. „Man sollte stets sein eigenes Verhalten hinterfragen. Leben wir unseren Kindern vor, dass es unglaublich wichtig ist, jeden Sommer die Bikinifigur zu erreichen? Oder zeigen wir ihnen, dass alles Okay ist, so wie man ist?“

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