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Ließ am Anfang die Sau raus und schaffte dann doch die Kurve zur soliden Comedy: Ingo Appelt auf Gut Hub.

Ingo Appelt beim „Tollhub“

Gratwanderung zwischen Lustigkeit und versauter Derbheit

Zu einer Gratwanderung wurde beim Penzberger „Tollhub“ der Kabarettabend. Ingo Appelt wandelte zwischen Lustigkeit und versauter Derbheit.

Penzberg – Wie soll eine wohlerzogene Journalistin über Ingo Appelts Auftritt beim Penzberger „Tollhub“-Festival auf Gut Hub schreiben, ohne schmutzige Wörter zu gebrauchen? Das böse „F...“-Wort zum Beispiel, das der Comedian phasenweise geradezu inflationär gebrauchte? Schwierig. Und so war auch der Auftritt des Kabarettisten schwierig zu ertragen – zumindest die ersten 20 Minuten, in denen sich Appelt nahezu unflätig gebärdete, auch mal rülpste und pupste und sich durchaus mal politisch danebenbenahm.

Na, das kann ja heiter werden, mag sich da so mancher gedacht haben. Und ja: Es wurde dann doch noch ganz heiter. Denn nach den ersten 20 Minuten des Sau-raus-Lassens schaffte Ingo Appelt die Kurve dann doch noch einigermaßen: weg von der Fäkalsprache und befremdlichen Aussagen („auch die Nazis sind nett“) hin zu zumindest solider Unterhaltungscomedy, die freilich auch nicht gerade jugendfrei zu nennen war.

Besonders an dem Thema „Mann-Frau“ biss sich der Comedian fest – ein Thema, das immer geht, wenn einem sonst nichts einfällt. Weil sich jeder Zuschauer mit seiner Beziehung irgendwie darin wieder erkennen kann. Der primitive Mann an sich. Die Frage, wie man dieses degenerierte Wesen in die moderne Welt „integrieren“ kann. Und die kommunikativen und sonstigen Konflikte einer Beziehung: Sie zogen sich wie ein roter Faden durch die Show, die knapp 300 Besucher miterlebten.

Aber die schon zigtausend Mal durchgekauten Geschlechter-Klischees, die da vom Comedian mitunter bemüht wurden, finden immer noch Anklang. Darauf ließen zumindest die lauten Lachsalven schließen, die in steter Folge aus den Zuschauerreihen aufbrandeten. Und ja: Da gab es schon auch immer mal wieder was zu lachen. Und ja: Manche seiner Beobachtungen über Männlein und Weiblein hatten durchaus Wahrheitsgehalt. Nichtsdestotrotz bewegte sich Appelt stetig auf der Kippe zwischen Lustigkeit und versauter Derbheit, garniert mit Witzen wie diesem: „Warum braucht eine Frau einen Mann? Weil ein Vibrator nicht Rasen mähen kann.“

Für den, der es etwas derber mag, war es ein lustiger Abend mit Ingo Appelt, der übrigens zwei Sachen besser kann als rumproleten: Stimmen imitieren (Till Schweiger, Angela Merkel oder Mario Barth) und Klavier spielen.

Franziska Seliger

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