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Die letzten Tage am Bürgermeister-Schreibtisch: Elke Zehetner verlässt nach sechs Jahren das Penzberger Rathaus – und kehrt als normales Stadtratsmitglied zurück.

Interview

Penzbergs Bürgermeisterin Zehetner: Das sagt sie zum Ende ihrer Amtszeit

  • vonWolfgang Schörner
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Die letzten Tage für Elke Zehetner (SPD) als Penzberger Bürgermeisterin sind angebrochen. Wir sprechen mit ihr über ihre Bilanz, über Baustellen und über ihre berufliche Zukunft.

Penzberg – Am 30. April endet Elke Zehetners sechsjährige Amtszeit im Rathaus. Die 51-Jährige hatte die Stichwahl gegen Stefan Korpan (CSU) deutlich mit 33,9 zu 66,1 Prozent verloren.

Frau Zehetner, haben Sie Ihre Wahlniederlage verdaut?

Noch nicht, ich verdaue immer noch. Das ist nicht ganz einfach.

Haben Sie mit ein wenig Abstand eine Erklärung für das deutliche Wahlergebnis?

Leider wurde ein Wahlkampf jenseits von Sachthemen geführt. Der SPD und mir ist es nicht gelungen, unsere hervorragende Arbeit ausreichend in die breite Wahrnehmung der Bevölkerung zu transportieren. Die Herausforderer haben eine Allianz geschmiedet. Im Übrigen werden wir uns innerhalb der SPD mit diesem Wahlergebnis auseinandersetzen.

Sehen Sie keine Fehler bei sich in den vergangenen sechs Jahren?

Ich sehe natürlich auch Fehler bei mir. Es wäre schlimm, wenn ich nicht selbstkritisch wäre.

Zum Beispiel?

Wir haben unheimlich viel vorangebracht. Das war für den einen oder anderen vielleicht zu viel und zu schnell. Wir hätten auch vor dem Hotel-Bürgerentscheid, obwohl wir uns mit dem Hotel-Dialog auf einem guten Weg befanden, erkennen müssen, dass die Penzberger das Hotel nicht wollen. Man hätte die Botschaft aus dem ersten Bürgerentscheid deutlicher reflektieren müssen, und nicht sagen dürfen: Die Gemeindeordnung gibt einem nach einem Jahr die Möglichkeit, das Thema wieder anzugehen. Bei kritischer Betrachtung hätten wir sagen müssen: Penzberg ist auch ohne Hotel glücklich.

Wenn Sie auf die vergangenen sechs Jahre zurückblicken: Welche Bilanz ziehen Sie persönlich?

Ich bin dankbar und stolz, die Chance gehabt zu haben, erste Bürgermeisterin unserer Stadt gewesen zu sein und dabei viele neue Erfahrungen gemacht zu haben.

Inwiefern?

Wie die Arbeit im Umgang mit den Bürgern, der Verwaltung und dem Stadtrat hier in Penzberg tatsächlich funktioniert. Stolz bin ich, dass wir viele Dinge auf den Weg gebracht haben. Was für die größte Begeisterung sorgte, war die Belebung des Stadtplatzes, zum Beispiel mit Hannis Eismärchen. Darauf haben die Leute gewartet. Jetzt wird die neue Musikschule endlich gebaut, auf die wir uns alle freuen. Die Turnhalle am Josef-Boos-Platz wird generalsaniert, 200 Wohnungen westlich der Birkenstraße und das neue Schwimmbad entstehen. Fertig wurden die Stadthalle und das Museum, das über die Grenzen des Oberlands hinaus bekannt ist. Ein anderes Beispiel sind Kanalisation und Breitbandausbau. Man kann fragen: Wen interessiert Kanalbau? Aber das sind Themen, die wichtig für unsere Infrastruktur, für unsere Zukunft sind. Gefreut hat mich auch, dass in meinen sechs Jahren sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Ministerpräsident Markus Söder und zuletzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Penzberg waren. Alle drei waren begeistert von unserer Stadt.

Man könnte aber auch sagen: Sie hinterlassen Baustellen.

Selbstverständlich, fertig ist man nie. Das wird auch kein Bürgermeister schaffen. Ich glaube, dass der nachfolgende Stadtrat dankbar dafür sein kann, was wir alles angestoßen haben. Die Birkenstraße zum Beispiel war schon früher als Wohnraum-Areal vorgesehen. Es hat Zeit gebraucht, dass es jetzt bebaut werden kann. Wir haben es auf den Weg gebracht. Das gilt auch für die Musikschule, für die es früher schon Pläne gab, die dann aber stillgelegt wurden. Man muss schon noch einmal daran erinnern, was wir Gutes getan haben. Im Wahlkampf sind diese Inhalte, das muss man deutlich sagen, verloren gegangen.

Sie haben Ihr Stadtratsmandat angenommen, gehören also dem künftigen Stadtrat an – eine komische Situation als ehemalige Bürgermeisterin?

Natürlich bin ich bei der Wahl angetreten, um Bürgermeisterin zu bleiben. Der Bürger hat anders entschieden. Das habe ich zu akzeptieren. Aber ich möchte gerne dabei sein, wenn die Dinge, die wir auf den Weg gebracht haben, fertig werden, weil ich einen maßgeblichen Anteil daran habe. Im Übrigen habe ich in den Tagen nach der Wahl sehr viel Zustimmung für diese Entscheidung von den Bürgern erhalten.

Sie haben dann im Stadtrat aber nicht mehr so viel Redezeit.

(lacht)Da muss ich ein bisschen mehr schweigen.

Trotzdem: Wird nach diesem persönlichen Wahlkampf nicht die Zusammenarbeit im Stadtrat schwierig, wenn Sie Ihm angehören?

Nein, an mir wird es sicher nicht liegen, weil es mir um die Sache geht. Ich werde mich aber auch nicht passiv in den Stadtrat setzen und denken: Die anderen sollen mal machen. Ich will aktiv dabei sein. Und die anderen sollen zeigen, wie sie es miteinander besser machen wollen. Zum Thema „Miteinander“: In den letzten sechs Jahren fielen im Stadtrat 95 Prozent der Beschlüsse einstimmig. Im Wahlkampf musste ich dann gegen haltlose, aus der Luft gegriffene Anschuldigungen ankämpfen, wie die Personalfluktuation. Es ging nur um die Botschaft „Zehetner muss weg“. Das hat mir wehgetan. Das hatte mit Miteinander nicht ganz so viel zu tun.

Sie haben bis 2014 im Kreisverwaltungsreferat der Stadt München gearbeitet. Wie geht es nun beruflich für Sie weiter?

Ich habe die Möglichkeit, zur Stadt München zurückzukehren. Und ich habe sicher ein Mitspracherecht, wo ich eingesetzt werde. Man wird sicher eine gute Stelle für mich bereithalten. Dafür ist schon alles in die Wege geleitet. Noch habe ich aber auch den Kopf voll mit meiner Arbeit für unsere Stadt Penzberg.

Für was werden Sie ab Mai mehr Zeit haben?

Ich hoffe, in erster Linie für meine Familie und unsere Freunde.

Und wie schauen Ihre letzten Tage im Rathaus aus?

Selbstverständlich werde ich meine Amtsgeschäfte ordentlich an meinen Nachfolger übergeben. So habe ich ihn ins Rathaus eingeladen und er erhält aus allen Abteilungen und von mir alle anstehenden Projekte. Ich selbst muss bei Entscheidungen genau überlegen, ob ich das noch mache oder dem Nachfolger überlasse. Gerade in Corona Zeiten gestaltet sich die Arbeit besonders schwierig, so zum Beispiel die Organisation für den 75. Gedenktag des 28. Aprils. Es gibt schon noch einiges zu tun. Ich verabschiede mich von meinen Kolleginnen und Kollegen, leite unsere letzte Stadtratssitzung Corona bedingt in der Stadthalle und ganz zuletzt packe ich meine persönlichen Sachen ein. Ich bin von der ersten Minute an sehr gern ins Rathaus gegangen. Und ich bin mir sicher, ich gehe sehr wehmütig hier in der letzten Minute raus.

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