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Kinoreif: Für die Privatvorstellung im KinoP in Penzberg entwarf der Vater einer Schauspielerin sogar ein Filmplakat für "500 Karat". Darauf zu sehen sind die Hauptdarsteller. 

Penzberger Filmprojekt  

Der große Diamanten-Raub

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Penzberg - Wie Jungfilmer die Krimi-Persiflage „500 Karat“ samt Verfolgungsszene in Penzberg drehten. Im Februar läuft ihr neuester Streifen beim Jugendfilmfestival "Flimmern & Rauschen" in München.

Schüsse fallen in der Penzberger Sparkasse, Sekunden später stürzen zwei Ganoven mit Sturmhauben aus der Bank und sprinten in Richtung Bahnhof, verfolgt von einem Polizisten. Aus der Bäckerei an der Ecke kommt ein Mann, der gerade genüsslich in seine Breze beißen will – doch einer der Ganoven schnappt sie ihm im Vorbeilaufen aus der Hand. „Hey, des war mei Brezn!“ ruft der Mann den Bankräubern nach. Die Verfolgungsjagd durch Penzberg endet erst auf der Berghalde.

Die Szene ist der Anfang des Films „500 Karat“. Ihn haben Studenten gedreht, die aus Penzberg kommen. Ein Jahr lang haben sie an dem knapp dreißig Minuten langen Streifen gearbeitet, der auf Youtube zu sehen ist – rein aus Leidenschaft am gemeinsamen Filmen. Im Juli 2015, als der Film fertig war, gab es sogar eine Privatvorstellung für Freunde und Familie im KinoP. Ende Februar soll der Film nun auch beim Jugendfilmfestival „Flimmern & Rauschen“ in München gezeigt werden.

"500 Karat" hat sogar eine eigene komponierte Filmmusik

In „Ocean’s Eleven“-Manier geht es in dem Kurzfilm um eine Gruppe von Einbrechern, die nach der Entlassung eines Kumpels aus dem Gefängnis gleich den nächsten Coup plant: den Raub eines Diamanten, der dem reichen Niederländer Frederik van Waal gehört. Entstanden ist eine Mischung aus Krimi und Persiflage. Ein Low-Budget-Film mit Drehorten in und um Penzberg, der die jungen Menschen kaum einen Cent gekostet hat – „wir haben nur die Breze gekauft“, scherzt Martin Schwarz, der die Rolle des „Frames“ im Film spielt und für den Ton zuständig war. Der 30-minütige Film entstand mit wenig Geldeinsatz, aber viel Teamarbeit. Vom Filmplakat bis zum Dreh und Schnitt ist es eine reine Eigenproduktion, bei der ein großes Netzwerk an Freunden mitwirkte. Und bei der auch mal der ein oder andere glückliche Zufall eine Rolle spielte: Denn dass der Film zum Beispiel eine eingängige, eigens komponierte Musik hat, kam daher, dass Malte Decker in einem Münchner Studentenwohnheim neben dem Filmkomposition-Studenten Dennis Schwachhofer wohnt. Er benötigte für die Hochschule eine Arbeitsprobe.

„500 Karat“ ist der fünfte Film der Gruppe, die sogar einen Produktionsnamen, „Broduction Pictures“, hat. Begonnen hat alles mit einem Projekt im P-Seminar am Penzberger Gymnasium. Bei ihrem ersten Film hätten sie einfach nur draufgehalten, erzählt Sportmanagement-Student Peter Baumeister, der in „500 Karat“ den permanent essenden „Brad“ spielt. Nach dem Abi folgten die Bandenfilme „Juanito“ I und II. Auf dem Drehplan stand eine Schlägerei auf einer Nebenstraße in Penzberg. Sie wirkte so echt, dass die nicht informierten Anwohner die Polizei alarmierten und diese mit Blaulicht forfuhr. Zwei Videos folgten, bis 2014 die aufwändigste Produktion, „500 Karat“, startete.

Berghalde, Kloster Benediktbeuern: die Drehorte spielen in und um Penzberg

„Man sieht, wie wir uns gesteigert haben“, sagt Malte Decker, der im Film die Rolle des schwulen Niederländers van Waal spielt. Bei diesem Film drückten die Studenten nicht mehr spontan auf den Aufnahmeknopf: Sie besichtigten vorab Drehorte und überlegten sich, wo die Kamera stehen sollte. Und noch etwas unterscheidet den Penzberg-Krimi von seinen Vorgänger-Streifen: „Alle Filme vor 500 Karat waren ernst gespielt, dadurch wirkten sie unfreiwillig komisch“, sagt Decker. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? „Wir dachten uns, tun wir das, was uns am besten liegt,“ sagt der Lehramts-Student. Einen Film zu drehen, der vor jugendlich-pubertärem Humor und Überspitzung strotzt. Und zwar absichtlich. Wie zum Beispiel in einer Schießerei-Szene – die ausgerechnet im Keller des Pfarrzentrums Christkönig gedreht wurde. „Echte Waffen und Kunstblut hatten wir nicht,“ sagt Decker. Also mussten übergroße Spielzeugwaffen her. Das Schnittprogramm lieferte den übrigen Effekt.

Zuschauern des Films dürften Orte in und um Penzberg vertraut sein: die Grundschule, der inzwischen gesperrte Tunnel an der Südstraße, die Berghalde oder das Kloster Benediktbeuern. Ausgefuchst ist auch der Dreh am Haus des Niederländers: Dort findet im Film eine Party am Pool statt, den ein Freund dem Team als Drehort zur Verfügung stellte – die Partygäste hatten die Studenten per Facebook engagiert. Auch wenn nicht erkennbar – hinter dem Innendreh des Hauses stecken fünf Drehorte.

Im Film mussten die Schauspieler oft ihre Hemmschwelle senken: Wie zum Beispiel Theresa Viehweg, die als „Vicky“ den reichen van Waal verführen muss, um den tätowierten Code für den Diamanten herauszufinden. „Jeder hatte Szenen, die ihm peinlich sind“, sagt Baumeister. Wenn es den Film besser mache, sei das aber ein Kompromiss. Überwindung dürfte den 23-Jährigen auch die Schlussszene gekostet haben: Splitterfasernackt läuft er hinter einem VW-Bus her, in dem seine Kollegen die Flucht ergreifen. Auch wenn der Dreh auf einem abgelegenen Feldweg nahe Benediktbeuern stattfand – es hatten sich doch einige Zuschauer versammelt. Darunter eine ältere Dame, die lesend auf einer Bank saß und „Gute Aussicht!“ rief.

Der Film „500 Karat“ ist auf Youtube zu sehen: Im Suchfeld „500 Karat“ eingeben. Auf dem Kanal „Broduction Pictures“ gibt es weitere Videos der Filmgruppe.

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