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Eine Belohnung in Höhe von 100 Euro erhielt gestern Philipp Jonson (r.) für seine außerordentliche Zivilcourage von Polizeichef Jan Pfeil überreicht.

Auszeichnung

19-Jähriger wird zum Lebensretter

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Ein Penzberger Schüler (19) rettete einem Mann das Leben. Die Polizei hat ihn nun für seinen Einsatz ausgezeichnet.

Penzberg – Philipp Jonson sitzt entspannt in seinem Zimmer. Es ist Freitagnachmittag im Oktober 2016 und der 19-Jährige freut sich auf das bevorstehende Wochenende. Plötzlich klingelt sein Telefon. Sein Vater, der gerade mit dem Hund spazieren geht, meldet sich am anderen Ende der Leitung. „Kannst du bitte runter an die Bahngleise kommen? Hier ist jemand, der braucht, glaube ich, Hilfe.“ Ohne zu zögern schwingt sich Philipp Jonson aufs Fahrrad und fährt zum unbeschrankten Penzberger Bahnübergang „Posten 10“ südlich von Steigenberg.

Dort angekommen, erkennt er sofort, wen sein Vater gemeint hatte: Ein älterer Mann sitzt mit seinem Rollstuhl direkt vor den Gleisen. Jonson geht hin und fragt freundlich, ob er helfen könne. Als dieser merklich nervös antwortet, er warte lediglich auf jemanden, wird der Schüler stutzig. „Ich dachte mir, hier stimmt doch irgendetwas nicht.“ Dass er mit dieser Vermutung richtig liegt, wird Jonson spätestens bewusst, als die Ampelanlage auf Rotlicht schaltet und ihn der Rollstuhlfahrer anraunzt: „Verschwinde oder ich werde wirklich sauer.“ Schnell stellt sich der junge Penzberger vor den Mann, versperrt ihm den Weg zu den Gleisen und wählt den Polizeinotruf. Der Zug rauscht wenige Augenblicke später nur haarscharf hinter seinem Rücken vorbei. Sowohl Jonson als auch der Mann im Rollstuhl bleiben unversehrt.

Knapp ein halbes Jahr später zeichnet die bayerische Polizei Jonson für sein beherztes Eingreifen aus: Er erhält 100 Euro aus den Händen von Jan Pfeil. „Philipp Jonson hat vermutlich ein Menschenleben gerettet“, sagt der Penzberger Polizeichef. „Wir erleben es selten, dass Personen so couragiert handeln und auch geistesgegenwärtig den Notruf wählen.“ Er ist sicher: „Besser hätte man nicht reagieren können.“ Sogar Robert Kopp, der oberbayrische Polizeipräsident, hat sich in einem persönlichen Dankschreiben an Jonson gewandt. „Menschen wie Sie brauchen wir in unserer Gesellschaft“, betont er. Warme, wenn auch etwas überraschende Worte für den Gelobten. „Ich hätte nicht gedacht, dass sich noch jemand von der Polizei bei mir meldet. Aber ich freue mich jetzt natürlich umso mehr.“

Seine Gefühlslage während der Rettungstat kann der Elftklässler nur schwer in Worte fassen. „Ich war nur noch darauf fokussiert, dass der Mann nicht auf die Gleise fährt. Daran, dass mir selber auch etwas passieren könnte, habe ich in dem Moment nicht gedacht.“ Von den Dingen um ihn herum habe er nicht mehr viel mitbekommen. Erst im Nachhinein sei ihm bewusst geworden, wie viele Menschen tatenlos vorbeigegangen waren und zugeschaut hatten. „Da fragt man sich natürlich schon, warum keiner gekommen ist, um zu helfen. Das waren schließlich lauter erwachsene Leute.“ Verurteilen möchte Jonson die Passanten für ihr Verhalten nicht. Nachvollziehen könne er es aber nicht. „Ich hätte mir nie verzeihen können, wenn ich nur dagestanden wäre und nichts getan hätte.“

Stolze Schulterklopfer, erzählt Jonson, erntete er von seiner Familie. „Da habe ich schon viel Lob bekommen.“ Er selbst aber hängte die Geschichte nicht an die große Glocke. Die meisten seiner Freunde wüssten nicht einmal davon. „Für mich ist das, was ich gemacht habe eine Selbstverständlichkeit.“ Mit der Belohnung von 100 Euro will er entweder zum Shoppen nach München fahren oder sich einen gemütlichen Abend in einem Restaurant machen. Doch das wohl noch etwas größere Geschenk ergibt sich spontan im Rahmen des gestrigen Pressetermins. Als Jonson sagt, dass er sich nach dem Abschluss der Fachoberschule eine Zukunft als Polizeibeamter sehr gut vorstellen könne, reagiert Dienststellenleiter Pfeil umgehend. „Wenn Sie wollen, bekommen Sie bei uns sofort eine Praktikumsstelle.“ Eine bessere Bewerbung hätte der junge Mann wohl kaum abgeben können.

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