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Galerist Egbert Greven (r.) zeigt einem Besucher den Unterschied zwischen Original und koloriertem „Scan“. 

karikaturen von tomicek in penzberg  

Weil Politik trotz allem komisch ist

Penzberg - In der Galerie schön+bissig“ sind besondere Karikaturen zu sehen. Ihr Schöpfer ist der bekannte Künstler Tomicek.

Er braucht keine Worte. Ein paar geborstene Planken im Meer, eine hilfesuchend fuchtelnde Hand, ein fliegender Rettungsring der Marke „EU“ – der mit Stacheldraht umwickelt ist. Wer hier nicht versteht, was Jürgen Tomicek sagen möchte, ist wahrscheinlich von einem anderen Stern. Zielsicher und schonungslos skizziert dieser Zeichner mit wenigen Strichen die aktuelle deutsche, europäische und Weltpolitik und bringt diese in die Penzberger Galerie „schön+bissig“.

Natürlich sind Flüchtlinge ein ganz großes Thema des Karikaturisten, der wohl einer der fleißigsten im deutschen Raum ist. Seine „Deutsche Einheit“ sieht ein bisschen anders aus als gewohnt: Da stehen Michel-Zwillinge Arm in Arm, halten gemeinsam ein großes „Willkommen“ dem zerrupften schwarzen Asylbewerber entgegen. In der anderen Hand jedoch schwenkt jeder ein weiteres Schild. Mit diesem weist der Wessi nach Ostdeutschland und umgekehrt. Noch deutlicher wird der gebürtige Allgäuer, der seit Jahrzehnten in Westfalen zu Hause ist und aufgrund der Entfernung nicht zur Vernissage kommen konnte, in anderen Werken. Wenn etwa als Spende für Flüchtlingsheime Feuerlöscher abgegeben werden, Rüstungsexporteur und Zeltlieferant einander zu Rekordgewinnen gratulieren oder im Radio wegen Anschlagsgefahr vor Reisen in die Türkei, nach Sachsen und Bayern gewarnt wird.

Viele Jahre hat Tomicek seinen Traum als Polizist gelebt, wollte aber schon dort vom Zeichnen nicht lassen. Mit der traditionellen Rohrfeder skizziert er in präzise gesetzten Linien sein Bild des politischen Tagesgeschehens, auf den ersten Blick begreifbar, hintersinnig, nachdenklich und dabei amüsant. Nach dem Zeichnen, so erklärte Galerist Egbert Greven bei der gut besuchten Vernissage, scanne Tomicek seine Werke und koloriere sie am Computer. Eine Arbeitsweise, die natürlich auch der Anzahl geschuldet ist, die der Karikaturist – unter anderem für den „Münchner Merkur“ – täglich fertigt. Dennoch scheint ihm kein Thema auszukommen, ob es die Griechenlandkrise, Betreuungsgeld, Kita-Streik, Netzpolitik oder die Homo-Ehe ist. Schon deshalb lohnt sich der Besuch der Ausstellung. Sie verweist auf die Vielfalt politischer Herausforderungen und darauf, wie sich dabei trotz aller Tragweite Komik entfalten kann. katrin fügener

Zu sehen

bis zum 2. April in der Penzberger Galerie „schön+bissig“, Friedrich-Ebert-Str. 15: Mi, Sa, So 15-17.30 h und nach Vereinb. (08856/83351).

Katrin Fügener

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