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Ohne Abrissgegner: Am Tisch saßen (von unten) Statiker Klimaszyk, Architekt Gollwitzer, Bürgermeisterin Zehetner und Stadtwerke-Chef Vilgertshofer, daneben Berater Brand.

Bürgerentscheid  in Penzberg

Kein Hallenbad-Streitgespräch: Neubau-Anhänger waren fast unter sich

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Es sollte eine Podiumsdiskussion werden - über Hallenbad-Neubau und Wellenbad-Sanierung. Doch eine Seite fehlte.

Penzberg – Eigentlich sollten Befürworter des Hallenbad-Neubaus und Gegner des Wellenbad-Abrisses am Mittwoch in der Stadthalle auf dem Podium sitzen. Die Wellenbad-Initiative wollte, wie berichtet, an dem Streitgespräch vor dem Bürgerentscheid aber nicht teilnehmen. So wurde daraus eine Infoveranstaltung über das geplante Familienbad. Die Stadt hatte sie wohlweislich in den kleinen Saal verlegt. Nur etwas über 40 Zuhörer kamen, darunter sieben Stadträte.

Zwei Hände hoben sich, als Jens-Wilhelm Brand vom Ingenieurbüro Constrata fragte, ob Wellenbad-Befürworter im Publikum sind und wie lange eine Sanierung ihrer Meinung nach vorhalten sollte. „Über zehn Jahre“, antwortete Artur Weiglmeier. Das ist laut Brand mit einfachen Reparaturen allerdings nicht zu schaffen, sondern nur mit einer nachhaltigen Sanierung, was „erhebliche Eingriffe in die Bausubstanz beinhalten“ könne und bei der neue gesetzliche Richtlinien einzuhalten seien. Er beschrieb auch Risiken: Das Cosima-Bad in München sei über 1000 Tage Baustelle gewesen, in Starnberg hätten sich die Sanierungskosten auf über 24 Millionen Euro verdoppelt. Altbürgermeister Hans Mummert sagte, man sei schon vor Jahren, als damals über eine Sanierung gesprochen wurde, von 9 bis 10 Millionen Euro ausgegangen. Brand schätzte die Schließzeit bei einer nachhaltigen Sanierung, auf 15 bis 18 Monate, „wenn sich die Betonschäden im Rahmen halten“.

Die Kosten für das geplante neue Familienbad bezifferte Brand auf 19,5 Millionen Euro. Darin berücksichtigt ist ihm zufolge die Baupreissteigerung bis 2019. Das Bad, das auch eine Spaßrutsche und einen „hochwertigen Saunabereich“ erhalten soll, stellte Planer Wolfgang Gollwitzer vor. „Was mich wundert, ist, dass Schwimmvereinsmitglieder gegen ein neues Bad sein können“, sagt er. Auf die Frage einer Lehrerin versicherten Bürgermeisterin Elke Zehetner und Stadtwerke-Chef Josef Vilgertshofer, für die geplanten zweieinhalb Jahre zwischen Wellenbad-Abriss und Neu-Eröffnung Lösungen für Vereine und Schulen zu suchen. Einige Redner verteidigten den Neubau zudem als Investition für die junge Generation.

Anwesend war an dem Abend auch der Münchner Statiker Frank Klimaszyk. Er beschrieb die Verstärkung des Dachtragwerks am Wellenbad – durch Statiker und Abrissgegner Wolfgang Kling – als fachmännisch. Kritisch sah er es aber bei einer „zukünftigen Mehrbelastung“. Dritter Bürgermeister Ludwig Schmuck warf Kling vor, er habe vor Jahren selbst einen Austausch des Dachtragwerks empfohlen.

Auf Nachfrage bestätigte dies Kling gestern. Dies, sagte er, wäre eine Sache von vier Wochen. Nötig sei das jetzt aber nicht mehr, weil die Binder saniert wurden, so Kling. Der Stadt warf er Irreführung und eine „verlogene Kampagne“ vor. Wieso er nicht für eine Podiumsdiskussion zugesagt hat? „Wen interessiert das?“, so Kling. „Die Leute sind doch nur interessiert, wenn man sich gegenseitig die Schädel einschlägt.“

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