Kriminalgericht Moabit
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Symbolbild

Aus dem Gerichtssaal

Kinderpornos auf dem USB-Stick am Schlüsselbund: Einsicht eines Penzbergers kam viel zu spät

Wegen des Besitzes kinderpornographischer Schriften musste sich ein 62-jähriger Penzberger vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Ungewöhnlich an der Sache war die Tatsache, dass der Mann sich selbst angezeigt hatte.

Landkreis – Die Schüler einer Krankenpflegeschule, die an diesem Verhandlungstag Zuhörer im Saal 18 des Weilheimer Amtsgerichts waren und vor der ersten Verhandlung des Tag noch fröhlich geplaudert hatten, verstummten vor Entsetzen, als der Staatsanwalt die Anklageschrift verlas. Um das Ausmaß der Straftat zu verdeutlichen, musste er dazu einige besonders krasse, für den Fall aussagekräftige Bilder detailliert beschreiben, was für keine leichte Kost war für die Zuhörer.

„Das liegt schon im sehr weit unteren menschenunwürdigen Bereich der Kinderpornografie“, kommentierte der Staatsanwalt die Bilder, die sich der Angeklagte heruntergeladen hatte. 550 befanden sich auf einem Stick, 183 auf seinem Computer zuhause. Und dann gab es ein unübliches Statement des Angeklagten. „Ich bereue, was ich getan habe“, sagte er.

Er sei sich jetzt bewusst, dass er mit dem Anschauen der Bilder Kindern unendliches Leid zugefügt habe. Initialzündung für seine Selbstanzeige, war der Verlust seines Schlüssselbundes. An diesem hing brisanterweise ein Memorystick mit massenhaft legalen pornografischen Bildern. Aber es befand sich eben auch kinderpornografisches Material darauf. Er habe schon seit Jahrzehnten pornografische Fotos angeschaut, gab der Mann zu. Und er sei überrascht gewesen, dass auch immer wieder mal kinderpornografische Bilder dabei auftauchten.

Gezielt gesucht nach solchen Bildern habe er nicht, aber er sei dann doch in den Strudel hineingeraten und habe ohne weiter nachzudenken, abgestumpft durch die legalen pornografischen Bilder, auch diese Fotos angesehen, so die Entschuldigung des Angeklagten. Nach dem Verlust des Schlüsselbundes zeigte er sich selbst an.

Dass schon eine Ermittlung gegen den Besitzer des Sticks mit den belastenden Fotos lief, wusste er nicht. Er wies die Polizei auch auf weitere kinderpornografischer Fotos auf seinem Computer hin und begann in München eine speziell ausgerichtete Therapie. „Aber wenn Sie den Schlüsselbund nicht verloren hätten, dann wäre die Sache nicht ins Rollen gekommen“, warf die Vorsitzende Richterin Karin Beuting ein.

Der Staatsanwalt beantragte eine 15-monatige Bewährungsstrafe. Der Verteidiger sah in der Selbstanzeige seines Mandanten einen Bonus und konnte sich eine Geldstrafe vorstellen. Die Richterin verurteilte den Mann am Ende zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten und einer Geldauflage von 5000 Euro zu Gunsten der Brücke Oberland. Der Angeklagte muss sich einer speziellen Therapie unterziehen, deren fortlaufende Teilnahme er dem Gericht alle sechs Monate bestätigen muss. VON REGINA WAHL-GEIGER

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