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Verkohlte Reste sind von der Hütte in der Kleingartenanlage Breitfilz übrig geblieben.

Kleingärten im Breitfilz: Ein Feuer mit Folgen

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Das Feuer in der Penzberger Kleingartenanlage Breitfilz könnte Folgen haben. Vor über einem Jahr erließ das Landratsamt vor allem wegen des fehlenden Brandschutzes eine Anordnung, die faktisch ein Nutzungsverbot bedeutete. So sollte Gefahr für Leib und Leben vermieden werden. Doch was ist diese Anordnung wert?

Penzberg – Die Anordnung war im Februar 2018 im Penzberger Rathaus eingegangen. Darin wurde der Stadt untersagt, die Kleingartenparzellen im Breitfilz zu verpachten. „Es handelt sich hier um eine vorbeugende Nutzungsuntersagung“, so das Landratsamt. In dem mehrseitigen Schreiben erklärte die Behörde unter anderem, es sei „davon auszugehen, dass in der gesamten Anlage ein erhebliches Risiko an der Entstehung und Ausbreitung von Bränden besteht“. Diese Gefahr für Leib und Leben könne nicht hingenommen werden, hieß es. Eine Gefahrenlage sah das Landratsamt auch, weil keine befahrbaren Rettungswege bestehen.

Die Stadt setzte damals den geplanten Neuabschluss der kurz zuvor gekündigten Pachtverträge aus. Die Kleingärtner haben seither keine Verträge. Allerdings wurde es geduldet, dass sie die Parzellen betreten, um zum Beispiel Rasenflächen zu mähen oder Tiere zu versorgen. Dies werde „zwangsläufig hingenommen“ – so die Sprachregelung damals. Kontrolliert wurde nicht.

Doch seit Mittwoch steht das Prinzip „Augen zu und durch“ in Frage. Am Abend brannte eine Gartenhütte, ausgelöst durch die Stichflamme eines Kochers. Ein 86-Jähriger konnte sich noch retten. Die Feuerwehr verhinderte in einem Großeinsatz ein Übergreifen des Feuers auf andere Parzellen (wir berichteten). Der Einsatz gestaltete sich wegen des schmalen Zugangs entlang eines Grabens schwierig.

Welche Folgen der Ernstfall hat, vermag man im Rathaus derzeit nicht abzuschätzen. Man führe Gespräche mit Landratsamt und Polizei, sagte gestern Stadtkämmerer Hans Blank, der auch für die städtischen Liegenschaften zuständig ist. Welche Konsequenzen es hat, sei „im Augenblick nicht absehbar“.

Bürgermeister Elke Zehetner beschrieb gestern die Zwickmühle: „Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen, weil es keinen Personenschaden gab. Aber wenn beim nächsten Mal mehr passiert, wird man uns fragen, wieso wir nicht reagiert haben.“ Es müsse im Rahmen der Verhältnismäßigkeit geprüft werden, „zu was wir rechtlich in der Lage sind, in der Hoffnung, dass es nicht in zwei Tagen wieder ein Feuer gibt“. Man brauche Lösungen zum Schutz der Bevölkerung, sagte die Bürgermeisterin.

Zur Frage nach Kontrollen wollte Kämmerer Blank keinen Kommentar abgeben. Seitens der Polizei hieß es auf Anfrage, dass man nicht verstärkt Streife fahre. Die Polizei hat aber Bescheide von Landratsamt und Stadt angefordert, um zu prüfen, ob ein bußgeldbewehrter Fall vorliegt. Beim Landratsamt war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Feuerwehrkommandant Christian Abt wollte sich zur politisch-rechtlichen Seite nicht äußern. Er sagte nur, dass – „als feuerwehrtaktische Antwort auf solche Problemlagen“ und unabhängig vom konkreten Fall – ein Zwei-Mann-Fahrzeug für den Materialtransport angeschafft wird.

Bleibt die Frage nach dem vom Landratsamt geforderten Konzept für den Breitfilz, das nicht nur den Brandschutz, sondern auch die bau-, naturschutz- und wasserrechtlichen Verhältnisse regeln soll. Im Haushalt ist eine Million Euro für die Umsetzung reserviert. Die Stadt arbeitet laut Blank am Konzept. Wann es fertig ist, vermag er aber nicht abzuschätzen. Es sei sehr komplex, sagte er. Größtes Thema sei derzeit die Frage, wie ausreichend große Rettungs- und Fluchtwege auf den weichen Böden gelegt werden können. Steht das Konzept, wolle man die Leute ins Boot holen und dann ins Bebauungsplanverfahren gehen. Blanks Vermutung: Hätte der Streit um die Kleingartenanlage vor über einem Jahr nicht das Landratsamt aufmerksam gemacht, „hätten wir schon lange ein Brandschutzkonzept“.

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