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Baustopp seit fast fünf Monaten: Familienbad-Baustelle in Penzberg – ein Blick von der Baustellenkamera der Stadtwerke.

Neuen Planer gesucht

Kostenexplosion bei Penzberger Familienbad - und es dauert länger

  • vonWolfgang Schörner
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Das neue Penzberger Familienbad wird weit teurer als gedacht. Die Kosten werden jetzt auf 25,4 Millionen Euro geschätzt. Beim Baustart im November 2019 war noch die Rede von fast 20 Millionen Euro. Außerdem wird es nichts mit einer Eröffnung im Dezember 2021.

Penzberg – Das Ziel lautet nun September 2022, also neun Monate später als geplant. Das teilte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) am Mittwoch auf Nachfrage mit. Nicht sicher ist, ob der neue Kostenplan belastbar ist. Eine Gefahr lautet, dass die Baupreise steigen.

Wie berichtet, ruhen seit Anfang April die Arbeiten auf der Familienbad-Baustelle. Frühestens Ende September soll es nun mit dem Rohbau losgehen. Zu dem Baustopp vor gut vier Monaten war es gekommen, weil bei der Planung des Architekturbüros Gollwitzer „ein paar Mängel“ aufgetreten waren, wie es damals seitens der Stadtwerke hieß. Diese „ein paar Mängel“ stellten sich offenbar als so gravierend heraus, dass es zu der Kostenexplosion kam - so deren aktuelle Darstellung. Laut Korpan mussten zum Beispiel die Gebäudekubatur des Bads („das Haus wird größer), die Dachkonstruktion, der Umlauf des Schwimmbeckens und die Rutschenturm-Planung geändert werden. Das ist während des Baustopps durch ein neues Planungsteam geschehen.

Vom Architekturbüro Gollwitzer, von dem sich die Stadtwerke damals trennten, fordert der Bauherr nun 1,2 Millionen Euro. Die Schadenssumme errechnet sich laut Bürgermeister zum Beispiel aus Architekturleistungen, aus Planungen anderer Firmen, die jetzt Makulatur sind, technischer Ausrüstung und Vergabe-Verlusten.

Trotzdem hält der Verwaltungsrat einstimmig an den Hallenbad-Plänen mit Sauna, Rutsche und Kinderbereich fest. Es seien bereits Aufträge und Freigaben für 14 Millionen Euro erteilt, so Korpan. „Das Geld wäre weg und wir hätten nur eine planierte Wiese.“ Er sagte aber auch, es müsse aufgeklärt werden, ob man die Probleme früher hätte erkennen können.

Bei einem Stadtwerke-Gespräch am Mittwoch wies Projektsteuerer Jens-Wilhelm Brand die Schuld von sich. Er sei kein Plan-Prüfer. Es habe aber schon im April 2019 Zweifel an Kostensätzen und Planung gegeben. Daher seien andere Büros für Innenarchitektur, Leistungsausschreibung und Bauleitung beauftragt worden. Als Ende 2019, Anfang 2020 Hinweise auf schwere Mängel auftraten, sei ein Plan-Prüfer hinzugezogen worden. „Er hat unsere Sorgen bestätigt.“

Das Büro Gollwitzer habe danach aber nicht wie gewünscht nachgearbeitet. Stadtwerke-Chef Josef Vilgertshofer bezeichnete es als Glücksfall, dass mit einem neuen Planungsteam umgesteuert werden konnte. Seitens anwesender Verwaltungsräte hieß es, das Büro Gollwitzer habe sich als leistungsfähig dargestellt, was sich als falsch erwiesen habe. Ebenso wurde erklärt, die Kostensteigerung wirke sich wegen der niedrigen Kreditzinsen nicht wesentlich auf die Steuerzahler aus. Der Verwaltungsrat habe zudem gebeten, dass sich die höheren Kosten nicht auf die Eintrittspreise auswirken.

++Update++

Das Architekturbüro Gollwitzer weist dagegen in einem anwaltlichen Schreiben an unsere Zeitung den Vorwurf von Planungsfehlern und daraus entstandenen Kostensteigerungen zurück. In dem Schreiben heißt es, dass die Probleme bei dem Bau unter anderem darauf zurückzuführen seien, „dass sich die Stadtwerke Penzberg entschieden haben, keinen Generalplaner zu engagieren, sondern die Planungsleistungen der einzelnen Leistungsbilder separat beauftragt“ haben, „ohne sie zu koordinieren und zu steuern“. Als „bemerkenswert“ bezeichnet der Anwalt in dem Schreiben zudem, „dass die Stadtwerke die Planung meiner Mandanten aus den Leistungsphasen 1 bis 4 im Sinne von §34 HOAI als vertragsgemäß abgenommen“ haben „und sich die Planstruktur und der Aufbau der Planung in der beanstandeten Leistungsphase 4 ,Ausführungsplanung’ nicht verändert haben“.

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