Am geplanten Abriss des Schlachthofgebäudes üben die Denkmalschützer Kritik; hier eine Seitenansicht vom angrenzenden Spielplatz aus.
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Am geplanten Abriss des Schlachthofgebäudes üben die Denkmalschützer Kritik; hier eine Seitenansicht vom angrenzenden Spielplatz aus.

Altes Gebäude an Karlstraße in Penzberg

Denkmalschützer kritisieren Abriss-Pläne für Ex-Schlachthof - Parkplatz wäre „Kulturschande“

  • vonWolfgang Schörner
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Der Penzberger Denkmalschutzverein übt Kritik am geplanten Abriss des früheren Schlachthofgebäudes an der Karlstraße. Er fordert den Stadtrat auf, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. Es wäre „eine Penzberger Kulturschande“, den 1899 erbauten Schlachthof nur für Parkplätze zu opfern, so die Denkmalschützer.

Penzberg – Seit über zwei Jahren steht der ehemalige Schlachthof an der Karlstraße leer. Letzter Mieter in dem städtischen Gebäude war eine Wäscherei. Im vergangenen August beschloss eine Stadtratsmehrheit, die Gebäude abzureißen und auf der Fläche einen provisorischen Parkplatz anzulegen – eine Idee, die die CSU-Fraktion bereits vor zwei Jahren geäußert hatte. Die Fläche zwischen Karlstraße und dem Spielplatz an der Gustavstraße soll so lange als Parkplatz dienen, bis ein Neubau – womöglich Wohnbebauung – entsteht, hieß es. Der Abriss sollte Anfang 2021 erfolgen, bestätigte Stadtbaumeister Justus Klement jüngst in der Oktobersitzung des Stadtrats.

Stadt will nach Abriss für eine Übergangszeit einen Parkplatz schaffen

Kritik am Abriss übt nun der Verein für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte. Den 1899 erbauten Schlachthof nur für Parkplätze zu opfern, überwiegend gedacht für auswärtige Einpendler, empfinde man „gelinde gesagt als eine Penzberger Kulturschande“, erklärt der Verein in einer Mitteilung. Die Denkmalschützer erinnern daran, dass er immerhin ein Teil des Geschichtspfades der Stadt Penzberg ist – eine Tafel an der Karlstraße weist seit dem Jahr 2000 auf die Historie des Schlachthofs hin. „Dieser Lehrpfad würdigt 29 Gebäude, von denen nur mehr 18 vorhanden sind. Alle anderen wurden bereits abgerissen“, so der Verein.

Denkmalschützer-Kritik: Ex-Schlachthof ist Teil des Geschichtspfades

Die Denkmalpfleger kritisieren, dass nun „ein weiteres historisch wertvolles Gebäude geopfert werden“ soll. Der 121 Jahre alte Schlachthof mit seinen Nebengebäuden verdiene es, „als eines der ältesten noch bestehenden Gebäude in Penzberg erhalten zu werden“. Er gebe „Zeugnis von der stolzen Vergangenheit der Bergarbeiterstadt“, argumentieren sie.

In ihrer Mitteilung unterstreichen die Denkmalfreunde dies mit einem Blick in die Vergangenheit: Der Schlachthof wie die Molkerei seien wichtig für die Versorgung der Bevölkerung gewesen. Heute, so der Verein, würde man von „systemrelevant“ sprechen. An bestimmten Tagen habe es im Schlachthof für die ärmere Bevölkerung das sogenannte Freibank-Fleisch gegeben, „das selbstverständlich vom zuständigen Tierarzt freigegeben sein musste und vier Fünftel des Marktpreises für taugliches Fleisch nicht übersteigen durfte“. Freibank-Metzger und Tierarzt hätten ihre Wohnung in dem Gebäude gehabt. Nicht vergessen werden sollte laut den Denkmalschützern auch, dass die Bergleute für den Bau des Schlachthofs einst 48.000 Mark aufgebracht hätten, ausschließlich aus dem lokalen Malz- und Bieraufschlag. „Die durstigen Bergarbeiterkehlen von damals haben also einen wertvollen Beitrag zum Schlachthofbau geliefert, der auch heute noch verdient, gewürdigt zu werden.“ Nach Ansicht der Denkmalfreunde ist das Gebäude deshalb im weitesten Sinne Eigentum der Bevölkerung. Als befremdlich bezeichnen sie es vor diesem Hintergrund, dass der Stadtrat ohne vorherige Besichtigung und Begutachtung der Gebäude den Abriss beschlossen hat und die Bevölkerung kein Mitspracherecht hat.

Denkmalverein fordert Stadtrat auf, Entscheidung zu überdenken

Der Verein fordert nun den Stadtrat auf, den Abriss noch einmal zu überdenken. Ebenso schlägt er vor, sämtliche Gebäude samt Umfeld bei einem Tag der offenen Tür der Bevölkerung zur Besichtigung zu öffnen. Sicherheitsbedenken wie Einsturzgefahr könnten nicht dagegen sprechen, so die Denkmalschützer, da das Gebäude noch bis vor zwei Jahren von einer Wäscherei beziehungsweise Reinigung genutzt wurde.

Das Ensemble besitzt aus Sicht des Vereins „einen gewissen architektonischen Charme“. Es könnte „als Einfallstor zur Innenstadt signalisieren, dass Penzberg nicht nur aus gesichtslosen Zweckbauten besteht“. Es erschließe sich nicht, schreiben die Denkmalschützer, dass die in der Vergangenheit immer wieder diskutierten Nutzungen als Seniorentreff, Mehrgenerationenhaus, Kita, Tagespflege und -betreuung oder für Wohnungen nicht ernsthafter auf den Prüfstand gestellt wurden.

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