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Leonie Finkes flammender Ritt im rosafarbenen See

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Von: Andreas Mayr

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Kitesurferin Leonie Finke aus Penzberg in Aktion in der „Hutt Lagoon“, einem einzigartigen pinkfarbenen Salzsee im Westen Australiens, etwa 200 Kilometer nördlich von Perth.
Kiten wie auf rosa Wolken: Leonie Finke in Aktion in der „Hutt Lagoon“, einem einzigartigen pinkfarbenen Salzsee im Westen Australiens, etwa 200 Kilometer nördlich von Perth. © Sebastian Drews

Leonie Finke aus Penzberg übt einen Sport aus, der sie an die ungewöhnlichsten Orte der Erde geführt hat.

Hamburg/Penzberg – Im Westen Australiens gibt es eine Lagune mit rosa Wasser. Kein Scherz, dort sieht’s wirklich aus, als wäre einem das Badeöl mit Rosenduft ausgelaufen. Nur riecht’s nicht so. Leonie Finke hat eine flamboyante Fahrt in der „Hutt Lagoon“ hingelegt. Für Momente wie diesen hat man also das Wort flamboyant, in etwa flammend, farbenprächtig, geschaffen. Denn flammend war zum einen ihr Ritt im rosafarbenen See, wie die Bilder einer Drohne beweisen, zum anderen leuchtete und brannte aber auch ihr Rücken, zerkratzt vom Grund des „Pink Lake“, den sie unfreiwillig aufgesucht hatte. Der Wind war böig, das Wasser flach. Irgendwann hielt es sie einfach nicht mehr auf dem Brett. „Was man nicht alles für ein perfektes Bild macht“, witzelt Leonie Finke, 27 Jahre alt und Kitesurferin. Eine von Deutschlands drei besten, gehört dazugesagt.

Kitesurfen: Leonie Finke war schon vor Südafrika, Sardinien und an der Küste Brasiliens in Aktion

Sie hat viel zu erzählen, weil sie die Welt gesehen hat. Sie kitete vor Südafrika, als das noch ging, sie sah vor Sardinien die Fische im Meer schwimmen. Das Mittelmeer dürfte nirgendwo klarer sein als dort. Sie flüchtete im Herbst an die Küste Brasiliens, weil sie die nasse, kalte, dunkle Jahreszeit in Deutschland nicht so gerne mag. Jeder Strand hat seine Magie, Leonie Finke möchte sich nicht auf einen liebsten festlegen. Man könne nur dankbar sein für jeden außergewöhnlichen Spot, den man sehe. Wer sie nach Zielen fragt, erhält eine ungewöhnliche Antwort. Zumindest ungewöhnlich für eine Sportlerin. Sie würde gerne noch ein paar schöne Orte sehen. „Die Welt ist noch groß.“

Was für ein gewaltiger Satz. Vollbeladen mit einer inneren Sehnsucht, die man sonst nur bei Abiturienten aufspürt, die in der großen weiten Welt ihre Freiheit suchen. Aber Leonie Finke ist 27 Jahre alt, hat vor einem Jahr nach ihrem Master-Studium bei einer Firma für Unternehmensberatung begonnen und direkt einen zusätzlichen freien Tag für das Kiten ausgehandelt. Sie meint das schon sehr ernst.

Ihr Freund Marian Hund brachte Leonie Finke zum Kitesurfen

Das herrlich Ironische an der Karriere der Kitesurferin ist aber, dass sie so normal begonnen hat. Tatsächlich fuhr sie nach dem Abitur 2011 mit ihrem Freund Marian Hund die französische Küste entlang, warf sich jeden Tag den Wellen entgegen. Marian Hund, der aus Habach kommt, gehörte zu diesem Zeitpunkt schon zum Kreis der besseren deutschen Freestyler, also den Kitern, die auf und mit ihren Boards viele verrückte Bewegungen anstellen. Leonie Finke hatte ihn zuvor schon zu Wettkämpfen begleitet.

 Leonie Finke aus Penzberg  beim Kitesurfen.
Penzberger Multitalent: Neben Kitesurfen spielt Leonie Finke in Hamburg Regionalliga-Basketball. © Sebastian Drews

Irgendwann hat er dann einmal gemeint: Probier’s doch auch. Kiten lernt man schneller als Klavier. Nach zwei, drei Tagen könne man fahren, sagt Finke. Den ersten Sprung schaffen die Talentierten nach wenigen Monaten. Die nächste Schwierigkeitsstufe, erklärt Finke, sind die Drehungen. Sie lernt gerade, den Schirm in der Luft für kurze Zeit loszulassen und nebenbei noch ein paar Tricks auf dem Brett zu schaffen, sogenannte Passes. Aber das ist dann Masterklasse, nicht Einsteigerlevel.

Kitesurfen: Bei den meisten Events in Deutschland gibt‘s nicht mal Preisgeld

Recht bald zog sie nach Hamburg fürs Studium, bestritt erste Wettkämpfe. Die Frauenszene in Deutschland ist klein. Selbst zu den größeren Wettkämpfen kommen nicht mehr als 20. Wobei sich einige einfach nicht trauen. „Es gibt viele Mädels, die gut sind, aber nicht mitmachen.“ Am Anfang zeigte Leonie Finke Anfängersprünge. Aber ihr hat das nicht viel ausgemacht. Nach fünf Jahren, angeleitet vom Freund, dem „perfekten Trainer“ wie sie sagt, unterzeichnete sie ihren ersten eigenen Sponsorenvertrag. Über die Details darf sie nicht sprechen, nur so viel: Sie bekam Material. Geld bekommt am Anfang keiner. Nicht einmal Preisgeld gibt es bei den meisten Events in Deutschland. 2017, also ein Jahr danach, war sie deutsche Vize-Meisterin. Vor ihr nur Sabrina Lutz, die fast immer gewinnt. Ihre ersten vier Titel hatte Lutz schon geholt, als Leonie Finke noch kein einziges Mal auf dem Brett gestanden hatte. Ein Großteil fängt in der Jugend mit dem Sport an. Leonie Finke war die Neue im Kite-Establishment: plötzlich da.

Jeder Urlaub ist mit Kiten verbunden.

Leonie Finke

Ihr Leben hat seitdem eine 90-Grad-Kurve eingelegt. die Penzbergerin ist längst Teilzeit-Kiterin. Zu Studienzeiten hat sie einmal 100 Tage im Jahr auf dem Board gestanden, in Brasilien, Spanien, auf Fehmarn oder in St. Peter Ording an der Nordsee. Auch Dänemark ist nicht weit weg von Hamburg, wo sie mit Marian Hund in einer Wohnung der Großmutter lebt. Donnerstagabend packen sie alles, was es für das Wochenende braucht, in ihren Mercedes der V-Klasse, gestellt vom Sponsor. Dazu gehören Kamera und Regenjacke. Denn obwohl sie oft genug das Leben der Beach-Boys and -Girls genießen, gibt es auch Tage, an denen sie mit Gummistiefeln am Strand stehen. „Jeder Urlaub ist mit Kiten verbunden“, sagt Leonie Finke, die Frau der Extreme – und das gar in doppelter Hinsicht. Sie liebt den Winter, den Schnee – und die Halle.

Leonie Finke spielt in Hamburg Basketball in der Regionalliga

Bereits in Penzberg gehörten sie und Schwester Hannah zu den größeren Basketball-Talenten südlich von München. Beim ETV Hamburg, einem der größten Klubs der Stadt, spielt sie Regionalliga. In der Startformation. Die Männer sind gerade in die Pro B, Liga drei in Deutschland, aufgestiegen. Im Verein rührt sich viel. Nur ihre Schwester sieht sie entsprechend selten, höchstens alle zwei Monate einmal. Hannah Finke studiert in Mainz, spielt dort Zweite Liga Basketball. „Es wäre ein Traum, mal wieder mit ihr zusammen zu spielen.“ Wenn das klappen sollte, dann daheim im Oberland. Wo sie ihre Zukunft sieht? „Entweder im Norden oder im Süden.“ Die Entscheidung fällt demnächst. Ihr Freund steht kurz vor dem Ende seines Ingenieurstudiums.

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