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An Flügel und Lesetisch trat Franziska Hildebrandt in der Grundschul-Aula auf. 

„ländliche konzerte“  

Stilvolle Verbindung

Penzberg -  Es war mehr als "nur" Musik. Die Pianistin Franziska Hildebrandt las Hoffmann und spielte Schumann.

 Als Dichter ist er einem breiten Publikum bekannt. Aber der Jurist E.T.A. Hoffmann (1776-1822) war der Musik genauso zugetan wie der Dichtkunst. Er komponierte und wirkte als Kapellmeister, Musikkritiker und Musiklehrer. Robert Schumann (1810-1856) wuchs als Sohn eines Buchhändlers auf. Er schwankte lange, ob er sich der Musik oder der Literatur zuwenden sollte. Als Komponist hat er Weltgeltung erlangt; seine langjährige, wegweisende Arbeit als Autor, Redakteur und Herausgeber der „Neuen Zeitschrift für Musik“ ist weit weniger bekannt.  In Hoffmanns literarischem Werk spielt die Musik immer eine wichtige Rolle, und für Schumann haben Texte eine immense Bedeutung, ob er sie nun vertont wie in seinem bedeutenden Liedschaffen oder durch sie angeregt wird zu instrumentalen Werken. Auffällige Ähnlichkeiten zwischen den beiden Künstlern also, eine Geistesverwandtschaft, die sich in Schumanns Klavierwerk „Kreisleriana“ materialisiert. Dieses nimmt Bezug auf die von Hoffmann geschaffene literarische Figur des Kapellmeisters Johannes Kreisler. So liegt es nahe, die Aufführung des Klavierwerks mit dem Vortrag Hoffmannscher Texte zu verbinden. Das geschieht immer wieder, aber in der Regel teilen sich ein Pianist und ein Schauspieler die Aufgabe.

Nicht so am Samstagabend bei den „Ländlichen Konzerten Penzberg“: Die in Berlin geborene, in Zürich lebende Pianistin Franziska Hildebrandt, dem hiesigen Publikum bereits bestens bekannt, hat beide Parts übernommen. Sie wolle die Kunstsprachen Schumanns und Hoffmanns verbinden, um sie den Zuhörern neu zugänglich zu machen, erläutert sie ihr Konzept, ehe sie, stilvoll am Tischchen mit Kerze, die Lesung beginnt. Der Funke springt sogleich über: Der Text hat so viele Farben, klingt alleine schon fast wie Musik, beschwört fantastische Welten herauf, so dass bunte Bilder vor dem inneren Auge des Zuhörers entstehen. Die folgende Musik führt diese Fantasiereise weiter. Sehr angenehm, dass die Zuhörer die innere Einheit empfinden und nicht mit Zwischenapplaus stören. So wechselt Hildebrandt ganz selbstverständlich zwischen Flügel und Lesetisch hin und her. Die Lesung gestaltet sie zunehmend mimisch und gestisch aus und stellt die verschiedenen Figuren anschaulich dar. Auch der Vortrag am Klavier ist ausgefeilt und differenziert. Aber das Irrlichternde, das latent Wahnsinnige, das Hoffmann seinem Kreisler mitgegeben und Schumann kongenial vertont hat, kommt nicht ganz zum Tragen. Die Pianistin bleibt ein wenig „zu vernünftig“. Nicht umsonst gibt der Komponist Satzbezeichnungen wie „äußerst bewegt“ oder „sehr aufgeregt“ vor: Die Grenzen des Ausdrucks sollen erreicht werden. In die Grenzbereiche hat sich Hildebrandt (noch) nicht herangewagt.

Sabine Näher

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