Schriftsteller Klaus Modick war beim Lesefest in Penzberg zu Gast.
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Schriftsteller Klaus Modick war beim Lesefest in Penzberg zu Gast.

Stadtbücherei in Penzberg

Lesefest statt StadtLesen: Vier Tage „Kino im Kopf“

Es gab zwar keine roten Sitzkissen und Bücherregale auf dem Stadtplatz. „Total glücklich“ war Stadtbüchereileiterin Katrin Fügener dennoch. Das Penzberger „Sta(d)tt-Lese-Fest“ als Alternative zum abgesagten „StadtLesen“ war ein Erfolg, auch wenn nur wenige Zuhörer bei zwei Lesungen und beim Dichterwettstreit in der Stadtbücherei Platz fanden.

Penzberg – Der Bestseller-Autor Klaus Modick war schon für das abgesagte „StadtLesen“ als Höhepunkt engagiert worden. Dass er auch zum Ersatz-Lesefest kam, machte das Stadtbücherei-Team stolz, genauso wie der Umstand, dass das viertägige „Stad(d)tt-Lese-Fest“ – es ging am Sonntag zu Ende – überhaupt stattfinden konnte. „Ich bin total glücklich“, sagte Leiterin Katrin Fügener am Auftaktabend, die zugleich dem Rathaus für die Unterstützung dankte. „Es war schon ein Kraftakt“, bekannte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU). „Es war uns als Stadt aber wichtig.“ Lesen sagte er, sei „Kino im Kopf, Abenteuer und Fantasie“, eine Sache, die man auch Kindern nahebringen müsse.

Ersatz für das abgesagte StadtLesen: Bücherei kreiert eigenes Fest

Eher für Erwachsene war erst einmal der Auftakt mit Klaus Modick, von dem Kritiker sagen, er sei einer der großen Erzähler in Deutschland. Der 69-jährige Oldenburger las am Donnerstag aus seinem 2018 erschienenen Roman „Keyserlings Geheimnis“ vor, der auf realen Begebenheiten und Personen basiert und denen Modick mit feinem Humor eine eigene Note verlieh. Real sind der deutschbaltische Schriftsteller Eduard von Keyserling, der aus dem Baltikum geflohen war, und der Maler Lovis Corinth, der den an Syphilis Erkrankten 1901 in Bernried malte. Ein Bild, das heute in der Neuen Pinakothek hängt.

Schriftsteller Klaus Modick erzählt von „Keyserlings Geheimnis“

Modick erzählte, er sei über einen Freund auf die Bücher Keyserlings gestoßen. Sie seien „zum Niederknien“. Als sich Modick auch für dessen Biografie interessierte, wurde es aber nebulös. Keyserling hatte verfügt, dass sein Nachlass vernichtet wird. Allerdings stieß Modick auf einen Skandal. „Für mich eine Steilvorlage.“ Genauer gesagt: Der überlieferte Skandal, der Keyserling zur Flucht getrieben haben soll, war nach Modicks Ansicht nicht der eigentliche Grund. Hinter der Flucht musste etwas anderes stecken – woraus Modick seinen Roman strickte. „Ich bin überzeugt, dass meine Version plausibel ist“, sagte er augenzwinkernd vor den fast 40 Zuhörern.

Poetry Slam beim Penzberger Lesefest: Mit Applaus ins Finale

Vor allem jüngere Leute waren es dann am Freitag, die beim „Poetry Slam“ mit eigenen Texten antraten. Mate Tabula lästerte über seinen Deutschlehrer-Freund, der ständig alle korrigiert, während Damiano Di Muro seiner Liebe zu Fremdsprachen eine erotische Note verlieh. Auch um Politik ging es. Der Dichter Bodo beschwerte sich über „Fake News“, und Julia Landes kritisierte, dass sich die Leute lieber mit Liebespärchen in „Trash-Sendungen“ beschäftigen, als mit globalen, realen Problemen – mit Situationen, „in denen man nicht mit Rosen schießt, sondern mit Sturmgewehren.“ Sie schaffte es mit ihrem Text ins Finale, worüber die 45 Zuhörer, moderiert von Jaromir Konecny von „Reimrausch“ und umrahmte von der Band „Taktlos“, per Applaus entschieden. So wählten sie auch Melli Koss ins Finale. Sie sprach in ihrem Text „Das Leben ist unberechenbar“ darüber, dass man die Dinge schätzen lernen solle. Die dritte Finalistin Kerstin Neuhaus überzeugte mit einer Geschichte über einen See, der einem Mann jeden Tag beim Vorlesen lauscht, bis der Mann irgendwann einen gelben Stern auf der Jacke trägt und eines Tages nicht mehr kommt. Neuhaus gewann schließlich mit einem zweiten Text den „Poetry Slam“. Darin erzählte sie, wie viele Leute nicht wissen, dass „Depression eine Krankheit ist, die man bekommen kann wie eine Grippe.“ Bücherleiterin Fügener sagte, sie sei begeistert davon, „wie auch junge Leute sich mit Sprache beschäftigen.“

Die Finalistinnen (v.l.) Julia Landes, Melli Koss und Kerstin Neuhaus beim Poetry Slam.

Science Fiction: Thekla Kraußeneck und ihre „Cronos Cube“-Reihe

Dem Science-Fiction-Genre war die Lesung von Thekla Kraußeneck gewidmet, die vor fast 20 Zuhörern ihre „Cronos Cube“-Reihe vorstellte – und mit dem jüngsten Zuhörer, dem zwölfjährigen Konstantin angeregt über Science Fiction und aktuelle Spiele diskutierte. Sie habe bereits 2009 die im Jahr 2030 spielende Geschichte im Kopf gehabt, erzählte die Autorin. Spannend sei, fügte sie an, dass manche Utopie heute durchaus Realität ist.

Text: Wolfgang Schörner und Arabella Schäffler

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