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Hanni Münzer bei ihrer Lesung am Freitagabend in der Stadtbücherei Penzberg. Die 1965 in Wolfratshausen geborene Autorin veröffentlichte ihren Debütroman, den Romantik-Thriller „Die Seelenfischer“, 2013 nach vielen Absagen im Eigenverlag. Er wurde zum Bestseller – und Münzer als „heimliche Bestseller-Königin“ berühmt.

Lesung in Penzberg  

Hanni Münzer, die nahbare Bestseller-Autorin

Früher lehnten Verlage ihre Manuskripte ab, heute reißen sie sich um sie.  Hanni Münzer ist mittlerweile Bestsellerautorin - und las jetzt in Penzberg. 

Penzberg– Jahrelang hatten die Verlage ihre Manuskripte abgelehnt. Dann erhielt sie den Tipp, es doch einmal mit Self-Publishing zu versuchen. Hanni Münzer probierte es aus, ihre Bücher waren sofort immens nachgefragt. „Und wie es so ist: Dann kamen auch die Verlage auf mich zu“, erzählt sie. Ihr bei „Piper“ erschienener Roman „Honigtot“ schaffte es auf die „Spiegel“-Bestsellerliste; 700 000 Exemplare wurden davon verkauft. Insgesamt kann sie mittlerweile auf eine Auflage von mehr als zwei Millionen Bücher verweisen. Den Publikumserfolg kann auch Katrin Fügener, Leiterin der Stadtbücherei Penzberg, die Münzer zur Lesung eingeladen hat, bestätigen: „Ihre Bücher sind bei uns sehr beliebt. Und sie selber wird es heute Abend sicher auch…“.

So um die 20 Besucher seien für sie die ideale Größe, um sich bei einer Lesung wohl zu fühlen, hatte die Autorin zuvor erklärt. Ihr Wunsch ging in Erfüllung: Ziemlich genau diese Anzahl füllte die Reihen am Freitagabend in der Bücherei – ein sehr aufmerksames, konzentriert lauschendes Publikum. Dabei machte es Münzer diesem nicht unbedingt leicht, ihr zu folgen. Zu viele Themen sprach sie an, zu viele Erzählstränge wurden erwähnt. Alles für sich genommen sehr interessant, aber in dieser bunten Fülle eben auch verwirrend. Dass man ihr trotzdem gerne zuhört, liegt an ihrer ausgesprochen sympathischen und offenen Art, auf die Besucher zuzugehen.

Und als sie dann zur ersten Lesung anhebt, versteht man den Erfolg ihrer Bücher sofort: Sie verfügt über eine bildhafte, farbige Sprache und kann fesselnd erzählen. Dass sie nicht die ideale Rezitatorin ist, teilt sie mit vielen Autorenkollegen. Aber wer eine solche Veranstaltung besucht, erwartet keinen geschliffenen Vortrag, sondern Authentizität. Und die bekommt man bei Hanni Münzer. Sie ist eine engagierte, impulsive Frau – und diese Vitalität springt auf die Zuhörer über.

Worum es in „Honigtot“ geht, ist nicht in wenigen Sätzen zu erklären. Deshalb nur soviel: Die Autorin verknüpft ihre fiktiven Figuren mit historischen Fakten, hier die Geschichte der Münchener Familie Hanfstängel, die zu Beginn der NS-Zeit in engem Kontakt zu Hitler stand, dann zu einem seiner erklärten Gegner wurde und in die USA emigrierte. Münzer, die selbst Verwandte in den Staaten hat, lernte bei einem Collegejahr eine Nachfahrin der Familie kennen und wurde durch deren Erzählungen zu diesem Buchprojekt animiert.

„Aber auch wenn es zu Kriegszeiten spielt: Das Buch handelt von der Liebe und der Sehnsucht nach dem Frieden“, erklärt sie. Diese beiden seien die Grundthemen ihrer Arbeit. Als sie den Prolog, den Brief der Protagonistin, den diese kurz vor ihrem Tod an ihre Tochter schreibt, vorliest, bekommt man sofort Lust, zu diesem Buch zu greifen. Auch eine weitere Lesung, die Geschehnisse vom 9. November 1923 erzählt, fesselt umgehend: Elisabeth, eine junge Münchener Opernsängerin, hat eine Freundin am Ammersee (die Autorin hat das Geschehen vom Staffelsee dorthin verlegt) besucht, als dort eine Horde junger Männer Unterschlupf sucht, von denen einer offenbar verletzt ist. Verspätet zuhause angekommen, findet sie ihren Mann, einen jüdischen Arzt, in heller Aufregung vor. Er erklärt ihr, dass sie eben in Utting Adolf Hitler begegnet sei... Spannender kann man historische Ereignisse nicht mit einer private Lebens- und Liebesgeschichte verquicken.

Im Mittelpunkt ihrer Bücher stehen übrigens immer starke Frauen. Deren viel zu lange ungehörte Geschichten will Münzer erzählen. Zwei Folgebände sind zu „Honigtot“ schon erschienen, die die Familiengeschichte fortschreiben: „Marlene“ und „Solange es Schmetterlinge gibt.“

In der Pause in der Café-Ecke der Bücherei entsteht ein lebhafter Austausch zwischen der Autorin und den Besucherinnen. „Am Ende ist die Party eben immer in der Küche“, scherzt Münzer. Als Fügener betont, die Autorin werde natürlich auch gerne signieren, meint diese: „Und wer kein Buch will, bekommt auch eine Umarmung…“.

Sabine Näher

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