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Mal nicht im Sitzungssaal: Klaus Adler vor einer Bücherwand als Vorleser beim „StadtLesen“ im vergangenen Sommer auf dem Penzberger Stadtplatz.

Lieber Penzberg als Bundespolitik: Ein grünes Urgestein tritt ab

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Seit 29 Jahren gehört Klaus Adler dem Penzberger Stadtrat an. Als Gründungsmitglied der Grünen in Deutschland hätte er einst auch in die Bundespolitik gehen können. Doch er entschied sich für Penzberg. Ende Februar wird er sein Stadtratsmandat vorzeitig niederlegen.

Penzberg – Im Mai 1990 stehen vier Männer und zwei Frauen vor dem damaligen Bürgermeister Kurt Wessner. Sie heben die Hand, um sich als neue Stadtratsmitglieder vereidigen zu lassen. Darunter sind Klaus Adler, Johannes Bauer, beide von den Grünen, und Ludwig Schmuck von der CSU. Alle drei gehören bis heute dem Kommunalparlament an. Klaus Adler wird nun Ende Februar vorzeitig ausscheiden, ein Jahr vor der Kommunalwahl. „Aus rein persönlichen Gründen“, sagt der 70-Jährige. „Es gibt keine politischen Gründe, es hat nichts mit irgendwelchen Animositäten zu tun.“

Mit Adler geht ein Grüner der ersten Stunde, nicht nur was Penzberg betrifft, sondern auch Deutschland. Er engagierte sich für die Bundespartei, als Joschka Fischer noch Taxi fuhr. Adler, der einst Mitglied der SPD war, sich von ihr aber in der Zeit von Kanzler Helmut Schmidt und Nato-Doppelbeschluss abwandte, war dabei, als sich im Januar 1980 in Karlsruhe die Grünen-Bundespartei gründete. Den Stimmzettel bewahrt er heute noch auf. Erst 1984 entschied Adler, sich von der Bundesebene zurückzuziehen. Im selben Jahr gründete er – es war nicht sein erster Anlauf – den Penzberger Grünen-Ortsverband.

Seit 1990 sitzt Klaus Adler für die Grünen im Penzberger Stadtrat. „Die Anfangsjahre waren sehr hart“, sagt er über die erste Phase unter SPD-Bürgermeister Wessner. „Damals waren die Grünen der natürliche Feind der SPD.“ Das habe man zu spüren bekommen. Adlers erste Wortmeldung war ein Antrag zur Geschäftsordnung. Die Antwort: „Geht’s schon los .“ Dabei wollte Adler nur einen Umweltreferenten im Stadtrat einrichten. Über die Jahre sei es aber besser geworden. „Die SPD hat angefangen, mit uns Politik zu machen“, sagt der pensionierte Gymnasiallehrer, der 25 Jahre lang in Penzberg unterrichtete.

Seit 1990 verbrachte der Familienvater zehntausende von Stunden mit der Lokalpolitik. Allein im vergangenen Jahr kam Adler auf 85 Termine mit 370 Stunden, wenn er Ausschüsse, Stadtwerke, Ortsverband und ähnliche Sachen hinzurechnet. An was erinnert er sich gern? Dass es der Stadt gelungen ist, aus dem ehemaligen Bergwerksort eine Stadt mit moderner Dienstleistung und Kinderbetreuung zu machen, antwortet Adler. „Da ist Penzberg sicher eine der modernsten Städte.“ Als Markenzeichen sieht Adler auch das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Was den Menschen da gelungen sei, bleibe ihm als Höhepunkt in Erinnerung. Für sich als Erfolg verbucht er, dass die Stadtwerke zum Kommunalunternehmen wurden, wofür er damals den Antrag stellte. Als ärgerlich empfindet es Adler hingegen, dass „wir in der Verkehrspolitik nicht weiter vorangekommen sind“ Bei der Gleichberechtigung von Fußgänger und Radfahrern mit den Autofahrern gebe es noch viel Nachholbedarf.

Sein Resümee zu den drei Jahrzehnten im Stadtrat: Er habe den Eindruck, „was früher Gemeinwohlorientierung war, ist völlig verloren gegangen“. Die Orientierung am Gemeinwohl sei immer sein Prinzip gewesen, sagt der gebürtige Penzberger. Die Auseinandersetzung über Sachthemen habe es zwar immer gegeben, auch mal giftig, aber nie persönlich verletzend. Den politischen Mitstreiter als Feind zu sehen, „war nie meins“. Heute sei der Stadtrat ein „Kampf- und Tummelplatz“. „Das macht mir Sorgen.“ Trotzdem: Würde er es wieder machen wollen, wenn er sich 30 Jahre zurückdenkt? Adler: „Ich würde immer mit Ja antworten.“

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