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Von der Arbeit direkt zur Verabschiedung: „Heinrich „Heini“ Neumann mit Bürgermeisterin Elke Zehetner und Bauhof-Leiter Christian Eber l (r.).

Verabschiedung am Bauhof

Der Mann, der Penzberg sauberhielt

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Am Penzberger Bauhof hört ein Original auf: Heinrich Neumann hat 20 Jahre mit Besen und Handkarren die Innenstadt gereinigt. Nach 45 Dienstjahren geht „Heini“ (63) jetzt in den Ruhestand.

Penzberg – Heinrich Neumann marschiert durch die Penzberger Innenstadt. Bepackt mit Schaufel und Besen schiebt der Bauhofmitarbeiter in seiner orangen Arbeitsmontur seinen ebenso orangen Handkarren vor sich her. Von Mülleimer zu Mülleimer läuft er, leert diese aus und stellt sie wieder auf. Auch der Abfall, der auf den Straßen und öffentlichen Plätzen herumliegt, landet in seinem Karren. Seit 20 Jahren läuft das so bei Neumann. Von Montag bis Samstag hält er Penzberg sauber – bei Wind und Wetter. Doch schon bald ist damit Schluss. Zum 28. Februar verabschiedet sich das 63-jährige Original in den Ruhestand.

Stolze 45 Jahre hielt Neumann der Stadt Penzberg die Treue. Zunächst 25 Jahre als Pfleger der Grünanlagen, danach als Reinigungskraft in der Innenstadt. In all der Zeit war auf „Heini“, wie er von Freunden und Kollegen genannt wird, stets Verlass, betont Bauhofleiter Christian Eberl. „Er hat mit der Zuverlässigkeit eines Schweizer Uhrwerks gearbeitet.“ Krankheitstage? Ein Fremdwort für Neumann. „Ich kann mich nicht wirklich erinnern, dass der Heini mal gefehlt hätte“, sagt Eberl. Neumann selbst hat dafür eine pragmatische Erklärung: „Die Arbeit an der frischen Luft härtet wahrscheinlich ab.“

Mit dem Ende seiner Dienstzeit schließt sich auch für den Bauhof ein Kapitel. Neumann war der letzte Mitarbeiter seiner Art. Einen, der zu Fuß mit dem Handkarren unterwegs ist, wird es künftig nicht mehr geben. Sein Nachfolger übernimmt die Aufgaben mit Hilfe eines Elektrofahrzeugs. „Dadurch kann der Außenbereich mit in das Arbeitsfeld aufgenommen werden“, erklärt Eberl. Erhalten bleibt das Vermächtnis von Neumann den Bauhof-Mitarbeitern auf andere Art und Weise: Seine persönliche Runde von der Bahnhofstraße bis zum Bauhof mitsamt der 64 Abfallkörbe behält ihren Namen „Heini-Tour“ bei. Neumanns Markenzeichen, der orange Handkarren, soll laut Eberl einen gut sichtbaren Ehrenplatz am Bauhof erhalten. „Wir wollen damit unseren Respekt für die Arbeit von Heini bekunden.“

So viel Einsatz und Kontinuität löst bei Elke Zehetner Bewunderung aus. „Herr Neumann ist ein Penzberger Unikat“, sagt die Bürgermeisterin. Es gebe wohl kaum einen Penzberger, der ihn nicht kenne. „Er ist schließlich der Mann, der dafür gesorgt hat, dass unsere Stadt so schön ausschaut.“ Dass so viele Menschen gern in Penzberg zum Einkaufen und Shoppen gehen, sei auch Neumanns Verdienst. Anlässlich seines letzten tatsächlichen Arbeitstages am Mittwoch – an den restlichen Tagen baut er seinen Urlaub ab – überreicht die Rathauschefin Neumann eine Flasche Wein und zwei mit dem Stadtwappen versehene Weingläser.

Zeit, um sich das Präsent schmecken zu lassen, hat Neumann nun genügend. In seiner neugewonnenen Freizeit möchte er auch alte Hobbys wieder aufleben lassen. Zum Beispiel das Fahrradfahren. Das sei in den letzten Jahren oft zu kurz gekommen. Am meisten freut sich der baldige Ruheständler jedoch auf etwas anderes. „Ich kann jetzt hoffentlich alles ein bisserl ruhiger angehen lassen“, betont er. Das Stadtbild will er auch weiterhin im Auge behalten. Nicht, dass die Kollegen nachlassen mit der Sauberkeit. Als mögliches Problem sieht Neumann dabei die stetig steigende Zahl der Coffee-to-go-Becher. „So viel Müll wie heute gab es früher bei weitem nicht.“ Die Bürger in Penzberg müssen Neumann indes nicht vermissen: Seine täglichen Spaziergänge durch die Stadt möchte er beibehalten – nur eben ohne Besen und Handkarren.

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