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Maria Probst ist neue CSU-Chefin, die Bühne gehörte zum Abschied aber Nick Lisson - erst Krise, dann Triumph

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Von: Wolfgang Schörner

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Wechsel bei der CSU: Maria Probst (Mitte) ist neue CSU-Vorsitzende und Nachfolgerin von Nick Lisson (l.). Zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurden Marcel Jung (35 Jahre; r.) und Florian Müller (31; nicht im Bild). Neuer Digitalbeauftragten ist Martin Schmid (23; nicht im Bild), der Lissons Nachrücker im Stadtrat ist.
Wechsel bei der CSU: Maria Probst (Mitte) ist neue CSU-Vorsitzende und Nachfolgerin von Nick Lisson (l.). Zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurden Marcel Jung (35 Jahre; r.) und Florian Müller (31; nicht im Bild). Neuer Digitalbeauftragten ist Martin Schmid (23; nicht im Bild), der Lissons Nachrücker im Stadtrat ist. © Wolfgang Schörner

Maria Probst ist neue Vorsitzende der Penzberger CSU. Sie wurde am Freitagabend mit 35 von 40 Stimmen an die Spitze des Ortsverbands gewählt. Maria Probst beerbt Nick Lisson, in dessen Zeit als Vorsitzender die schwerste Krise und der größte Triumph der CSU fielen. Am Freitag hieß es mehrmals: Es sei ein Abschied auf Zeit.

Penzberg – Die neue Penzberger CSU-Chefin Maria Probst (41) ist auch Vorsitzende der Stadtratsfraktion. Dem Kommunalparlament gehört sie seit Januar 2017 an. Sie übernahm damals das Mandat von Richard Kreuzer. Ihr Vater Josef Probst war früher ebenfalls Stadtratsmitglied, allerdings für die SPD. Die Landschaftsarchitektin leitet mit ihrem Mann seit fünf Jahren den elterlichen Betrieb. Im CSU-Ortsverband war sie bisher stellvertretende Vorsitzende.

Maria Probst: Penzberg ist weder rot noch schwarz, sondern bunt

„Du bist nicht nur beliebt, sondern auch anerkannt in Bevölkerung und Stadtrat“, sagte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU), der Maria Probst als Lisson-Nachfolgerin vorschlug. Sie sei engagiert, zuverlässig und investiere viel Zeit, fügte er an. Maria Probst nannte in ihrer Rede als Herausforderungen den Klimawandel sowie das Wachstum der Stadt und dessen Folgen für die Infrastruktur. Auch einen Seitenhieb leistete sie sich: Die SPD habe vor etwa einem Jahr nach der Vorstandswahl auf ihrer Internetseite geschrieben, Penzberg sei rot. „Penzberg ist nicht rot, aber auch nicht schwarz, Penzberg ist bunt.“ Es habe nur derjenige Erfolg, der das erkenne. Dies sei der Schlüssel für eine erfolgreiche Stadtpolitik, sagte die neue CSU-Chefin.

Nick Lisson legt alle politischen Ämter nieder

Die Bühne gehörte bei der Hauptversammlung am Freitagabend aber vor allem Nick Lisson. Wie berichtet, wird er im Juli auch aus Stadtrat und Kreistag ausscheiden. Für seinen Rückzug von allen politischen Ämtern nennt er private und berufliche Gründe. Zum einen wurde er im November zum zweiten Mal Vater und will mehr Zeit für die Familie haben. Zum anderen ist der Journalist seit kurzem Programmchef beim Münchner Radiosender „Gong 96,3“ und für 40 Mitarbeiter verantwortlich.

2017 drohte der CSU die Spaltung, drei Jahre später folgte der große Triumph

Den CSU-Vorsitz hatte Lisson 2015 übernommen. Bereits zwei Jahre später kam es zur schwersten Krise in der Geschichte des Ortsverbands. Sein Vorgänger André Anderl, Jack Eberl und Michael Kühberger verließen im Streit Partei und Fraktion. Bundesverkehrsminister und Kreisvorsitzender Alexander Dobrindt eilte damals eigens zum Krisengespräch nach Penzberg. Am Freitag kam dies zumindest indirekt zur Sprache. Er wünsche sich eine „langweilige Versammlung, weil wir schon so viel erlebt haben“, witzelte Lisson. Die Anfangszeit beschrieb er so: erst ein Lächeln, dann Mitleid, später Staunen und Bewunderung, schließlich Neid. „Aber das ist mir egal, ich bin verdammt stolz auf die starke Mannschaft heute.“ Am Ende seiner Rede kam er noch einmal darauf zurück. Es sei eine „wahnsinnig schwere Krise“ für den Ortsverband gewesen. Er habe nicht geglaubt, dass man ihn zusammen wieder aufbauen und diesen Erfolg schaffen könne.

„Aus Sicht der CSU war Penzberg ein hoffnungsloser Fall“

Der Triumph folgte 2020: Penzbergs CSU gewann mit Stefan Korpan erstmals die Bürgermeisterwahl und wurde zugleich die stärkste Stadtratsfraktion. Den Wahlsieg 2020 hoben sowohl Landrätin Andrea Jochner-Weiß als auch Landtagsabgeordneter Harald Kühn, beide CSU, am Freitag in ihren kurzen Reden hervor. Lisson habe die CSU zu dem gemacht, was sie heute ist, lobte Jochner-Weiß. Kühn sagte, Penzberg sei „aus CSU-Sicht ein hoffnungsloser Fall“ gewesen. Lisson habe mit Stefan Korpan und dem Ortsverband Geschichte geschrieben. Geschockt sei er gewesen, als er von Lissons Abschied gehört habe, erzählte Kühn. Er habe alle denkbaren Argumente in die Waagschale geworfen, um ihn umzustimmen. Korpan stellte als größten Erfolg heraus, dass eine Gemeinschaft entstanden sei. Lisson habe das Team zusammengehalten und motiviert. Er habe „immer 100 Prozent gegeben“. Das unterstrich Nachfolgerin Probst („Vor fünf Jahren sind wir durch die Hölle gegangen“). Lisson habe es „stets geschafft, uns zu begeistern“, und habe im Wahlkampf vor Ideen gesprudelt.

Am Freitag hieß es auch, dass es nur ein Abschied auf Zeit sein soll. „Du hast es versprochen“, sagte Korpan. „Du kommst wieder, darauf freue ich mich“, so Jochner-Weiß, Und wann das sein wird, fügte Kuhn hinzu, „legst du und deine Familie fest.“

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