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Martin-Luther-Kirche in Penzberg wird zur Baustelle

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Von: Wolfgang Schörner

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Die Martin-Luther-Kirche in Penzberg, im Bild mit Pfarrer Julian Lademann, muss renoviert werden.
Die Martin-Luther-Kirche in Penzberg, im Bild mit Pfarrer Julian Lademann, muss renoviert werden. © Wolfgang Schörner

Die 117 Jahre alte evangelische Kirche in Penzberg muss renoviert werden. Im September soll es losgehen. Schon seit einiger Zeit zieht sich ein langer Riss durch das Mauerwerk über dem Altar. Aber auch die Außenfassade und die Elektrik müssen erneuert werden. Die evangelische Kirchengemeinde rechnet mit fast einer halben Million Euro an Kosten.

Penzberg – Der Riss über dem Altarraum ist schon älter. Vor fünf Jahren war die Martin-Luther-Kirche deswegen für kurze Zeit gesperrt worden. Ein Statiker gab damals allerdings Entwarnung. Pfarrer Julian Lademann begleitet der Riss bereits, seit er 2017 nach Penzberg kam. Seine Kollegin Sandra Gassert habe ihm damals schon gesagt: „Da kommt was auf dich zu.“ Der Riss, so Lademann, sei zwar statisch nicht gefährlich, aber er schmerze an diesem Ort über dem Altar. Entstanden war er wohl durch Temperaturunterschiede und Schwankungen bei der Feuchtigkeit, was Bewegungen der Decke im Millimeter-Bereich verursachte.

Martin-Luther-Kirche: Renovierung soll im September starten

Im kommenden September soll nun die Renovierung starten – nach vielen Jahren der Planung und Vorbereitung, wie Lademann erklärt. Die letzte große Renovierung war ihm zufolge in den Siebzigerjahren. Das Ganze wird mehrere Monate dauern. Er hoffe, dass die Martin-Luther-Kirche im neuen Glanz erstrahlt, wenn die Penzberger Kirchengemeinde 2022 das 100-Jährige als eigenständige Pfarrei feiert. Die Gottesdienste sollen während der Renovierungszeit entweder im Freien oder auf Gut Hub stattfinden.

Starten sollen die Arbeiten im Inneren. Laut Lademann wird der Riss mit einer Spezialmasse verschlossen. Ebenso wird, weil die Decke in Bewegung ist, etwas Spiel eingebaut. Um künftig Risse zu verhindern, sind auch Messgeräte und eine Lüftungsautomatik vorgesehen. Kirchenmaler und Restauratoren werden zudem die Farben an den Wänden reinigen. Die Kirchenbänke müssen für diese Zeit ausgelagert werden.

Glocke muss wieder nach Polen zurück

Die Martin-Luther-Kirche in Penzberg muss eine seiner drei Glocken nach Polen zurückgeben, an den „rechtmäßigen Besitzer“, wie Pfarrer Julian Lademann erzählt. Zugleich lässt die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde eine neue Glocke gießen, die im Zuge der Sanierungsarbeiten im Glockenturm installiert werden soll.

Der Grund für die Glocken-Rückgabe liegt Jahrzehnte zurück. Im Zweiten Weltkrieg mussten die Kirchen – wie schon im Ersten Weltkrieg – Glocken für die Rüstungsproduktion hergeben. Anfang der 1940er Jahre wurden zwei der drei Glocken der evangelischen Kirche in Penzberg konfisziert. Sie seien damals nach Hamburg auf einen „Glockenfriedhof“ gekommen, so Pfarrer Lademann. Der weit überwiegende Teil dieser Glocken wurde eingeschmolzen. Nach Kriegsende blieben rund 15 000 Glocken übrig. Die Penzberger Exemplare waren nicht darunter. Die evangelische Gemeinde erhielt laut Lademann aber 1952 die Erlaubnis, auf dem „Glockenfriedhof“ eine „Leihglocke“ zu holen. Sie sei aus einer damals nicht mehr vorhandenen Kirche in Pommern, dem heutigen Polen, gewesen. Die Glocke aus dem Jahr 1563 war fortan in der evangelischen Kirche in Penzberg die „Vaterunser-Glocke“.Wenige Monate später konnte sich die Kirchengemeinde in Erding zudem eine weitere Glocke kaufen. Das Geläut war damit wieder komplett.

Nun muss die Penzberger Kirchengemeinde die „Vaterunser-Glocke“, die kleinste im Glocken-Trio, wieder zurückgeben. Eine Gemeinde in Polen habe sich gemeldet, dass sie sie zurückhaben wolle, so Lademann. Wann der Rücktransport genau geschieht, ist noch offen.

Jedenfalls hat die evangelische Gemeinde Penzberg bereits einen Ersatz in Auftrag gegeben. Die neue Glocke soll im Juli gegossen werden. Für den Austausch muss dann das Mauerwerk geöffnet werden. In dem Zuge erhalten laut Lademann die beiden anderen Glocken außerdem eine neue Aufhängung. Die Läuteanlage wird zugleich von mechanischer auf elektrische Steuerung umgestellt. Ebenso werden die Schallläden erneuert. Einen Namen hat die künftige neue Glocke laut Pfarrer bereits: „Völkerverständigungs-Glocke“.

Es ist allerdings nicht nur der Riss über dem Altarraum, der die Renovierung nötig macht. Lademann („Das ist keine Luxussanierung“) weist auf eine Reihe von Rissen und Schäden an der Außenmauer hin. Handlungsbedarf, erklärt er, bestehe auch an den Regenrinnen und am Turm. Diese Renovierungsarbeiten waren ihm zufolge bereits vor 15 Jahren angedacht worden, wurden bis jetzt aber nicht umgesetzt. Auch Außentüren und Fenster müssen überarbeitet werden, beim Dach wird das zumindest an manchen Stellen nötig sein. Aus Sicherheitsgründen ist nach den Worten des Pfarrers zudem die Elektrik in der Kirche fällig. Sie stamme noch aus den Sechzigerjahren und müsse dringend ausgetauscht werden.

Die evangelische Kirchengemeinde rechnet mit Kosten in Höhe von rund 454.000 Euro. Die bayerische Landeskirche sicherte 130.000 Euro zu. Die Stadt Penzberg hat 40.000 Euro bewilligt. Die Gemeinde Iffeldorf – so entschied es der Gemeinderat vergangene Woche – schießt 10.000 Euro zu. Die Kirchengemeinde selbst, so Lademann, habe 176.000 Euro angespart. Auch viele Spenden gingen ein. Bleiben laut Pfarrer noch 70.000 Euro, die offen sind. Man werde ein Darlehen aufnehmen müssen, sagt Lademann. Er hoffe aber auch auf weitere Spenden.

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