Ende Oktober hatte „Marvel Fusion“ seine Pläne in einer öffentlichen Stadtratssitzung vorgestellt.
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Ende Oktober hatte „Marvel Fusion“ seine Pläne in einer öffentlichen Stadtratssitzung vorgestellt.

Grundstückskauf in Penzberg weiter offen

Marvel Fusion: Klatten steigt aus, Chefwissenschaftler weg

  • VonWolfgang Schörner
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Noch ist der Grundstücksverkauf der Stadt Penzberg an „Marvel Fusion“ nicht über der Bühne. Bekannt wurde nun, dass sich Susanne Klattens Beteiligungsgesellschaft und „Chief Science Officer“ Markus Roth verabschiedet haben.

Penzberg - Die Beteiligungsgesellschaft Skion der BMW-Großaktionärin und Unternehmerin Susanne Klatten ist bei „Marvel Fusion“ ausgestiegen. Das bestätige Skion-Sprecher Jörg Appelhans am Freitag auf Anfrage. Skion habe „Marvel Fusion“ als Minderheitsgesellschafter unterstützt. Ende 2020 hätten sich die Wege getrennt. Über die Gründe sei Vertraulichkeit vereinbart worden, teilte er mit.

Verzichten muss „Marvel Fusion“ künftig auch auf seinen Chefwissenschaftler („Chief Science Officer“) und Mitgründer Prof. Markus Roth. Der Kernphysiker bestätigte am Freitag unserer Zeitung, dass er an die Technische Universität Darmstadt zurückkehre, um sich wieder der Forschung zu widmen. Er habe die Geschäftsführung im Herbst 2020 verlassen, die Firma verlasse er zum 31. März. Im Moment sei er von allen Aufgaben freigestellt, teilte Roth mit. Man habe sich „in bestem Einvernehmen“ getrennt, bezüglich der Gründe habe er sich zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Penzberger Klimaschutzbündnis rät Stadt zu höchster Vorsicht bei Notarvertrag

Angesichts dieser Entwicklung hat Konrad Kürzinger vom Penzberger Aktionsbündnis Klimaschutz die Stadt Penzberg und den Stadtrat in einem Schreiben zu höchster Vorsicht bei der Ausarbeitung des Notarvertrags aufgefordert. Es sollten „alle Alarmglocken schrillen“, erklärt er. Wie berichtet, hat am 12. Januar eine Stadtratsmehrheit für einen Grundstücksverkauf an „Marvel Fusion“ gestimmt, das ein kommerzielles Fusionskraftwerk entwickeln will. Der Verkauf ist noch nicht getätigt. Derzeit arbeitet die Stadt am Notarvertrag. Der Stadtrat soll nächsten Dienstag nicht öffentlich darüber beraten.

Laut Konrad Kürzinger hätten vom Klimabündnis befragte Experten betont, dass sie für das Projekt so lange eine Chance sähen, wie Prof. Roth in leitender Stellung an Bord sei. Er schreibt zudem, Susanne Klatten habe als Garant für die finanzielle Sicherheit gestanden. Die „solide Basis“, die bei der Verkaufsentscheidung angeführt wurde, bestehe nun vermutlich nicht mehr.

Marvel Fusion besätigt Ausstieg und verweist auf renommierte Wissenschaftler

Eine Sprecherin des Unternehmens „Marvel Fusion“ bestätigte am Freitag die beendete Zusammenarbeit mit Wissenschaftler Roth sowie den Ausstieg von Skion. Die Sprecherin erklärte zugleich, bei „Marvel Fusion“ würden „nach wie vor weltweit führende Wissenschaftler in den Bereichen der Laser- und Nanotechnologie sowie der Fusionsenergie“ arbeiten. Als Beispiele nannte sie „Chief Technology Officer“ und Mitgründer Georg Korn. Er sei wissenschaftlicher und technologischer Direktor am renommierten Laserzentrum ELI in Prag und gehörte zum Team des Physik-Nobelpreisträgers von 2018, Gérard Mourou. „Marvel Fusion“ plane, das von Mourou entwickelte Laserverfahren im eigenen Fusionskraftwerk einzusetzen. Der Nobelpreisträger sei zudem „Chairman“ von „Marvel Fusions“ Wissenschafts- und Technologiebeirat. Ebenso nannte sie Karl-Georg Schlesinger (SVP Science Strategy), ein theoretischer Physiker mit Forschungsaufenthalten in Princeton, beim MIT und in Berkeley, sowie Todd Ditmire, Spezialist für hochintensive Laser, Professor und Direktor des „Texas Center for High Intensity Laser Science“.

Eine Standortentscheidung ist laut Unternehmen noch nicht gefallen. „Nach dem positiven Echo auf unser Projekt in der Öffentlichkeit“ seien zahlreiche Angebote aus ganz Deutschland eingegangen. Diese würden mit der nötigen Sorgfalt geprüft.

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