So stellt sich „Marvel Fusion“ das Forschungszentrum vor: Mit diesem Bild wirbt das Unternehmen für seinen Plan, in Penzberg erst eine Demonstrationsanlage, dann den Prototyp eines Fusionskraftwerks zu errichten.
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So stellt sich „Marvel Fusion“ das Forschungszentrum vor: Mit diesem Bild wirbt das Unternehmen für seinen Plan, in Penzberg erst eine Demonstrationsanlage, dann den Prototyp eines Fusionskraftwerks zu errichten.

Geplante Ansiedlung in Penzberg

„Marvel Fusion“: Viele Fragen zur Sicherheit

  • vonWolfgang Schörner
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Noch hat die Stadt Penzberg nicht entschieden, ob sie „Marvel Fusion“ ein Grundstück im Nonnenwald verkauft. Auf der städtischen Internetseite beantwortet das Unternehmen nun aber eine Reihe von häufig gestellten Fragen zu den Plänen, ein kommerzielles Fusionskraftwerk zu entwickeln. Viele Fragen betreffen dabei die Sicherheit.

Penzberg – Das Unternehmen „Marvel Fusion“ möchte nach eigenen Angaben in Penzberg, wie berichtet, ein Fusionskraftwerk entwickeln, das CO2-freie Energie produziert. In einem ersten Schritt soll bis 2023 eine Forschungsanlage entstehen, in einem zweiten Schritt bis 2028 der Prototyp des Kraftwerks folgen. So lautet jedenfalls der Zeitplan. Ob sich das Unternehmen im Penzberger Industriepark Nonnenwald ansiedelt, ist allerdings noch offen. Der Penzberger Stadtrat hat noch nicht entschieden, ob man dem Unternehmen das städtische Grundstück neben dem Roche-Werk verkaufen wird.

Penzberger Stadtrat hat über Grundstücksverkauf noch nicht entschieden

In der Oktober-Sitzung des Stadtrats hatte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) mitgeteilt, dass im Vorfeld Bürger als Multiplikatoren für ein Meinungsbild angeschrieben worden seien und sich weitere bei der Stadt melden könnten, um Fragen an das Unternehmen zu stellen. Laut Rathaus beteiligten sich bislang 50 Personen. Die Fragen seien an „Marvel Fusion“ zur Beantwortung weitergeleitet worden, hieß es am Dienstag. Das Ergebnis ist seit dieser Woche auf der städtischen Internetseite zu finden.

„Marvel Fusion“ beantwortet Fragen auf städtischer Internetseite

Ein großer Fragenkomplex betrifft die Sicherheit der geplanten Anlage im Industriepark, insbesondere die Radioaktivität. „Marvel Fusion“ erklärt dazu, dass eine Trägheitsfusionsanlage von der radiologischen Einstufung her einer Krebstherapieanlage ähnle. Im Falle von „Marvel Fusion“ treffe ein lasergetriebener Protonenstrahl auf Bor, was eine Fusionsreaktion auslösen soll. Bor, so das Unternehmen, sei radiologisch ungefährlich. Der Protonenstrahl trifft laut „Marvel Fusion“ aber auch auf Anlagenteile, „wobei eine geringe Radioaktivität entsteht“. Nach heutigem Kenntnisstand, schreibt das Unternehmen, klinge „die meiste Radioaktivität innerhalb von wenigen Wochen unter die entsprechenden Grenzwerte“ ab. Für diese Teile gebe es einen Lagerraum, um die Abklingzeit abzuwarten. Sollte trotz Wartezeit ein Gerät nicht freigegeben werden können, werde es entsprechend der Strahlenschutzverordnung an genehmigte Betriebe zur Reparatur oder Verwertung übergeben, heißt es weiter.

Großer Fragenkomplex betrifft die Sicherheit

Zum Thema Sicherheit erklärt „Marvel Fusion“ zudem, dass der Laser im Kraftwerk und damit die Fusionsreaktion jederzeit und innerhalb einer Zehntelsekunde gestoppt werden könne. Die Anlage sei deshalb am ehesten mit einer Beschleunigeranlage zu vergleichen, wie sie in der Krebstherapie verwendet wird. Die Sicherheitsauflagen der Behörden seien vergleichbar. Eine solche Anlage, so „Marvel Fusion“, könnte daher „sogar direkt an Wohngebiete angrenzend sicher“ betrieben werden. Selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Flugzeugabsturzes und einer Zerstörung der Anlage entstünden keine radioaktiven Emissionen, so das Unternehmen. Allerdings, heißt es weiter, sollten Rettungskräfte auf dem Grundstück mit Radioaktivität vertraut sein. Dazu werde es Abstimmungen mit der lokalen Feuerwehr geben, erklärt „Marvel Fusion“.

Laut dem Unternehmen läuft der Fusionsprozess mit Wasserstoff und Bor. Es könnten ihm zufolge aber auch geringe Mengen Tritium eingesetzt werden. Der TÜV Süd habe in seinem Gutachten bestätigt, dass dessen Einsatz genehmigt werden kann. Für die Bevölkerung könne der Einsatz von Tritium nicht gefährlich werden, erklärt „Marvel Fusion“. Jegliche Emissionen würden unterhalb der Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung bleiben. Die Menge an Tritium für die wissenschaftlichen Tests, die das Unternehmen vorhalten würde, läge bei maximal 0,1 Gramm.

Auf der Internetseite geht „Marvel Fusion“ auch auf die Frage ein, was mit dem Standort passiert, sollte es mit dem kommerziellen Fusionskraftwerk nicht klappen. Dann, so das Unternehmen, „werden wir die Anlage als internationales Laserentwicklungszentrum für moderne, hocheffiziente diodengepumpte Laser mit hoher mittlerer Leistung und deren Anwendung in der Industrie und Forschung etablieren.“

Die Antworten von „Marvel Fusion“ auf häufig gestellte Fragen gibt es auf „www.penzberg.de“.

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