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Der ehemalige Bergmann und Steiger Michael Mayr (sitzend) signierte sein Buch bei der Präsentation im kleinen Saal der Penzberger Stadthalle.

„Koistadlbua“ mit 14: Michael Mayr schrieb ein Buch über die harte Bergwerkszeit

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Schwer und gefährlich war die Arbeit im Bergwerk. In Penzberg verunglückten innerhalb von hundert Jahren 243 Bergleute tödlich. Der Penzberger Michael Mayr (83) hat nun ein Buch über seine Arbeit im Bergwerk geschrieben – ein detailreiches Dokument über die fünfziger und sechziger Jahre, das diese Zeit nicht verklärt.

Penzberg – „Für einen Außenstehenden, einen Bergfremden, ist es kaum vorstellbar, wie hart die Arbeit eines Bergmannes, vor allem eines Hauers und seiner Helfer vor Ort, wirklich war“, erzählt Michael Mayr. Nicht selten hätten Neulinge nach der ersten Schicht unter Tage das Handtuch geworfen. Es gab aber auch Vorteile: die geregelte Arbeitszeit, ein fester Arbeitsplatz, eine gute Entlohnung, bezahlte Urlaubstage, eventuell eine günstige Bergwerkswohnung und „vor allem eine gute Kameradschaft“. Dies, so der 83-Jährige, sei es wert gewesen, die schwierigen Arbeitsbedingungen zu akzeptieren.

Gerade mal 14 Jahre alt war Michael Mayr, als er im Penzberger Bergwerk seine Ausbildung begann. Das war im April 1949. Bereits sein Vater sowie seine Großväter und Urgroßväter hätten im Bergwerk ihr Geld verdient; außerdem habe es damals in Penzberg kaum Lehrstellen außerhalb des Bergwerks gegeben. Michael Mayr begann seine Lehre im Kohlenstadel, in dem die Kohle sortiert wurde. Es sei dort dreckig, staubig, teilweise nass und sehr laut gewesen, erinnert er sich.

In den folgenden Jahren absolvierte der junge Mann seine Ausbildung zum Hauer (Bergmann) und zum Steiger (Abteilungsleiter). Er arbeitete in Penzberg, Peißenberg und im nordrhein-westfälischen Herne. Dort besuchte er die Fachoberschule. In Recklinghausen studierte er an der Fachhochschule. Bis 1965 war Michael Mayr im Penzberger Bergwerk. Von dieser Zeit handelt sein 230 Seiten starkes Buch „Vom Koistadlbua zur Grubenaufsicht – ein Penzberger Bergmann erinnert sich“, das der Penzberger Bergknappenverein herausgebracht hat.

Erstmals unter Tage war Michael Mayr als 16-Jähriger. Die erste Grubenfahrt mag etwas Beängstigendes haben, erzählt er. „Es ist ja auch nicht jedermanns Sache, im sausenden und an den Spurlatten leicht schleifenden Förderkorb 600 bis 800 Meter in die Tiefe zu fahren, ja beinahe zu fallen.“ Unten kurz aufatmen und dann gleich weiter. „Eingepfercht mit drei Mann in einem kleinen Hunt, folgte eine ratternde Fahrt von 25 bis 30 Minuten durch die Finsternis“, so Mayr.

Detailliert beschreibt der Autor, wie komplex die Arbeiten im Bergwerk waren. Und er beschreibt, wie sie sich mit der Modernisierung änderten. Auch traurige Erlebnisse kommen vor: als er 1959 nach einem Grubenunglück in der Ruhrgebietszeche Shamrock an der Bergung toter Bergleute beteiligt war. Michael Mayr selbst hatte in seiner Zeit Glück. „Außer einem Rippenbruch sowie kleineren Quetsch- und Risswunden bin ich heil durch meine 16 Bergbaujahre gekommen.“ Viele andere ließen bei der gefährlichen Arbeit ihr Leben, wie Ludwig Schmuck, Vorsitzender des Bergknappenvereins, bei der Buchpräsentation am vergangenen Freitagabend erzählte: Im Penzberger Bergbau seien von 1863 (damals begannen die Aufzeichnungen) bis 1966 insgesamt 243 Bergleute tödlich verunglückt.

Knapp ein Jahr vor der Grubenschließung in Penzberg kündigte Michael Mayr. Er ging zunächst zur Firma Beton- und Monierbau in München und wechselte einige Monate später zum Straßenbauamt Weilheim.

Geschrieben hat er das Buch, damit die Arbeitsbedingungen nicht in Vergessenheit geraten. Dieses Anliegen vertritt der Penzberger Bergknappenverein, dem Mayr angehört, seit der Verein 1968 gegründet wurde. Seit 50 Jahren würden die Bergknappen die Geschichte und Tradition für die nächste Generation erlebbar machen, sagte Vorsitzender Schmuck – durch Denkmäler, Dokumentationen, durch das Bergwerksmuseum und den Bergbau-Rundweg, den Michael Mayr im Jahr 2005 konzipierte. Heuer wird laut Schmuck zudem ein Modell des Nonnenwaldschachts aufgestellt. Die Stadt könne stolz darauf sein, sagte Bürgermeisterin Elke Zehetner bei der Buchpräsentation. Schmuck dankte Mayr für das Buch: Es sei beeindruckend und bewegend, aber es verkläre nicht.

Das Buch

„Vom Koistadlbua zur Grubenaufsicht“ von Michael Mayr wird vom Bergknappenverein Penzberg herausgegeben und ist in einer Auflage von 750 Exemplaren erschienen. Mitgewirkt haben auch Katrin Fügener, Stefan König (Lektor) und Cyriakus Wimmer (Bildbearbeitung). Erhältlich ist das Buch für 12 Euro bei der Buchhandlung „Rolles“ (5 Euro für Mitglieder des Bergknappenvereins).

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