Bus auf Bestellung: Seit 2020 gibt es in Murnau das Ortsbussystem des Unternehmens Omobi. Gerufen werden die Busse per Handy-App. In Penzberg gibt es Überlegungen, den Stadtbus durch einen Rufbus zu ergänzen.
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Bus auf Bestellung: Seit 2020 gibt es in Murnau das Ortsbussystem des Unternehmens Omobi. Gerufen werden die Busse per Handy-App. In Penzberg gibt es Überlegungen, den Stadtbus durch einen Rufbus zu ergänzen.

Omobi stellt Murnauer System vor

Minibusse ohne starre Fahrpläne - Ergänzung für Penzberger Stadtbus?

  • vonWolfgang Schörner
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In Penzberg gibt es Überlegungen, den Stadtbus-Linienverkehr durch kleinere flexible Busse zu ergänzen, die per Handy-App gerufen werden können und keine festen Haltestellen haben. Vorbild wäre der Murnauer Ortsbus, den es seit Sommer 2020 gibt. Das Murnauer Unternehmen „Omobi“ hat dem Stadtrat nun erklärt, wie so etwas funktionieren könnte.

Penzberg – Seit vergangenen Juli gibt es in Murnau den Ortsbus, kein klassischer Linienverkehr wie in Penzberg, sondern eine flexible Variante ohne feste Haltestellen und ohne starre Fahrpläne. Eine Busfahrt wird dort per Handy-App oder Telefon bestellt. Im Penzberger Stadtrat war zuletzt der Wunsch geäußert worden, sich dies Ruf-Bussystem einmal näher anzuschauen. Diese Woche erläuterten Clemens Deyerling und Robert Schotten vom Murnauer Unternehmen „Omobi“ – dies steht für „Oberland-Mobilität“ – ihr Bussystem. Im Stadtrat stieß es auf Zuspruch.

Stadtbus und Rufbus „schließen sich nicht aus“

Das Ziel von „Omobi“ sei gewesen, den öffentlichen Nahverkehr im ländlichen Raum „komplett neu zu denken“, erklärte Clemens Deyerling. Murnau war ihm zufolge das erste derartige Projekt in Oberbayern. Die Probleme des herkömmlichen Linienverkehrs sind laut Deyerling die geringe Auslastung, starre Fahrpläne, schlechte Direktverbindungen und die lange Dauer der Fahrten. Häufig seien im ländlichen Raum auch einzelne Ortsteile nicht angebunden. Linienbusse machen ihm zufolge aber Sinn, wenn es um Schülerverkehr oder stark frequentierten Pendlerverkehr geht. „Das eine schließt das andere nicht aus“, sagte er.

Busverkehr ohne feste Haltestellen und Routen

Beim Rufbussystem geht es laut Deyerling um „bedarfsorientierten digitalen Nahverkehr“. Die Minibusse fahren ohne feste Haltestellen und Routen. Die Fahrten würden individuell per App gebucht. Die App erkennt, wo der Fahrgast wartet. Dieser gibt nur noch sein Ziel ein. Über die App erhält er die Nachricht, wann der Bus da ist, wo der Bus sich gerade befindet und mit welcher Fahrtzeitdauer er rechnen muss. Die Software des Unternehmens errechnet laut Deyerling die beste Route für den Fahrer, eine Route, auf der er auch andere Fahrgäste aufnimmt und absetzt. Die Zahlung erfolge bar oder digital, so Deyerling. Der Preis in Murnau beträgt zwei Euro, egal wie lang die Fahrt dauert und wie viele Kilometer zurückgelegt werden.

In Murnau werde das Bussystem von Jung bis Alt genutzt, so Deyerling. „Wir haben Leute in den öffentlichen Personennahverkehr gebracht, die vorher nicht im Traum daran dachten, in einen Bus zu steigen“, sagte er. „Was uns am Herzen liegt, ist Flexibilität.“ Das gilt ihm zufolge auch für Betriebszeiten (im Murnau montags bis freitags, 6 bis 20 Uhr), virtuelle Haltestellen (in Murnau 220 bis 230), für das Betriebsgebiet (an Murnau möchten sich Riegsee und Seehausen andocken) sowie die Zahl der nötigen Fahrzeuge.

Penzberger Stadtrat kann sich Rufbus als Ergänzung vorstellen

Im Penzberger Stadtrat wurde das digitale Bussystem als „interessant“ und „innovativ“ bewertet, aber auch die Ähnlichkeit zu Taxis und zu „Uber“ erwähnt. Ebenso hieß es, es sei eine mögliche Ergänzung des Stadtbusverkehrs. Es gab aber auch Fragen, zum Beispiel zur Barrierefreiheit der Busse. Ein derartiges Fahrzeug könne man vorhalten, sagte Deyerling. Auf die Frage nach Vorbestellungen antwortete er, dass dies in Murnau bis zu 90 Minuten vor der Fahrt möglich sei. Technisch wäre aber mehr machbar. Auch Wochen- oder Monatskarten könnten angeboten werden.

Frage nach den Kosten

Zur Frage nach den Kosten sagte Robert Schotten, dass man sich das „Omobi“-Bussystem wie einen „kleinen RVO“ vorstellen müsse. Die Kommune erteile den Auftrag und zahle „Omobi“ einen Fix-Betrag für den Service. Die Einnahmen aus den Fahrkarten erhalte die Kommune. Die Frage, was der Rufbus die Stadt Penzberg kosten würde, konnte er noch nicht beantworten.

In Murnau hatte die Preis-Frage im März zu einer Kontroverse im Marktgemeinderat geführt. Die dortige CSU kritisierte, dass der Zuschuss pro Fahrgast und Fahrt umgerechnet bei 16,66 Euro liege. Die Marktgemeinde rechnete bei der Einführung mit jährlichen Gesamtkosten von 350 000 Euro und einem Defizit von rund 200 000 Euro.

In Penzberg will man die Rufbus-Idee weiterverfolgen. Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann („eine sehr gute Sache“) sagte, dass der Linienverkehr wichtig sei, das Rufbussystem aber eine Ergänzung sein könne. Ihm zufolge soll es Gespräche mit dem RVO über Schnittpunkte geben. Er kündigte ein Konzept an, „das für Penzberg sinnvoll ist“. In den nächsten Monaten soll es dem Penzberger Stadtrat vorliegen.

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