Das frühere Gasthaus „Zum letzten Pfennig“ in Penzberg-Reindl
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Das frühere Gasthaus „Zum letzten Pfennig“ in Penzberg-Reindl.

In der Stadthallen-Gaststätte „Koinschaufe“

Mit der Lohntüte zum „Letzten Pfennig“ - Ausstellung erinnert an alte Penzberger Wirtshaus-Kultur

  • VonWolfgang Schörner
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Penzberg hatte einst eine vielfältige Wirtshaus-Landschaft. Die Gasthäuser hießen zum Beispiel „Zum letzten Pfennig“ oder „Zur Lüft’n“. Es gibt sie nicht mehr, ebenso wie den „Staltacher Hof“, der bis vor 19 Jahren an der Stelle des heutigen Stadtplatzes stand. Eine Fotoausstellung in der „Koinschaufe“ erinnert nun an diese alte Wirtshaus-Tradition.

Penzberg – Vor über einem Jahr hatte Stadthallen-Wirt Adrian Auer die Idee, in seinem „Wirtshaus zur Koinschaufe“ historische Bilder der alten, verschwundenen Wirtshaus-Kultur aufzuhängen. Das Echo war groß. Er fand Helfer und Sponsoren (siehe unten). 36 historische Bilder, die meisten aus dem Stadtarchiv, kamen zusammen – nicht nur von Wirtshäusern, sondern auch von der Stadthalle und zum Teil längst vergessenen Vereinen. Jetzt hängen sie an den Wänden der „Koinschaufe“. Diese Woche präsentierte Auer die Dauerausstellung den Helfern und Sponsoren.

In der früheren Bergarbeiterstadt gab es viele Wirtshäuser

Wenig erstaunlich ist es, dass es in einer alten Bergwerksstadt wie Penzberg viele Wirtshäuser gab. „Der Wohnraum war eng“, sagte Thomas Sendl von der Penzberger Kulturgemeinschaft, dem Träger der Ausstellung. Dieser Enge wollten sie zeitweise entfliehen. Die Arbeiter hätten deshalb viel Zeit in Wirtshäusern verbracht. Aus dem Grund entstand auch ein reichhaltiges Vereinsleben, das in der Ausstellung ebenfalls gezeigt wird. Die Bergleute hätten damals ihre Lohntüte bekommen und seien in die Wirtschaft gegangen, so Sparkassen-Vorstand Thomas Orbig. „Die bargeldlose Lohnzahlung war deshalb so gar nichts für die Bergleute.“ Diese, erzählte Orbig, sei in Penzberg auch später als an anderen Orten eingeführt worden.

Wirtshäuser „Zum letzten Pfennig“ und „Zur Lüft‘n“

Eine Bierwirtschaft war zum Beispiel das Gasthaus „Zum letzten Pfennig“, in dem sich 1953 der Jungritter-Verein gründete. Das Bild in der Ausstellung ist von der Familie Trinker. Eduard Trinker, der Sohn des Wirtsehepaars von 1962 bis 1982, war ebenfalls zur Ausstellungseröffnung gekommen. Das Haus in Reindl steht noch heute, ein paar Meter neben der mittlerweile ebenfalls geschlossenen „Zur schönen Aussicht“. Das Aussehen des Hauses – erbaut wohl Anfang des 20. Jahrhunderts – hat sich stark verändert. Bis vor einigen Jahren gab es dort eine Pizzeria. Heute erinnern an die Wirtschaft nur ein großer Pfennig und der Namenszug „Zum letzten Pfennig“ unter dem Giebel.

Ein anderes Beispiel, das die Ausstellung zeigt, ist das Gasthaus „Zur Lüft’n“, das 1875 eine Lizenz zum Bierausschank erhielt. Es stand an der Ecke von Karlstraße und Schlossbichl. Das Gebäude, das in den 1980er Jahren der Begradigung der Karlstraße geopfert wurde, diente aber nur bis in die 1930er Jahre als Wirtshaus. Das Gastzimmer hatte angeblich nur 60 Quadratmeter. Von dort soll 1910 ein Bergarbeiterstreik ausgegangen sein. Zu sehen sind in der Ausstellung unter anderem auch Bilder vom „Tutzinger Hof“, vom Gasthaus in Schönmühl und vom „Staltacher Hof“. Dazu viele Bilder von Vereinen, darunter einige verschwundene wie „Gut Rauch“, die Tischgesellschaft „Tugendsam“ oder die „Goaßerer“.

Stadthallen-Wirt Auer hat „Blut geleckt“, wie er selbst sagt. Es gebe noch einige Wirtshäuser, „die unbedingt rein müssen“. Die Ausstellung sei ihm „eine Herzensangelegenheit“, eine Ausstellung „für die Penzberger“.

Großes Echo auf Idee von Stadthallen-Wirt Auer: Viele Helfer und Sponsoren

Viele Anhänger und Helfer hatte die Idee von Stadthallen-Wirt Adrian Auer gefunden, im „Wirtshaus zur Koinschaufe“ die einst reiche Penzberger Wirtshaus-Geschichte mit einer Fotoausstellung wieder aufleben zu lassen – mit historischen Bildern von Gaststätten, die es zum Teil nicht mehr gibt. „Ich bin da laienhaft rangegangen, ich dachte: 20 Stunden und dann hab ich das“, erzählte Auer bei der Eröffnung. Doch aus den Stunden wurden Tage, Wochen, Monate. Und es wurden viele Helfer und Sponsoren.

Ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen, dankte Auer allen Beteiligten. Da war zum Beispiel Evi Mummert. Sie sei mit einem Konzept gekommen und habe Material gebracht, so der Stadthallen-Wirt. Ursprünglich wurde ihm zufolge daran gedacht, die Bilder auf Leinwand zu drucken, was sich aber als Desaster erwies. Die Lösung brachte Michael Faht: Die zuvor bearbeiteten Fotos druckte er auf eine Aluoberfläche („Alu-Dibond“). Die frühere Penzberger Museumsleiterin Gisela Geiger half bei der Ausstellungsgestaltung. Und Stadtarchivleiterin Bettina Wutz sorgte für die meisten historischen Fotos der Ausstellung – nicht nur von Gaststätten, sondern ebenso von Vereinen – sowie den dazugehörigen Informationen.

Auch Sponsoren gab es: Die Penzberger Kulturgemeinschaft als Träger des Projekts stiftete 500 Euro. „Wir haben das gern getan“, sagte Vorsitzender Thomas Sendl. Die „Jubiläumsstiftung der Vereinigten Sparkassen im Landkreis“ steuerte 4500 Euro bei – insbesondere Stiftungsmitglied und Altbürgermeister Hans Mummert hatte sich dafür eingesetzt. Es sei wichtig, diese Geschichte aufleben zu lassen, sagte Sparkassen-Vorstand Thomas Orbig bei der Eröffnung. „Die Leute werden begeistert sein, wenn sie die Bilder sehen.“ 1500 Euro kamen zudem von der Stadt Penzberg. „Es war auch uns wichtig, das zu unterstützen“, so Bürgermeister Stefan Korpan, der glaubt, dass die Ausstellung viele ältere Gäste dazu anregen wird, von alten Wirtshausgeschichten zu erzählen, wenn sie unter den Bildern sitzen.

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