Vorhang auf: Zur EUDEC-Videokonferenz trafen sich Vertreter von Schulgründungsinitiativen, darunter Yvonne Schmerbeck von der Penzberger Initiative.
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Vorhang auf: Zur EUDEC-Videokonferenz trafen sich Vertreter von Schulgründungsinitiativen, darunter Yvonne Schmerbeck von der Penzberger Initiative.

Penzberger mit ihren Problemen nicht allein

Mit vereinter Kraft für „Aktive Schule“

  • vonWolfgang Schörner
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Auf vereinte Kräfte setzt jetzt die Initiative, die in Penzberg eine „Aktive Schule“ gründen will, aber damit bislang bei den Behörden auf Granit beißt. Sie hat sich Bayerns Regionalgruppe von EUDEC angeschlossen, einer Organisation, die sich europaweit für die Anerkennung freier Schulen einsetzt. Was das erste Treffen zeigte: Die Penzberger sind mit ihren Problemen nicht allein.

Penzberg – Die Penzberger Initiative wollte eigentlich heuer im September mit ihrer „Aktiven Schule“ an den Start gehen. Alles war vorbereitet. Doch die Regierung von Oberbayern verweigerte die Zulassung. Die Initiative reichte Klage ein, die aber bis heute nicht vor Gericht behandelt wurde. Wie berichtet, peilt sie mittlerweile für September 2022 den Schulstart an. Nun hat sich das Penzberger Team mit der bayerischen Regionalgruppe von EUDEC („Europaen Democratic Education Community“) zusammengetan, berichtet Yvonne Schmerbeck. Vor kurzem gab es eine Videokonferenz mit anderen Schulinitiativen, „die alle hängen und womöglich den gerichtlichen Weg beschreiten“. Es gehe darum, sich zu vernetzen und so vielleicht bessere Möglichkeiten zu haben, sagt Schmerbeck. Auch über eine Sammelklage sei diskutiert worden. Entschieden wurde dies ihr zufolge aber noch nicht.

Initiativen werden Freistaat vor, freie Schulen auszubremsen

Die Initiativen aus München, Augsburg, Penzberg, Aschaffenburg, Ingolstadt und vom Ammersee haben nun einen Aufruf verfasst, in dem sie dem Freistaat vorwerfen, freie Schulen auszubremsen. Tina Uthoff vom Verein „Demokratische Schule München“ berichtet zum Beispiel, man habe nach einem Dialog mit Kultusministerium und Regierung von Oberbayern das Schulkonzepts überarbeitet, aber trotzdem keine Genehmigung erhalten. Die Regierung habe ein Problem mit der „Freiwilligkeit des Lernens“, einer Grundsäule des Konzepts, erklärt sie. Für die Behörden sei es offenbar nicht vorstellbar, „dass Kinder gern und freiwillig lernen“.

Die Penzberger Initiative hatte, um eine Genehmigung zu erhalten, nach eigenen Angaben darauf gesetzt, dem Lernen mehr eine „von außen vorgegebene Struktur“ zu geben. Doch auch dieses Konzept sei abgelehnt worden, diesmal mit der Begründung, es bestünde „kein besonderes pädagogisches Interesse“. „Wir dachten, wir lesen nicht richtig“, erinnert sich Yvonne Schmerbeck. „Wenn unser Konzept an den Schulen hier in der Region bereits umgesetzt würde, hätten wir doch gar nicht erst den Aufwand auf uns genommen, privat eine Schule zu gründen.“ Wie berichtet, sollen in der Schule Kinder in jahrgangsgemischten Klassen selbstbestimmt lernen. Ein verstärkter Fokus liegt laut den Schulgründern zudem auf „Bewegung und Demokratie“.

Laut der EUDEC-Regionalgruppe sind die zwei Beispiele keine Einzelfälle in Bayern. Schulgründer, die klagen, müssten oft mehrere Jahre lang warten, bis es zum Prozess kommt. Aktuell werde die Verzögerung mit der Pandemie begründet, davor sei es aber nicht anders gewesen. So habe die „Sudbury Schule Ammersee“ nach der Schulschließung 2016 durch die Regierung mehr als zwei Jahre auf den Prozess warten müssen. Das Verfahren laufe immer noch in zweiter Instanz, so die Organisation.

Manche Team haben wegen der Widerstände aufgegeben

„In der Ablehnung der Aktiven Schule Penzberg zeigt sich erneut der eklatante Machtmissbrauch der bayerischen Schulbehörde“ empört sich Simone Kosog von der „Sudbury Schule Ammersee“. „Die eine Schule wird abgelehnt, weil ihr Konzept angeblich zu weit entfernt ist von den staatlichen Schulen, die andere, weil ihr Konzept zu nah dran ist.“

Auch das Gründungsteam der „Luana Schule Augsburg“ berichtet von Problemen. Trotz mehrfacher Überarbeitungen des Konzepts habe die schwäbische Schulbehörde immer neue Beanstandungen gehabt. „Die Behörden scheinen den aktuellen Forschungsstand zu freiem, selbstreguliertem Lernen gar nicht zur Kenntnis zu nehmen“, kritisiert Michael Lippok aus Augsburg. Manche Teams wie die Regensburger Initiative „Karfunkel“ und der „Freien Demokratischen Schule Franken“ aus Nürnberg hätten wegen der Widerstände aufgegeben.

Ein ähnliches Schicksal hatten die Vorläufer der Penzberger Initiative erlebt. 2005 wollte eine Initiative eine „Aktive Schule“ in München gründen. Da Gespräche und Überarbeitungen des Konzepts fruchtlos blieben, zog sie vor Gericht. Es attestierte dem Konzept im Juni 2008 das besondere pädagogische Interesse. Bestätigt wurde dies in der nächsten Instanz vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Allerdings seien die Initiatoren damals mit ihren Kräften am Ende gewesen, es kam nicht zur Schulgründung. Dafür übernahm eine Initiative aus Petershausen das Konzept und gründete 2009 die „Aktive Schule Petershausen“. Mitglieder der einstigen Münchner Initiative gehörten 2019 zu den Mitgründern des Vereins „ErLe – Erlebnis Lernen“, die nun in Penzberg eine „Aktive Schule“ gründen wollen.

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