Im Penzberger Museum würde derzeit die Ausstellung „hinter Glas gemalt“ laufen, der Abschluss eines mehrjährigen Forschungsprojekts, das die Volkswagen-Stiftung finanziert hat.
+
Im Penzberger Museum würde derzeit die Ausstellung „hinter Glas gemalt“ laufen, der Abschluss eines mehrjährigen Forschungsprojekts, das die Volkswagen-Stiftung finanziert hat.

Hinterglasbilder der Moderne

Penzberger Museum: „Es ist bitter“ ohne Besucher - Abschluss eines Forschungsprojekts

  • vonWolfgang Schörner
    schließen

Eigentlich sollte im Penzberger Museum seit zwei Monaten eine Ausstellung über die Hinterglasmalerei der Moderne laufen – als sichtbares Finale eines Forschungsprojekts, das die Volkswagen-Stiftung mit über einer halben Million Euro finanziert hat. Der Lockdown hat aber sämtliche Termine durcheinandergewirbelt. Trotzdem: Die Bilder bleiben hängen.

Penzberg – „Es ist bitter“, sagt Museumsleiterin Diana Oesterle. Seit November hängen im „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“ knapp 50 Kunstwerke, die sich mit der Hinterglasmalerei der Moderne befassen. Rund 25 Leihgeber, zum Beispiel private Sammler und Museen, haben Bilder zur Verfügung gestellt. Was fehlt, sind die Besucher. Die Ausstellung konnte bisher nicht eröffnet werden. Bis April sollte sie ursprünglich laufen. Dabei ist es nicht nur eine Ausstellung, sondern zugleich der sichtbare Abschluss eines mehrjährigen Forschungsprojekts, das die VW-Stiftung mit rund 550 000 Euro finanziert hat. Die interdisziplinäre Forschungsarbeit über die Technik und die Künstler der Hinterglasmalerei der Moderne von 1905 bis 1955 beschert dem Penzberger Museum ein Alleinstellungsmerkmal.

Im Penzberger Museum will man die Hoffnung nicht aufgeben

Im Museum will man die Hoffnung aber nicht aufgeben. Leiterin Diana Oesterle glaubt zwar nicht daran, dass das Museum vor Mitte März wieder öffnen kann. Sie hat aber von Leihgebern positive Signale erhalten, dass sie ihre Bilder womöglich noch eine Weile in Penzberg hängen lassen, also über das eigentliche Ende der Ausstellung hinaus. Oesterle ist jedenfalls positiv gestimmt, von den Leihgebern das Einverständnis zu erhalten. Schließlich seien alle Museen in derselben Situation, dass sie Ausstellungen verschieben müssen, sagt sie. Es sei ein großer Trost, von Leihgebern zu hören: „Macht euch keine Sorgen.“ Theoretisch, so Diana Oesterle, könnte die Ausstellung deshalb bis Ende Juni oder Anfang Juli laufen. Andererseits kann es ihr zufolge natürlich sein, dass das einige wenige Bilder im April wieder zurückgegeben werden müssen.

Schließung wegen Corona wirbel Programm durcheinander

Auswirkungen hat die seit dreieinhalb Monaten währende Schließung des Museums auch auf das restliche Jahresprogramm, das normalerweise ein oder zwei Jahre im Vorlauf geplant wird. Im Sommer soll zusammen mit den Museen in Murnau, Kochel und Bernried sowie dem Lenbachhaus eine Ausstellung über Heinrich Campendonk und den rheinischen Expressionismus laufen. Penzberg befasst sich in diese Runde unter dem Titel „Avantgarde in Farbe“ mit dem expressionistischen Kunsthandwerk. Dieser Termin – Start ist im August -- sei unverrückbar wegen der Zusammenarbeit mit den anderen Museen, so Diana Oesterle. Wobei man plane, ohne zu wissen, wann die Ausstellung tatsächlich eröffnet werden kann.

Danach soll die eigentlich schon für 2020 vorgesehene Ausstellung mit Werken von Gerhard Fietz gezeigt werden, die sich seit längerem als Dauerleihgabe in den Beständen des Penzberger Museums befinden. Erst im Frühjahr 2022 würde dann der zweite Teil der Ausstellung über die Hinterglasmalerei der Moderne folgen. Er befasst sich mit deren Kunst- und Kulturgeschichte, über die Diana Oesterle ihre Doktorarbeit geschrieben hat. Der erste Teil konzentriert sich auf die verschiedenen Techniken der Hinterglasmalerei.

Online-Führungen sind nur ein kleiner Ersatz

Momentan heißt es allerdings Abwarten. Sollte das Museum wieder öffnen dürfen, hätte es ein Hygienekonzept parat. Im vergangenen Sommer waren fünf Besucher mit Masken pro Stockwerk zugelassen, insgesamt gleichzeitig um die 15 Besucher mit Voranmeldung. „Die Besucher waren sehr verständnisvoll, das Konzept hat gut funktioniert“, erinnert sich Diana Oesterle. Auch wenn es, wie sie sagt, bitter sei, dass gerade diese Ausstellung, das Ergebnis eines sechsjährigen Forschungsprojekts, „nur ein Bruchteil der normalen Besucherzahl“ wird sehen können. Online-Führungen sind da nur ein kleiner Ersatz: „Sie können den persönlichen Kontakt des Besuchers mit dem Kunstwerk nicht ersetzen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare