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Museum Penzberg: 2G für Fietz und die Freiheit

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Von: Wolfgang Schörner

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An Kalligraphie erinnert das Bild von Gerhard Fietz, vor dem Museumsleiterin und Kuratorin Freia Oliv hier steht. Es heißt „Anfang der Unruhe“ (1952). Recht ist das Bild „Ein neuer Anfang zeigt sich“ (1957) zu sehen.
An Kalligraphie erinnert das Bild von Gerhard Fietz, vor dem Museumsleiterin und Kuratorin Freia Oliv hier steht. Es heißt „Anfang der Unruhe“ (1952). Rechts ist das Bild „Ein neuer Anfang zeigt sich“ (1957) zu sehen. © Wolfgang Schörner

Das Penzberger Museum hat nicht nur Werke von Heinrich Campendonk. Auch 77 Arbeiten des Malers Gerhard Fietz gehören zum Bestand. Ihm widmet das Museum nun eine Ausstellung.

Penzberg – „Gerhard Fietz: Formen innerer Freiheit“, heißt die neue Schau, die an diesem Samstag im „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“ als 2G-Ausstellung startet. Sie spannt einen Bogen vom Frühwerk, in dem noch Gegenständliches zu sehen ist, über Arbeiten, in denen der Künstler nach neuen Wegen sucht, bis zu den abstrakten Werken, in denen er mit Formen experimentiert und mitunter knallige Farben verwendet. Seinen meisten Bildern hat Fietz keinen Namen gegeben. Die Jahreszahl muss genügen. Die Bilder sollen für sich sprechen.

Fietz lebte von 1910 bis 1997. Er studierte einst bei Größen wie Alexander Kanoldt, Oskar Schlemmer und Heinrich Nauen, von denen er sich aber bald löste. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er als Soldat in Russland erlebte, gehörte Fietz 1949 – damals lebte er in Icking bei Wolfratshausen – zu der kleinen Gruppe avantgardistischer abstrakter Maler, die in München die Künstlergruppe „ZEN 49“ gründeten. Er starb 1997 im niedersächsischen Bleckede östlich von Lüneburg.

Mäzen überlässt Penzberger Museum 77 Werke

2010 hatte es im Penzberger Museum, damals noch „Stadtmuseum“, bereits eine Retrospektive zum 100. Geburtstag von Fietz gegeben – offenbar mit Langzeitfolgen. Denn im März 2014 konnte die damalige Museumsleiterin Gisela Geiger bekannt geben, dass ein Mäzen eine Sammlung mit 77 Werken des abstrakten Malers dem Museum als Dauerleihgabe überlässt. In einer Ausstellung konnten die Bilder damals in Penzberg noch nicht gezeigt werden – das Museum stand vor dem Umbau und der Erweiterung.

Einen ersten Eindruck vermittelte 2019/2020 die Ausstellung „ZEN, ZERO & Co – abstrakt seit 1949“. Sie widmete sich den großen Künstlern der Abstraktion in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, darunter auch Fietz. „Jetzt gehen wir ins Detail und betrachten unseren Protagonisten dieser Zeit“, sagt Museumsleiterin Freia Oliv, die die neue Ausstellung gemeinsam mit Carolin Koch kuratiert.

In der Ausstellung „Gerhard Fietz: Formen innerer Freiheit“ sind knapp 100 Bilder und Objekte von Fietz zu sehen, darunter auch Keramikschalen, bemalte Steine und Holzmasken, die an afrikanische Vorbilder erinnern. In Vitrinen sind sogar seine Fotokamera, ein Skizzenheft und ein Kriegstagebuch ausgestellt, in denen Fietz notiert hat, dass er gerade – wie passend – seine Impfung gegen Cholera erhalten hat.

Bilder sind bis Ende Februar zu sehen

Ein Dutzend weiterer Bilder in der Ausstellung sind von seinen Lehrern Kanoldt, Schlemmer und Nauen sowie seinem Künstlerfreund Karl Schmidt-Rottluff. Der Vergleich zeigt die Ähnlichkeiten, aber vor allem, wie Fietz seinen eigenen Weg ging, der in der Ausstellung von Raum zu Raum fortgezeichnet wird, vom Eigenporträt über Zeichnungen aus der Kriegszeit, von Landschaften, die noch ein wenig expressionistisch anmuten, bis zu abstrakten Bildern.

Die Bilder, die bis Ende Februar gezeigt werden, sind zum Teil aus der Dauerleihgabe der Ingeborg- und Dr.-Thomas-Lensch-Stiftung. Unterstützung kam laut Museum auch von der Erbengemeinschaft des Künstlers, der Sparkassenstiftung Lüneburg, aus Privatsammlungen und aus Museen wie dem Buchheim-Museum in Bernried und der Staatlichen Graphischen Sammlung in München. Passend zur Ausstellung hat Oliv ein Buch für das Museum herausgegeben, verfasst von Maike Bruhns. Es beinhaltet Fietz’ Korrespondenz mit Kollegen, Kunsthistorikern und Schülern, mit dem Titel „Kunst als Entdeckung des eigenen Selbst“.

Ausstellung mit 2G
Die neue Ausstellung im „Museum Penzberg“ läuft vom 20. November bis 27. Februar. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Für den Besuch gelten aktuell 2G (geimpft oder genesen) und Maskenpflicht. Eine Anmeldung ist momentan nicht nötig. Die Regeln können sich jedoch, je nach staatlicher Vorgabe, ändern. Das Museum bittet, sich darüber auf www.museum-penzberg.de zu informieren. Dies gilt auch für Führungen und Veranstaltungen des Begleitprogramms.

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