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Die junge Stadt Penzberg kämpfte vor 100 Jahren mit massiven Problemen. 

Neue Ausstellung im Museum 

Penzberg: Nicht nur eine „graue Bergwerksstadt“

Eine besondere Ausstellung zu einem besonderen Jubiläum: „Stadt statt Stillstand“ erinnert im Museum Penzberg an die  Stadterhebung Penzbergs vor 100 Jahren.

Penzberg – Dass sich die Jubiläumsfeier der Stadt auch in ihren Museen widerspiegele, sei dem Stadtrat ganz wichtig gewesen, betonte Bürgermeisterin Elke Zehetner vor der Eröffnung bei einem Presserundgang durch das Museum Penzberg. Und so wird am 20. Juli (mit Sommerfest von 15 bis 22 Uhr) eben nicht nur die Ausstellung „Campendonk und die Revolution“ eröffnet, sondern auch die mit dem zunächst etwas sperrigen, dann aber einleuchtenden Titel „Stadt statt Stillstand“.

Museumsleiterin Diana Oesterle betonte, beide Ausstellungen stünden unter dem Signet „1919“ gleichberechtigt nebeneinander und ergänzten sich prachtvoll. Die Ausstellung zur Stadtgeschichte solle insbesondere einen neuen Blick auf Penzberg eröffnen: „Das war eben nicht nur die arme, graue Bergwerksstadt, es lassen sich auch Erfolgsgeschichten von Überlebenskünstlern erzählen.“ Diese auszugraben, war Katrin Fügeners Aufgabe, der sie sich mit Feuereifer widmete. Und bei der sie am Ende um jeden Satz kämpfte: „Der Schreiber will natürlich immer viel schreiben.“

Inspiriert vom Expressionismus

Doch da mussten Kompromisse gefunden werden, denn das Münchner Büro, das die Ausstellung gestaltete, will „Kommunikation im Raum“ entfalten. „Lesen kann ich auch zuhause auf dem Sofa“, bekundete Monika Müller-Rieger, deren Büro bereits den Ausstellungsraum zur Mordnacht und das Penzberger Bergwerksmuseum gestaltete. „Der Besucher muss im Raum etwas erleben können. Wir haben uns hier bei der Gestaltung die Farben und Formen des Expressionismus ausgeliehen.“

Das klappt bestens: Jeder Raum empfängt – und umfängt – den Besucher mit eigener Ausstrahlung. Im ersten Raum schlägt Fügener den großen Bogen „vom Matrosenaufstand in Kiel über Bayern und München nach Penzberg“. Sie führt in den gesamtgeschichtlichen Kontext des Jahres 1919 ein, auf engstem Raum, mit wenigen Sätzen, ausgewählten Zitaten. „Die Revolution in München ging ja nicht von der Politik oder dem Bürgertum aus, sondern von der Bohème“, erläuterte sie. Die Maler und Literaten waren es, die Kurt Eisners – fast möchte man sagen sozialromantische – Visionen unterstützten. „Wir wollen die ständige Mitarbeit aller Schaffenden in Stadt und Land“, hat er propagiert. „Das war zum Scheitern verurteilt, aber ein toller Ansatz“, sagte Fügener. Freien Eintritt in Theater und Museum habe er gewährt, Bibliotheken errichtet, die Prügelstrafe in der Schule abgeschafft. Eisner wurde wenige Monate nach Amtsantritt ermordet; in München kam es zu blutigen Ausschreitungen. „Hier in Penzberg waren sie eher relaxed – und haben lieber gefeiert“, so Fügener.

Das sei nicht zuletzt Michael Pfalzgraf zu verdanken, dem besonnenen Revolutionär, der neben Hans Rummer von 1919 bis 1933 zweiter Bürgermeister war. Seiner Beharrlichkeit ist Penzbergs Stadterhebung 1919 zu verdanken; natürlich wird er in der Ausstellung gewürdigt.

Frauenrechte als roter Faden

Doch Fügener hat einen anderen roten Faden gewählt: die Frauenrechte. „In jedem Raum werden Sie wichtige Frauen finden. Denn für die Gleichstellung war 1919 ein entscheidendes Jahr: Frauen durften wählen – und gewählt werden.“ Als einen Höhepunkt zeigt die Kuratorin ein Foto von Therese Reitberger, die als eine der allerersten Frauen im Penzberger Stadtrat saß.

Ein weiteres ist der Film, der bei Eisners Beerdigung aufgenommen wurde und eine Abordnung der Peißenberger und Penzberger Bergknappen zeigt. Im zweiten Raum geht es mit „Endlich Stadt!“ um Penzberg; die Kapitel heißen „Armut und Hunger“, „Wohnen und Leben“ sowie „Neue Wege“. Die junge Stadt kämpfte gegen die Wohnungsnot, errichtete die Stadthalle als Veranstaltungsort, gründete die Sparkasse. „Die Stadt emanzipierte sich“, erklärte Fügener. „Und machte jede Menge Schulden. Da kam die Inflation ganz gelegen.“ Im dritten Raum werden Persönlichkeiten vorgestellt wie Bürgermeister Rummer und Pfalzgraf, aber auch Künstler wie Oskar Maria Graf. Und natürlich bedeutende Frauen wie Anita Augspurg, die den Blick auf die Errungenschaften der Frauenbewegung lenken. „Bis 1973 konnte ein Mann den Arbeitsplatz seiner Frau kündigen“, erinnert Fügener.

Sabine Näher

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