Die Moschee in Penzberg
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Die Penzberger Moschee: Künftig könnte von dort zum Freitagsgebet gerufen werden, wünscht sich Imam Benjamin Idriz.

20 Religionsvertreter versammelt

Bald Gebetsruf in bayerischer Kleinstadt? Imam äußert großen Wunsch - das sagen seine christlichen Kollegen

  • Franziska Florian
    vonFranziska Florian
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  • Wolfgang Schörner
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In Weilheim sind rund 20 Religionsvertreter verschiedener Glaubensrichtungen zusammengekommen. Einige Ergebnisse des Treffens überraschen.

  • Ein Treffen von Religionsvertretern hat in Weilheim stattgefunden.
  • Mehrere überraschende Entscheidungen wurden verkündet.
  • Einzelheiten sind allerdings teilweise noch unklar.

Penzberg/Weilheim – Ein Gebetsruf, der zum Freitagsgebet vor der Penzberger Moschee zu hören ist – das wünscht sich der Penzberger Imam Benjamin Idriz. Dieses Vorhaben äußerte er jüngst bei einem Treffen mit dem Penzberger Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) und den beiden Pfarrern Bernhard Holz und Julian Lademann. Zur Sprache kam dies auch am Mittwoch bei einer Zusammenkunft von Religionsvertretern im Landkreis. „Es soll nicht laut sein und auch nicht fünf Mal am Tag“, erklärte Imam Idriz auf Nachfrage unserer Zeitung. Es gehe um einen Gebetsruf einmal in der Woche am Freitag zum Freitagsgebet. „Und vielleicht ab und zu zusammen mit den Kirchenglocken als Zeichen der Solidarität“, fügte Idriz an.

Treffen von Religionsvertretern: Imam wünscht Gebetsruf in Penzberg

Bürgermeister Korpan bestätigte am Donnerstag auf Nachfrage, dass Imam Idriz den Wunsch geäußert hatte. Er werde rechtlich abklären lassen, ob man einen Gebetsruf genehmigen darf. Für ihn persönlich spreche nichts dagegen, wenn es rechtlich möglich ist, sagte Korpan. Es würden in Penzberg viele Muslime leben. Außerdem solle der Gebetsruf – per Lautsprecher – freitags nur drei bis fünf Minuten dauern und allein in der Moschee-Umgebung zu hören sein, „nicht im ganzen Stadtgebiet“, sagte der Bürgermeister. Beim Treffen im Rathaus hätten auch die beiden Pfarrer erklärt, dass sie damit keine Probleme hätten, weil es schließlich auch Kirchenglocken gebe.

Der evangelischer Pfarrer Julian Lademann bestätigt das auf Nachfrage. „Wir waren uns relativ schnell einig“, sagte er. In einer Stadt, die sich der Offenheit rühme, wäre so etwas angebracht. Er denke zwar, dass „viele Menschen etwas befürchten, weil sie das nicht kennen“, erklärte Lademann. Er fände es aber „im Sinne der Religionsfreiheit eine gute Geste“.

Gebetsruf für Muslime in Penzberg: „Glaube nicht, dass sich jemand gestört fühlen muss“

Penzbergs katholischer Pfarrer Bernhard Holz sagte am Donnerstag, er finde es gut, dass Imam Idriz den Wunsch angesprochen habe. Die christlichen Kirchen hätten ihre Glocken, die zum Gebet rufen. Warum solle der Imam am Freitag, dem wichtigsten Wochentag der Muslime, nicht gegen Mittag seinen Gebetsruf kundtun?, so Pfarrer Holz. Er sei Bestandteil der Religionsfreiheit. Holz erklärte, er unterstütze den Wunsch, zumal Idriz ihn moderat vorgetragen habe und es nur um einmal in der Woche gehe. „Ich glaube nicht, dass sich jemand gestört fühlen muss“, sagte der Pfarrer, der auch daran erinnerte, dass es in Penzberg bereits interreligiöse Gebete gegeben hat, zuletzt bei der 100-Jahr-Feier der Stadt.

Eine besondere Zusammenarbeit wurde auch von der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde in Weilheim vorgestellt. „Wir machen Weihnachten zusammen“, sagte die evangelische Pfarrerin Sabine Nagel. Der katholische Pfarrer Engelbert Birkle bestätigte das. „Das Konzept ist noch nicht ganz ausgereift, aber Ende November wollen wir alles fertig ausgearbeitet haben“, sagte er. Geplant seien an Heilig Abend „eine Vielzahl von dezentralen Feiern an den Straßenecken“, so Birkle. Die kleinen Feiern sollen circa 30 Minuten dauern und die Bewohner der Straßen einladen, gemeinsam ein kleines bisschen zu feiern.

Parallel solle in der Apostelkirche in Weilheim eine Lichtinstallation stattfinden, erklärte Pfarrerin Nagel. Wie genau die Christvesper beziehungsweise die Christmette ablaufen soll, sei aber bisher noch nicht genau durchdacht. Die beiden Messen würden aber getrennt stattfinden, so viel stehe schon fest.

Treffen von Religionsvertretern: Gemeinsame Verlautbarung für „gute Nachbarschaft“

Es war „ein besonderes Treffen“, sagte der evangelische Pfarrer Jost Herrmann aus Schongau. Rund 20 Vertreter des Islams, der katholischen und der evangelischen Kirche waren am Mittwoch im Haus der Begegnung in Weilheim zusammengekommen. Grund dafür war eine gemeinsam erarbeitete Verlautbarung, die von allen unterzeichnet wurde.

In dem Schreiben wurde von muslimischen, evangelischen und katholischen Vertretern der Kirche festgelegt, dass die drei Religionen im Landkreis Weilheim-Schongau in Zukunft harmonisch in „guter Nachbarschaft“ leben wollen. Für Benjamin Idriz, Imam der Penzberger Moschee, ist „Zusammenarbeit oder Kooperation“ ein wünschenswertes Ziel. Wie genau das jedoch aussehen soll, werde beim nächsten Treffen der Religionsvertreter besprochen, waren sich die Anwesenden einig.

Die Religionsvertreter des Islams, der katholischen und der evangelischen Kirche wollen in Zukunft „in guter Nachbarschaft“ leben. Gemeinsam haben sie einen Text ausgearbeitet, der das zeigen soll.

Die Begeisterung über das Treffen war nicht nur bei Herrmann groß. Auch der katholische Pfarrer Engelbert Birkle aus Weilheim freute sich: „Das Haus der Begegnung macht heute seinem Namen alle Ehre.“

Angestoßen wurde die gemeinsame Verlautbarung von Herrmann. Er moderiert im Auftrag des Landratsamtes die „Integrationsexpertenrunde Gesellschaft“. Dadurch wurde er auf die Frage aufmerksam, welchen Beitrag die Religionsgemeinschaften für den sozialen Frieden im Landkreis leisten können. Herrmann fragte bei den anderen Glaubensgemeinschaften an. Daraufhin wurde in drei Treffen der Text gemeinsam ausgearbeitet. Durch die Verlautbarung soll klar werden, das Gewalt und Hass niemals durch Religion gerechtfertigt werden darf. Sie soll ein Schlüssel sein, um Herausforderungen zu bewältigen.

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