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Volles Zelt: Über die Öffnungszeiten beim nächsten Volksfest wurde im Stadtrat diskutiert.

Nach Ärger um Volksfest-Zeiten: An vier Abenden soll es bis 1 Uhr gehen

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Ärger gab es heuer, weil die Öffnungszeiten beim Penzberger Volksfest verkürzt wurden. Die Frage, wie lange nächstes Jahr im Bierzelt gefeiert werden darf, entschied der Stadtrat nun in einer Kampfabstimmung. Das Ergebnis: Zumindest an vier Abenden soll es bis 1 Uhr gehen. Das letzte Wort hat allerdings das Landratsamt.

Penzberg – Früher durfte das Festzelt in Penzberg täglich bis 1.30 Uhr geöffnet sein. Heuer im September war es anders: Da musste um 24 Uhr Schluss sein. Nur an drei Abenden durfte es bis 1 Uhr gehen, dann musste das Zelt leer sein. Die verkürzten Öffnungszeiten gingen auf eine Intervention der Polizei zurück. Was Festwirt Christian Fahrenschon nur zähneknirschend hinnahm. Vollends verärgert war er, als er eine Anzeige erhielt, weil an zwei Abenden das Zelt 40 Minuten zu spät geräumt war.Fahrenschon kündigte seinen Vertrag mit der Stadt, um – für 2019 – die Auflagen neu zu verhandeln.

Vor diesem Hintergrund gab es in jüngster Zeit Gespräche zwischen Festwirt, Polizei, Rathaus und Stadtratsfraktionen. Dort trafen gegensätzliche Meinung aufeinander: Während die Polizei aus Sicherheits- und Kapazitätsgründen künftig ein Betriebsende an allen Tagen um 24 Uhr will, möchte der Wirt sein Zelt länger offen halten. Als Kompromiss für 2019 – weil es sich um das Jubiläumsjahr „100 Jahre Stadt Penzberg“ handelt – bot Polizeichef Jan Pfeil an zwei Tagen eine Verlängerung auf 1 Uhr an.

Dieser Kompromiss, den das Ordnungsamt mittrug, lag diese Woche in der Stadtratssitzung vor. Eine knappe Mehrheit (11 zu 10) quer durch alle Fraktionen lehnte ihn jedoch ab. Stattdessen soll nächstes Jahr nicht nur an zwei, sondern an vier Abenden, nämlich freitags und samstags, bis 1 Uhr gefeiert werden dürfen. Dafür gab es in einer zweiten Abstimmung eine klare 16-Stimmen-Mehrheit. Der Vorschlag kam von Dr. Kerstin Engel (Grüne). Laut Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann muss der Beschluss, der über den Polizei-Vorschlag hinausgeht, allerdings noch dem Landratsamt zur rechtlichen Beurteilung vorgelegt werden, „weil vielleicht Sicherheitsaspekte dagegen stehen“. Dem Wirt wird schließlich das Ergebnis mitgeteilt, hieß es.

Die Debatte zuvor war kontrovers. „Als Partygast“ missfalle es ihm, wenn die seltenen Gelegenheit, in Penzberg zu feiern, eingeschränkt werden, sagte Nick Lisson (CSU). Allerdings müsse man die Bedenken der Polizei ernst nehmen – Lisson stimmte deshalb für den Kompromiss. Jack Eberl (FLP) nannte zwar ebenfalls diese beiden Aspekte. Er gewichtete sie aber anders und sprach sich für vier statt zwei verlängerte Abende aus. Es sei ein schwieriges Thema, „weil sich Sicherheit und Lebensqualität konträr gegenüberstehen“, stellte Dr. Kerstin Engel (Grüne) fest. „Die Behörden schränken den Entscheidungsspielraum immer mehr ein. Nächstes Jahr ist Jubiläum, wir sollten großzügiger sein“, sagte Wolfgang Sacher (BfP).
Der Stadtrat schusterte der Polizei damit die Rolle des Spielverderbers zu. Das hatte sich schon in einem internen Vorgespräch mit der Polizei im November abgezeichnet. Wie aus einem städtischen Protokoll hervorgeht, brachten damals „die politischen Vertreter geschlossen ihr Unverständnis zum Ausdruck“, nachdem Polizeichef Pfeil den Sitzungssaal verlassen hatte. Die Polizei argumentiert, dass sie seit 2014 eine steigende Zahl an Vorfällen auf dem Penzberger Volksfest registriert. Im Jahr 2017 sei eine zunehmend aggressive Grundhaltung einer großen Menge stark alkoholisierter Menschen den Einsatzkräften gegenüber festgestellt worden. 57 Prozent aller polizeilich registrierten Vorfälle hätten sich nach 23 Uhr ereignet. Die Polizei argumentiert auch mit der aktuellen Personaldecke. Mit ihr sei es möglich, einen Volksfestbetrieb bis 24 Uhr abzudecken.
Auf die Frage von Hardi Lenk (SPD) in der jüngsten Stadtratssitzung, ob die Stadt zusätzlich Sicherheitspersonal engagieren könnte, antwortete Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann: Auf öffentlichen Verkehrsflächen dürfe – im Gegensatz zum Zelt – keine Security eingesetzt werden. Und das Polizeipräsidium, fügte er an, habe erklärt, es könne der örtlichen Polizei keine zusätzlichen Kräfte zur Unterstützung bereitstellen.

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