Eine Bronzetafel enthüllten (v.l.) die Bürgermeister Hardi Lenk, Stefan Korpan und Markus Bocksberger.
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Eine Bronzetafel enthüllten (v.l.) die Bürgermeister Hardi Lenk, Stefan Korpan und Markus Bocksberger.

Gedenken an Penzberger Mordnacht

Nach Bronzetafel: Nächstes Jahr sollen auch Stolpersteine verlegt werden

  • vonWolfgang Schörner
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Eine vier Meter breite Bronzetafel erinnert seit Mittwochabend auf dem Stadtplatz an die 16 Opfer der „Penzberger Mordnacht“. Nächstes Jahr sollen zudem sogenannte Stolpersteine an den Orten der Morde verlegt werden.

Penzberg – Es war heuer ein sehr stilles Gedenken an den 28. April 1945. Die Stadt hatte wegen der Pandemie alle offiziellen Veranstaltungen abgesagt. Dennoch wurden wie jedes Jahr Kränze und Blumengestecke am Friedhof von den im Stadtrat vertretenen Parteien und Wählergruppen sowie von der DKP niedergelegt. Danach enthüllten Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) und seine Stellvertreter Markus Bocksberger (PM) und Hardi Lenk (SPD) am Stadtplatz eine Bronzetafel mit den Namen der Opfer: Paul Badlehner, Michael Boos, Johann Dreher, Rupert Höck, Ludwig März, Michael Schwertl und Johann Rummer, die am Nachmittag des 28. April 1945 „An der Freiheit“ von Angehörigen der Wehrmacht erschossen wurden. Außerdem Gottlieb Belohlawek, Franz Biersack, Agathe und Franz Xaver Fleissner, Albert Grauvogl, Johann Summerdinger, Therese und Johann Zenk, die „in den späten Abendstunden des 28. April 1945 an drei Orten um den Stadtplatz von Angehörigen des Werwolf erhängt“ wurden, so der Tafel-Text. Und Josef Kastl, der „in der Heimstättensiedlung von Angehörigen des Werwolf erschossen“ wurde, einer fanatischen NS-Gruppe.

Kränze und Blumen am Friedhof: Peter Brunner, Zeitzeuge und Autor von „Der Judastag“, legt hier Rosen an den Gräbern nieder.

Die Bronzeplatte war vom Stadtrat auf Antrag der SPD-Fraktion, einen Erinnerungsort an der Ecke von Bahnhof- und Karlstraße zu schaffen, in nicht öffentlicher Sitzung beschlossen worden. Er diskutierte damals ebenso den Vorschlag von Stadtarchivarin Bettina Wutz, „Stolpersteine“ zu verlegen. Solche Messingtafeln hat der Berliner Künstler Gunter Demnig seit 1996 bereits in rund 1200 Kommunen zur Erinnerung an Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus verlegt.

Es sei „einhellige Meinung“ gewesen, dies nächstes Jahr zu machen, erklärte Rathaus-Sprecher Thomas Sendl auf Nachfrage. Der Zeitpunkt ist ihm zufolge noch ungewiss, entweder an den Geburtstagen der Opfer oder am 28. April. Jedenfalls sollen die „Stolpersteine“ an den Orten der Morde verlegt werden, also sieben beim Ehrenmal „An der Freiheit“, acht im Innenstadtbereich und eine in der Heimstättensiedlung. Laut Sendl wird die Idee schon länger in Penzberg diskutiert.

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