Moschee in Penzberg: Bürgermeister und Imam erklärten, es werde keinen Gebetsruf-Antrag geben.
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Moschee in Penzberg: Bürgermeister und Imam erklärten, es werde keinen Gebetsruf-Antrag geben.

Nach Protest

Kein Gebetsruf in Penzberg - Imam stellt keinen Antrag an die Stadt

  • vonWolfgang Schörner
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In Penzberg wird es vorerst keinen Gebetsruf außerhalb der Moschee geben. Die islamische Gemeinde stellt bei der Stadt Penzberg keinen entsprechenden Antrag. Dies teilten am Donnerstag sowohl Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) als auch Imam Benjamin Idriz mit. Es ist offenbar eine Reaktion auf massive Proteste.

Penzberg – Imam Benjamin Idriz hatte den Wunsch nach einem Gebetsruf zum Freitagsgebet, hörbar vor der Penzberger Moschee, vor kurzem gegenüber Penzbergs Bürgermeister Stefan Korpan geäußert. Auch bei einem Treffen von Religionsvertretern im Landkreis sprach er den Wunsch an. Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Korpan vor einer Woche, dass er dies rechtlich prüfen lassen wolle, für ihn persönlich aber nichts dagegen spreche. Die beiden Penzberger Pfarrer sagten auf Nachfrage, dass sie einverstanden seien.

Gebetsruf in Penzberg: Bürgermeister gibt Stellungnahme ab

Offenbar aufgeschreckt von Protesten gab Bürgermeister Korpan nun am Donnerstag im Rathaus eine Stellungnahme ab. Er habe ein „sehr gutes Gespräch“ mit Imam Idriz geführt. Darin habe dieser erklärt, dass es sich lediglich um ein Gedankenspiel handle, das er laut geäußert habe, und die islamische Gemeinde keinen Antrag für einen Gebetsruf stellen werde.

Ohne Antrag ist laut Korpan auch keine rechtliche Prüfung nötig. Ebenso erinnerte er daran, dass es vor dem Bau der Penzberger Moschee – das war vor knapp 20 Jahren – geheißen habe, dass kein Gebetsruf vorgesehen sei. Idriz habe ihm gegenüber nun erklärt, dass man zu seinem Wort stehe. Befragt danach, wie er nun – eine Woche später – persönlich zu dem Wunsch steht, erklärte der Bürgermeister: „Darüber mache ich mir Gedanken, wenn es so weit ist.“

Reaktionen auf Gebetsruf-Wunsch in Penzberg

Befragt nach Reaktionen auf den Gebetsruf-Wunsch, sagte Korpan, sie seien „größtenteils negativ“ gewesen. Er sprach auch von einem „Aufschrei“. Der Münchner Michael Stürzenberger hat außerdem für den Freitagnachmittag eine Demonstration auf dem Stadtplatz angemeldet, unter dem Titel „Aufklärung über Muezzin-Ruf und politischer Islam“. Wie Rathaus-Sprecher Thomas Sendl sagte, gibt es „wohl auch Gedankenspiele für eine Gegendemo“. Beantragt wurde sie bis Mittag aber noch nicht. Unabhängig davon hat der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Krahl für Freitag, 15 Uhr, einen Infostand auf dem Penzberger Stadtplatz angekündigt, offenbar als Reaktion auf Stürzenbergers Demo. Krahl wirft ihm in seiner Mitteilung „absurde Ideen“ vor.

Imam bestätigt, aktuell keinen Antrag an die Stadt zu stellen

Der Penzberger Imam Idriz bestätigte am Donnerstag auf Nachfrage, dass die islamische Gemeinde aktuell keinen Antrag stellen wird. „Aber der Wunsch ist weiter da“, sagte er. Man werde warten, „bis die Zeit reif ist und die Bevölkerung ein starkes Signal sendet, dass ein Gebetsruf einmal die Woche begrüßenswert ist“. Wann das sein wird, wisse er nicht.

Bürgermeister Korpan: Gutes Zusammenleben in Penzberg „ein hohes Gut“

Korpan erklärte, dass die Religionen in Penzberg gut zusammenlebten. „Das ist ein hohes Gut, das soll so bleiben“, so der Bürgermeister, der auch darauf verwies, dass in Penzberg über 80 Nationen lebten. „Wir sind ein Penzberg.“ Man wolle keinen Extremismus, weder von rechts noch von links. Zu dem Treffen, bei dem Idriz vom Gebetsruf gesprochen hatte, sagte der Bürgermeister, dass man damals nicht ins Detail gegangen sei und über andere Dinge geredet habe. Die Runde, bei der auch die beiden Penzberger Pfarrer dabei waren, habe auch nicht beabsichtigt, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Tatsächlich herausgekommen war der Wunsch, wie berichtet, nachdem Idriz ihn bei einem öffentlichen Treffen der Religionsvertreter im Landkreis, auf die Frage eines anderen Pfarrers, ansprach.

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