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Begeistert führt Museumsleiterin Freia Oliv (l.) Harald Scheicher, A nne Funck, Arthur Ottowitz und Friederike Breier (v.l.) durch die neue Ausstellung im Museum Penzberg. 

Neue Ausstellung im Museum Penzberg-Sammlung Campendonk

Museum wird zur Berg-Landschaft

Er sprach fünf Sprachen und wählte doch die stille Kunst der Malerei, um sich mitzuteilen. Mit 110 Exponaten würdigt das Museum Penzberg das Werk des Expressionisten Werner Berg in der besonderen Ausstellung „Stadt- Land-Werner Berg“, die jetzt eröffnet wurde.

Penzberg – „Das Ungeheuere begreift der Sichere nicht“, sagte Werner Berg dereinst. Und tatsächlich: Der Gang durch die Ausstellung eröffnet einen seltenen Blick auf das Wesen und Schaffen einer Künstlerseele, die das einfache Leben eines Bauern einer großen Karriere im Auslandshandel und als Staatswissenschaftler vorzog.

Am Donnerstag brachten die Kuratorinnen Anne Funck und Friedericke Breier mit Museumsleiterin Freia Oliv bei der Vernissage den Besuchern die Werke eines „echten Aussteigers“ (Freia Oliv) näher, in Zusammenarbeit mit dem Kärntner Kurator des „Werner Berg Museums“, Dr. Harald Schleicher, dem Enkel von Werner Berg.

Die große weite Welt – für Berg war sie kein großer Anreiz. In selbst auferlegter Begrenzung auf etwa 25 Kilometer um seinen Hof in Kärnten richte der Maler seinen Fokus ganz nah auf die in alten Traditionen verlaufenden Lebensformen der vorwiegend slowenischen Landbevölkerung. Seine Motive spiegeln die Volksreligiösität wider, konzentrieren sich auf die Kopftücher der Frauen oder einzelne Blütenzweige. Den Blick stets auf den Ausschnitt gerichtet, das große Ganze außen vor.

Bestechende Einfachheit

Der Kreidegrund (wie etwa auch beim Maler Karl Kaspar zu finden) verleiht den expressionistisch-realistischen Bildern eine matte Optik, feurige Farben stechen als Lichtspielerei hervor (wie etwa im Bild „Allerheiligen“ gleich im Erdgeschoss), die braunen Töne ersetzte Werner Berg in seiner frühen Phase – seinem Kollegen Emil Nolde ähnlich – durch die Lilatöne.

Seine Bilder bestechen durch ihre Einfachheit, seine Kunst ist „kinderleicht“ zu verstehen und schraubt sich dennoch in unergründliche seelische Tiefen, wie etwa die Holzschnitte zeigen: Mit wenigen Linien und dem Spiel mit Licht und Schatten gelingen ausdrucksstarke Emotionen in menschlichen Gesichtern. Der Rundgang in der genial durchdachten Hängung spielt sich nicht nur innerhalb der Abfolge der Jahreszeiten ab, sondern zeigt auch die Lebensphasen des Künstlers und dessen Auseinandersetzung damit – seine Familienidylle Anfang der 30er Jahre („Liebe“ oder „Junge Familie“), seine Dreiecksbeziehung mit der Poetin Christine Lavant in den 50er Jahren, seinem Zusammenbruch („Der Kranke“) und seine Einsamkeit in seiner letzten Schaffensphase.

In einer gelungenen Gegenüberstellung mit den im Gegensatz zu Bergs Werken „verschwurbelten Darstellungen Campendonks“ (Freia Oliv) zeigen die Bilder auf bislang einzigartige Weise Unterschiede und Ähnlichkeiten. Die Bestückung der Bergarbeiterwohnung des Museums – die „dem einfachen Leben Bergs auf dem Bauernhof im Grunde durchaus ähnelt“, so Schleicher – gebe dem Besucher Einblick darüber, wie Berg seine Werke selbst gesehen haben dürfte. VON MYRJAM C. TRUNK

Die Ausstellung

„Stadt-Land-Werner Berg: Wahlheimat Expressionismus“ ist vom 16. März noch bis zum 26. Juni zu sehen. Weitere Infos unterwww.museum-penzberg.de

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