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Fachkundige Erklärungen gab es bei den Führungen durch die Hinterglas-Ausstellung.

Ausstellung im Museum Penzberg

Campendonks Spuren hinter Glas

Im Museum Penzberg sind 30 von 38 weltweit bekannten Hinterglasbildern Heinrich Campendonks zu sehen. Kein Wunder, dass es für die neue Ausstellung viel Lob gibt. Dem Betrachter eröffnet sich eine Spurensuche der besonderen Art.

Penzberg – „Schauen Sie mal da: Hier sieht man sogar seine Fingerabdrücke.“ Thomas Grubert, einer der Gäste bei der offiziellen Eröffnung der neuen Ausstellung im „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“, war begeistert. Auf dem Hinterglasbild „Zwei Frauen am Tisch“ von Heinrich Campendonk konnte der Betrachter, wenn er ganz dicht heranging, tatsächlich die Fingerabdrücke des Künstlers deutlich erkennen. Und wer sich einlässt auf die neue Schau „Magische Transparenz“, die erstmals 30 Hinterglasbilder von Campendonk in einer Ausstellung versammelt, wer sich Zeit nimmt und die so sagenhaft farbigen Werke mit ihren Anklängen an den Surrealismus und den „Blauen Reiter“ genau betrachtet, der wird viel Faszinierendes in ihnen entdecken.

In ihrer Eröffnungsrede hatte Bürgermeisterin Elke Zehetner schon vor dem Rundgang große Erwartungen geweckt. „Ich verspreche Ihnen, Ihre Augen werden leuchten, wenn Sie diese magische Transparenz sehen“, prophezeite die Rathauschefin und würdigte die neue Schau „als Kleinod“ in Penzberg. Museumsleiterin Gisela Geiger verwies auf die Einmaligkeit dieser Ausstellung. Demnach wisse man von 76 Hinterglasbildern, die Campendonk zeitlebens gemalt habe. „Aber davon sind nicht mehr alle existent“, erläuterte Geiger. „Weltweit wissen wir von 38 Bildern.“ Dass davon 30 nun in Penzberg hängen – 13 als „dauerhafte Leihgaben“ – „das ist ein ganz schöner Prozentsatz“.

Wer im Anschluss mit Geiger und den beiden Kunsthistorikerinnen Diana Oesterle und Ann-Katrin Harfensteller durch die Ausstellung ging, der war ergriffen von der tiefen Farbigkeit in Campendonks Werk – etwa von dem sagenhaften Blau seiner Traumwelten im ersten Stock. Einem spielerischen Dialog gleich nahmen die beiden Kunsthistorikerinnen ihre Gäste sprichwörtlich an der Hand und erklärten die Technik der Hinterglasmalerei allgemein sowie die Arbeitsweise von Campendonk im Besonderen. Etwa, wie der Künstler mit Radiernadel und Lappen Struktur erzeugte oder mit Bronze Glanz-Effekte zauberte. Ausführlich erläuterten sie die Symbolik in Campendonks Werk; etwa die Bedeutung des immer wiederkehrenden Gänse-Motivs. „Gänse sind ein Trauer- und Sehnsuchtsmotiv. Und sie sind Tiere der Weisheit“, erfuhren die Besucher. Über die Technik der Hinterglasmalerei lasse Campendonk den Betrachter Teil des Bildes werden, so Oesterle. „Er nimmt uns mit in das Bild, weil wir uns in der Scheibe spiegeln.“

Übrigens können die Besucher in dieser Ausstellung hinter die schöne Fassade der weltberühmten Werke blicken: Im ersten Stock wurde ein „Touch“-Tisch aufgestellt, an dem die Besucher die Gemälde heranzoomen und umdrehen können – um die eigentliche Arbeitsseite eines Hinterglasbildes zu sehen.

Zu sehen ist die Ausstellung bis 7. Mai im Museum Penzberg. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr sowie Donnerstag 10 bis 20 Uhr. Führungen: Sonntag 11 Uhr sowie Donnerstag 16 Uhr. Infos: www.museum-penzberg.de.

Franziska Seliger

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