Tempo 30 auf langer Gerade: Viele Autofahrer übersehen das Schild. Bei einer Kontrolle war ein Viertel zu schnell – nun wird über Konsequenzen nachgedacht.
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Tempo 30 auf langer Gerade: Viele Autofahrer übersehen das Schild. Bei einer Kontrolle war ein Viertel zu schnell – nun wird über Konsequenzen nachgedacht.

Tempo 30 an Seeshaupter Straße

Neues Tempolimit in Penzberg: Ein Viertel der Autofahrer ist zu schnell - „eine sehr hohe Quote“

  • vonWolfgang Schörner
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Für Ärger sorgen die neuen Tempo-30-Abschnitte auf der Seeshaupter Straße in Penzberg. Von Autofahrern werden die Schilder offenbar reihenweise übersehen. Vor wenigen Tagen wurden vor der Montessorischule geblitzt: Rund ein Viertel der Autofahrer war zu schnell unterwegs – ein außerordentlich hoher Wert.

Penzberg – Seit Oktober stehen Tempo-30-Schilder an der Seeshaupter Straße sowohl im Bereich der Montessorischule als auch im Abschnitt vor dem Alten- und Pflegeheim „Steigenberger Hof“. Sie waren damals auf Antrag der Fraktion von „Penzberg miteinander“ aufgestellt worden. Die Schilder werden jedoch von vielen Autofahrern auf der lang gezogenen Strecke übersehen oder nicht beachtet. Offensichtlich war das in den ersten Tagen, aber auch nach einigen Wochen fahren viele Autofahrer zu schnell.

Ergebnisse von Tempokontrolle: Knapp ein Viertel ist zu schnell

Untermauert wird der Eindruck durch das Ergebnis einer Tempokontrolle: Die „Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland“ hatte am 1. Dezember drei Stunden lang im Bereich der Montessorischule die Geschwindigkeit gemessen. Die Stadt Penzberg gab auf Anfrage unserer Zeitung die Auswertung bekannt: Demnach wurden in der Zeit von 10.35 bis 13.33 Uhr insgesamt 1807 Fahrzeuge gemessen. Dabei wurden 423 Tempo-Überschreitungen registriert. Das sind 23,41 Prozent. Der weit überwiegende Teil davon, nämlich 356 Autofahrer, fuhr zwischen sechs und zwanzig Stundenkilometer zu schnell – sie befanden sich also genau in dem Rahmen, der früher erlaubt war.

Gebeten nach einer Einschätzung erklärte der Penzberger Polizeichef Jan Pfeil, dass dies eine „sehr hohe Beanstandungsquote“ sei. Er könne sich an keine derartig hohe Quote bei eigenen Kontrollen erinnern. Innerhalb der Penzberger Polizeiinspektion hat die neue Tempo-Regelung an der Seeshaupter Straße schon für Gesprächsstoff gesorgt. Man habe mitbekommen, dass der Zweckverband Anfang Dezember kontrolliert hat, so Pfeil. Sein Kollege Uwe Ledermüller sah sich deshalb die Situation vor Ort an – ohne Blitzer. Dabei habe er festgestellt, dass die Zahl der Autofahrer, die zu schnell sind, über 15 Prozent liegt – was die Auswertung der Zweckverband-Kontrolle nun bestätigte.

Hohe Beanstandungsquote macht Konsequenzen nötig

Die 15-Prozent-Quote hat eine Bedeutung: In der bayerischen „Richtlinie für die polizeiliche Verkehrsüberwachung“ heißt es, dass bei Überschreiten der Quote die Situation vor Ort überprüft werden muss. Uwe Ledermüller und Jan Pfeil sprechen von der „Einheit von Bau und Betrieb“. Das heißt übersetzt auf diesen Fall so viel wie: Die Art der Straße – lang, breit, gerade, übersichtlich, ohne Hindernisse – kontrastiert mit dem Tempolimit.

Laut Ledermüller gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten: sehr viel häufiger kontrollieren oder etwas an der Darstellung ändern, zum Beispiel durch größere Schilder oder Piktogramme auf der Straße. Wobei er durchblicken lässt, dass er die zweite Variante bevorzugt. Polizeichef Pfeil erklärte, dass man ein Schreiben an die Verkehrsbehörde des Landratsamts geschickt habe. Die Stadt, sagte er, werde zudem untersuchen müssen, ob die Zweckverband-Messung eine Momentaufnahme war oder nicht.

Deutlichere Schilder oder Fahrbahnmarkierungen

Nicht besonders glücklich scheint Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) mit dem Tempolimit an der Seeshaupter Straße zu sein. Auf die Kontrolle hin hatten ihn reihenweise Leute angesprochen. Er hätte, sagt der Rathaus-Chef, an der Stelle keinen Handlungsbedarf für Tempo 30 gesehen, auch wenn es rechtlich in Ordnung ist. Er verweist auf die Fußgängerampeln in der Nähe. Das Tempo 30, so Korpan, sei nicht von der Stadt, sondern vom Landratsamt angeordnet worden. Anlass war damals ein Antrag von „Penzberg miteinander“. Auch Korpan sagt, dass man bei gehäuften Überschreitungen handeln müsse, zum Beispiel mit deutlicheren Schildern oder Markierungen. Denkbar sind ihm zufolge in letzter Konsequenz auch bauliche Veränderungen – wobei der geplante Kreisverkehr an der Abzweigung zur Birkenstraße einen entsprechenden Effekt haben könnte.

Angesprochen worden waren die neuen Tempo-30-Regelungen auch in der November-Sitzung des Stadtrats. Jack Eberl (FLP) hatte dort bereits deutlichere Hinweise und Markierungen vorgeschlagen. Als Problem sprach er auch an, dass das Ende des Tempo-30-Bereichs nicht angezeigt wird. Ordnungsamtsleiter Peter Holzmann erklärte, dass er dies mit dem Landratsamt abklären werde.

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