Künstler Walter Kuhn mit seinen „Mahnblumen“, hier nahe dem Mahnmal für die Penzberger Mordnach-Opfer.
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Künstler Walter Kuhn mit seinen „Mahnblumen“, hier nahe dem Mahnmal für die Penzberger Mordnach-Opfer.

300 Mahnblumen in Penzberg

„Niemals wieder!“: Nach Corona-Verzögerung - jetzt startet Mahnblumen-Ausstellung in Penzberg

  • vonWolfgang Schörner
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Eigentlich sollte die „Niemals wieder!“-Ausstellung mit den 300 „Mahnblumen“ von Aktionskünstler Walter Kuhn bereits im April zum 75. Jahrestag der „Penzberger Mordnacht“ stattfinden. Die Corona-Pandemie machte dem Penzberger Museum jedoch einen Strich durch die Rechnung. Nun ist es aber so weit: Die Ausstellung startet am Samstag.

Penzberg – In einem Museumsraum unter dem Dach stehen zwei „Mahnblumen“, die aus einem Schutthaufen herauszuwachsen scheinen. Mittendrin liegt ein verbranntes Buch. Um den Bauschutt sind im Kreis 16 Metallplatten angeordnet – sie symbolisieren die 16 Opfer der „Penzberger Mordnacht“ vom 28. April 1945. Die Skulptur zeigt auf einen Blick, welche Botschaft die neue Ausstellung „Niemals wieder!“ hat: auf der einen Seite, dass Krieg Tod und Zerstörung bringt, auf der anderen Seite, dass dies eine Mahnung ist und daraus wieder Hoffnung wachsen kann.

Mahnblumen auf Bauschutt: Walter Kühn hat die Skulptur für Penzberg geschaffen

Walter Kuhn hat die Skulptur eigens für die Penzberger Ausstellung geschaffen. Mit Penzberger Bauschutt. Die „Mahnblumen“, sagt er, seien nicht nur ein Symbol gegen Krieg, sondern auch gegen Faschismus und Rassismus. Im Herbst 2018 – 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs – hatte er auf dem Münchner Königsplatz ein Meer von 3000 „Mahnblumen“ aufgestellt, als Mahnmal für den Frieden. Ein Luftbild ist davon im Penzberger Museum zu sehen, daneben ein anderes Foto vom Königsplatz: von einem nationalsozialistischen Aufmarsch am 9. November 1935.

„Niemals wieder“ steht auf einem Transparent im Museum. Es sei ihm wichtig, so Kuhn, nicht nur zu gedenken, sondern damit auf die Straße zu gehen. „Leider gibt es immer wieder solche Anlässe.“ In Penzberg waren seine Blumen im Dezember 2019 bei der Anti-Pegida-Demonstration zu sehen. Als er von der Demo hörte, sei er spontan „mit 60, 80 Mahnblumen“ nach Penzberg gekommen, so Kuhn.

„Niemals wieder!“-Ausstellung: Mahnblumen sehen in Penzberg

Nun stehen die „Mahnblumen“ in den nächsten Wochen in Penzberg beim Rathaus, am Friedhof, beim Museum und am Ehrenmal für die Mordnacht-Opfer. Letzteres ist für Kuhn der wichtigste Ort. Beim Mahnmal, wo am 28. April 1945 Hans Rummer und sechs weitere Männer von Soldaten erschossen wurden, hat Kuhn mit seinen Freunden Herbert Dandl und Klaus Miller die etwa 100 „Mahnblumen“ am Hang aufgestellt. Dort, wo vielleicht die Kugeln einschlugen, die nicht trafen, so Kuhn.

Otto Dix: Düstere Bilder von Tod und Entsetzen

Die „Mahnblumen“ sind der im Stadtgebiet sichtbare Teil der Ausstellung „Niemals wieder“. Der andere Teil wird am Samstag im „Museum Penzberg – Sammlung Campendonk“ eröffnet. Die Kuratorinnen sind Museumsleiterin Freia Oliv und Ingrid Gardill. Rund 200 Paten für die 300 „Mahnblumen“ gebe es bereits, weitere können sich gerne melden, auch Unternehmen, sagt Freia Oliv. Besonders stolz ist sie, dass das Museum Grafiken von Otto Dix aus „Der Krieg“ zeigen kann. Der Maler, der sich im Ersten Weltkrieg freiwillig als Soldat meldete, hat seine Erfahrungen in düsteren Bildern von Tod und Entsetzen verarbeitet: zum Beispiel „Der Verwundete“ oder „Sturmtruppe geht unter Gas voraus“ von 1924. Die Leihgaben sind vom Buchheim-Museum. Diese Grafiken hat Walter Kuhn in seiner Bilderserie „Gueules Cassées“ aufgegriffen, die er für die Penzberger Ausstellung erweiterte – Bilder von verletzten, zerstörten Gesichtern. Zu „Niemals wieder!“ gehört auch der Raum im Museum, der als Dauerausstellung den Penzberger Mordnacht-Opfern gewidmet ist.

Mehrere Monate haben die Kuratorinnen und Kuhn an der Ausstellung gearbeitet, die wegen der Corona-Pandemie einige Einschränkungen erlebt. So musste das Begleitprogramm reduziert werden. Eigentlich wollte Freia Oliv Konstantin Wecker und die Biermösl Blosn nach Penzberg holen. „Aber das alles geht leider nicht.“

Paten für Mahnblumen in Penzberg

Wer Pate für eine „Mahnblume“ werden will, erhält Auskunft auf „www.mahnblumen-penzberg.de“. Dort gibt es auch weitere Infos.

„Niemals wieder!“: Das Programm im Penzberger Museum

Die Eröffnung der Ausstellung im Penzberger Museum ist am Samstag, 17. Oktober, 10 bis 17 Uhr, bei freiem Eintritt. Künstler Walter Kuhn sowie die Kuratorinnen Ingrid Gardill und Freia Oliv sind von 11 bis 15 Uhr anwesend. Die Ausstellung läuft bis Sonntag. 6. Dezember. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Für Jugendliche bis 18 Jahre herrscht während der gesamten Ausstellungsdauer freier Eintritt zu den „Niemals wieder“-Räumen.

Kunstauskunft: Künstler Walter Kuhn beziehungsweise die Kuratorinnen werden zusätzlich am Sonntag, 25. Oktober, sowie den Samstagen, 7. und 14. November, jeweils von 14 bis 16 Uhr im Museum Auskunft zu den Projekten geben. Führungen sind wegen der Corona-Pandemie nicht möglich.

Kunst-Performance mit Andreas Kloker am Samstag, 21. November, ab 18 Uhr im Museum. Unter dem Titel „An der Freiheit. Elementar-Zeichnung“ entstehen Bilder.

Live-Hörspiel mit Thomas Darchinger am Freitag, 27. November, ab 19.30 Uhr in der Stadthalle unter dem Titel „Das andere Leben“, in Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung (Abendkasse ab 18.30 Uhr, freier Eintritt bis 18 Jahre).

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