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Rote Mohnblumen-Schirme hatte Künstler Walter Kuhn unter den Gegendemonstranten verteilt.

Mohnblumen für ein buntes Penzberg

Steinmeier-Besuch: Vier Pegida-Demonstranten, 240 Teilnehmer bei „Penzberg ist bunt“

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Eine Gegendemo zur Gegendemo – das hat man auch nicht alle Tage. Und doch kamen gestern spontan hunderte Penzberger zusammen, um ein deutliches Zeichen gegen die Pegida-Aktivisten zu setzen, die gegen den Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Moschee protestierten.

Penzberg – Der eisige Dezemberwind pfeift die Schneeflocken fast waagerecht über die Bichler Straße. Die Polizisten ziehen die warmen Wollmützen noch ein bisschen tiefer ins Gesicht. Wo die Pegida-Demo ist? „Da hinten.“ Sind das alle? „Ja.“

Zwei Männer und eine Frau stehen vor einem Fernseher und unter einem Großplakat. Sagen wollen sie nichts. Da hinten, da stehe der Herr Müller, der spreche. Der Herr Müller will dann aber doch kein Interview geben. Ein paar Fragen beantwortet er schließlich doch. Aus München seien er und seine „Pegida“-Freunde angereist, um auf die „Gefahren der Islamisierung Deutschlands“ hinzuweisen. „Wenn die die Oberhand haben, gilt hier die Scharia.“

Penzberger seien bei der Kundgebung nicht dabei: „Die waren vor drei Jahren dabei und bekamen eine Abmahnung. Aber wir haben hier Mitglieder.“ Reden seien nicht geplant: „Wir spielen unseren Film ab, die Sprecher dort können das besser als wir.“ Generell fühle man sich ungerecht behandelt, klagt er weiter. So hätte die Polizei angewiesen, dass er das Plakat abnehmen müsse, „nur weil da draufstand, dass der Islam Nekrophilie und Sodomie duldet“.

Bundespräsident Steinmeier in Penzberg: 220 Polizeibeamte aus ganz Oberbayern im Einsatz

Die Polizisten haben derweil einen kalten, aber ruhigen Tag. Rund 220 Beamte seien an diesem Vormittag im Einsatz, erklärt Pressesprecher Alexander Huber. „Angemessen angesichts des Anlasses“, nennt Huber die Polizeipräsenz. Man habe vorher mögliche Gefahrenpotenziale durch die Kripo prüfen lassen.

Bundespräsident Steinmeier in Moschee in Penzberg: Der Besuch in Bildern

Gefährlich sehen sie nicht aus, die Gegendemonstranten von „Penzberg ist bunt“, die immer zahlreicher zum Veranstaltungsort strömen. Als Organisator Stefan König ans Mikro tritt, drehen die vier Pegida-Anhänger die Lautsprecher auf. Egal, die rund 180 Teilnehmer, die zu Beginn bei „Penzberg ist bunt“ dabei sind, ignorieren sie. „Bitte nicht so laut, wir wollen den Steinmeier-Besuch in der Moschee nicht stören“, sagt König und stellt den Künstler Walter Kuhn vor. Der machte 2018 Schlagzeilen, als er drei Wochen lang 3000 künstliche Mohnblumen auf dem Königsplatz in München aufstellte.

Lesen Sie auchBundespräsident Steinmeier zu Besuch - viel Lob für Penzberg

Als „Mahnblumen für den Frieden“. Im kommenden Jahr soll die Installation nach Penzberg kommen. Als Vorgeschmack hat Kuhn etliche Mohnblumen, die aussehen wie umgekehrte Regenschirme, mit nach Penzberg gebracht und unter den Demonstranten verteilt. Es werden immer mehr. Wer die Mittagspause vorziehen kann, schaut vorbei. Im Gymnasium hat die Schulleitung Schülern ab der 9. Klasse, die eine Erlaubnis der Eltern mitgebracht haben, erlaubt, an der Demo teilzunehmen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht Moschee - Altbürgermeister Mummert findet klare Worte

Altbürgermeister Hans Mummert greift das Bild in seiner Ansprache auf. Die Mohnblumen würden perfekt zu Penzberg passen, sagt er. „Schwarz ist die Kohle, Rot ist das Feuer. Brennen soll es – für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.“

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Krahl richtet deutliche Worte an die Pegida-Demonstranten. „Diese fünf oder sechs Leute behaupten, sie seien das Volk. Das sind sie nicht. Sie haben auch kein Recht, uns unsere Flagge wegzunehmen und zu missbrauchen.“

Liedermacher Willi Sommerwerk braucht einen Zettel mit dem Text seines Liedes „Nazis raus“, als er es singt. „Ich habe es 1988 geschrieben, als die Republikaner hetzten. Danach habe ich es lang nicht mehr gebraucht“, sagt er. Heute sei es wieder soweit, heute sei es „nötiger denn je“.

Besuch von Bundespräsident Steinmeier: „Penzberg war bunt, ist bunt und bleibt bunt“

Tarek Abdin-Bey steht mitten unter den Demonstranten und hält ein Schild hoch: „Ich bin stolz, Muslim zu sein, verurteile Hass, Gewalt und Radikalität“, steht darauf geschrieben. Abdin-Bey ist extra aus München nach Penzberg gekommen. „Wenn die von Pegida das können, kann ich das allemal“, sagt er.

Viele Menschen reden an diesem eiskalten Dezembermittag vor der Moschee, während alle darauf warten, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf dem Weg ins Rathaus vorbeikommt. Sie wollen ihm zeigen, dass Penzberg anders ist, bunt ist, dass die islamische Gemeinde Teil der Stadt ist.

Hans Mummert bringt es auf den Punkt: „Die von Pegida sollen uns alle in Ruhe lassen. Die Penzberger lassen sich nicht von Auswärtigen reinreden. Penzberg war bunt, ist bunt und bleibt bunt.“

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