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Abschiedsfestakt für Gymnasiumsdirektor Bernhard Kerscher (vorne in der Mitte, rechts seine Ehefrau) am Donnerstag in der Stadthalle.

Schulleiter Bernhard Kerscher verabschiedet

Abschied voller Anekdoten: Bohnen in der Tasche des Penzberger Gymnasium-Chefs

  • vonWolfgang Schörner
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Reich an Anekdoten war der Festakt, bei dem Gymnasiumsdirektor Bernhard Kerscher am Donnerstag in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ein Schneeballwerfer legte ein spätes Geständnis ab. Kollegen erinnerten an eine Rede, die nie gehalten wurde. Und Eltern erzählten, dass Kerscher Bohnen in der Jackentasche mit sich trägt.

Penzberg – Ein Bauhof-Fahrzeug hatte Schulleiter Bernhard Kerscher (66) am Donnerstag früh zum Gymnasium gefahren, wo Schüler ein Spalier bildeten. Der kleinen Feier in der Mensa, übertragen per Livestream in die Klassenräume, folgte danach in der Stadthalle der offizielle Festakt – coronabedingt mit einer überschaubaren Zahl an Gästen. Dennoch wurde es ein humorvoller Abschied für Bernhard Kerscher, der nach vier Jahrzehnten im Schuldienst und fünf Jahren als Leiter des Penzberger Gymnasiums in Ruhestand geht.

Nicht nur eine Ehrenurkunde, sondern auch ein Geständnis

Nicht nur eine Ehrenurkunde des Landkreises, sondern auch ein Geständnis hatte Matthias Brugger dabei. Der Vize-Kreiskämmerer war vor 20 Jahren Schüler am Weilheimer Gymnasium, als Kerscher der Schulleitung angehörte. An einem Wintermorgen lieferten sich Brugger und andere Schüler, ohnehin zu spät dran, vor der Schule eine Schneeballschlacht. Als Bruggers Schneeball lautstark an einer Tafel landete, erschien Kerscher am Fenster und rief: „Ihr da, raufkommen.“ Brugger flüchtete unerkannt. Er habe in den folgenden Tagen „den Gang beim Lehrerzimmer konsequent gemieden“. Kerscher nahm das späte Geständnis lachend auf.

Bernhard Kerscher: Eine legendäre Rede, die nie gehalten wurde

An eine legendäre Rede, „die in die Annalen des Gymnasiums“ einging, erinnerte Ministerialbeauftragte Brigitte Grams-Loibl. Bei der Abiturfeier 2018 hatte ein Elternvertreter einen XXL-Vortrag gehalten, der so lange dauerte, dass Hauptredner Kerscher auf seine Rede verzichtete. Sie wurde dann im Jahrbuch veröffentlicht. „Er hat äußerst effektvoll Reden gehalten – und nicht gehalten“, bestätigte Personalrat Fritz Janocha. Die Elternbeiräte brachten beim Festakt auch eine Eigenart Kerschers ans Licht. Er steckt sich Bohnen in die Jackentasche, um sich so – als Gedankenstütze – am Abend an die schönen Dinge des Tages zu erinnern.

Schülervertreter: Kerscher hat viele Schüler inspiriert

Es seien fünf kurze, aber intensive Jahre gewesen, zitierte Landkreisvertreter Brugger einen Satz im Einladungsschreiben. Neue Turnhalle, neue naturwissenschaftliche Räume, Generalsanierung und Digitalisierung – „das hätte auch für zehn Jahre gereicht“, so Brugger. Er attestierte Kerscher, ein hartnäckiger Verhandlungspartner zu sein, aber stets mit guter Laune und Humor. Unvergessen sei, sagte Vize-Bürgermeister Markus Bocksberger, dass der Schulleiter seine Schüler nicht daran hinderte, während der Unterrichtszeit an einer Anti-Pegida-Demonstration – damals besuchte der Bundespräsident Penzberg – teilzunehmen. Ein Umstand, den Ministerialbeauftragte Grams-Loibl als „bemerkenswertes Zeichen“ lobte. „Ihre Arbeit wird nachhaltig wirken“, so Bocksberger. Schülervertreterinnen sagten beim Festakt, er habe viele Schüler inspiriert und für ihre Anliegen immer ein offenes Ohr gehabt.

Türsteherqualitäten und dankbar für die Neugierde der Schüler

Von anfänglicher Skepsis, dass 2015 ein Schulleiter kam, der nur fünf Jahren bleiben sollte, erzählte Elternbeiratsvorsitzende Astrid Heller. Die Bedenken seien schnell zerstreut worden. Kerscher habe dem Elternbeirat von Anfang an das Gefühl, gegeben, dass ihm „unsere Meinung wichtig ist“. Vor dem ersten Treffen – es war die heiße Phase in der Debatte um die naturwissenschaftlichen Räume – habe er sogar die Elternbeiratsprotokolle der vorangegangenen Jahre gelesen, so Heller.

Eltern und Kollegen erzählten beim Festakt auch von seinen morgendlichen Türsteherqualitäten für Zuspätkommer, den Kontrollgängen, ob noch Licht brennt, und dem reparaturanfälligen Auto, das ihn nicht daran hinderte, morgens der erste im Schulhaus zu sein. Kerscher gab den Dank an alle zurück, an erster Stelle den Schülern: „Für eure Neugierde, euer Vertrauen und eure Lebensfreude, die mich den Arbeitstag bewältigen ließen.“ Und er hatte eine Bitte: seinem Nachfolger Matthias Langensteiner jenen Vertrauensvorschuss zu geben, den er einst selbst erfahren durfte.

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