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In dieses Haus wollte die „Aktive Schule“ eigentlich im September 2020 einziehen.

Geplante Schulgründung in Penzberg

„Aktive Schule“: Initiatoren setzen der Regierung Frist - Anwalt rät zu Klage

  • vonWolfgang Schörner
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Die Initiatoren der „Aktiven Schule“ in Penzberg stoßen auf Widerstand bei der Regierung von Oberbayern – weil angeblich Fristen versäumt wurden. Die Initiatoren haben der Regierung nun selbst eine Frist bis 16. Juni gesetzt. Verstreicht sie, werden sie voraussichtlich eine „Untätigkeitsklage“ einreichen.

Penzberg – Eigentlich hatten die Initiatoren alles beisammen gehabt, um im September mit einer „Aktiven Schule“ in Penzberg zu starten: ein pädagogisches Konzept, 17 Kinder für die jahrgangsgemischte Klasse, zwei Lehrer und eine Erzieherin, eine Mietoption für ein Gebäude „Am alten Bahnhof“, einen Finanzplan und eine Darlehensoption. Ende März hatten sie alles nach München geschickt, das Konzept sogar schon am 2. Februar, um das Okay der Regierung von Oberbayern zu erhalten.

Regierung von Oberbayern: Schulgründer haben Fristen versäumt

Die Behörde gab jedoch kein grünes Licht. Das Team um Yvonne Schmerbeck und Juliane Malik haben sich deshalb einen Anwalt genommen. Die Chancen sind allerdings minimal, dass die Regierung kurzfristig umschwenkt und es heuer noch etwas wird. Die Hoffnungen richten sich auf einen Schulstart im September 2021.

Aktive Schule: Initiatoren setzen ihrerseits der Regierung eine Frist

Was die Initiatoren irritiert, ist die Art und Weise, wie die Regierung auf den Schulgründungsantrag reagierte. Anfang April kam zunächst die Antwort aus München, dass nicht alle Unterlagen vorlägen und das nötige Antragsformular nicht benutzt worden sei, erzählt Yvonne Schmerbeck. Von so einem Formular habe man aber nichts gewusst, auch auf der Internetseite der Regierung sei es nicht zu finden, sagt sie. Wenigstens schickte die Regierung das Formular in ihrer Antwort mit – das Team füllte es aus und sandte es samt Unterlagen retour. Die Antwort der Regierung lautete daraufhin, so Schmerbeck, dass nun der Antrag zu spät eingereicht sei, man keine Zeit habe, ihn sich anzuschauen und außerdem das Konzept fehle. Das, sagt die Mitinitiatorin, habe man aber schon am 2. Februar zugesandt. „Daran sieht man, wie die Taktik der Regierung von Oberbayern ist“, so ihr Fazit. „Sie versucht, es zu verhindern.“ Das Schulteam probierte es auch über Regierungspräsidentin Maria Els, ebenfalls ohne Erfolg. Dort bekamen die Penzberger gesagt, dass kein besonderes pädagogisches Interesse an einer „Aktiven Schule“ bestünde, weil es schon Montessori- und Waldorfschulen gebe und sich die Regelschulen weiterentwickelt hätten.

Aktive Schule: Anwalt rät zur Klage vor Gericht

Die Schulinitiatoren haben sich deshalb einen Anwalt genommen, Martin Sträßer hat damit Erfahrung. Er vertrat vor Gericht auch jene Initiatoren, die eine derartige Schule mit demselben Konzept in München und in Petershausen (dort gibt es sie seit 2009) gründen wollten. Er habe dazu geraten, die „Wiedereinsetzung in den vorigen Stand“ zu beantragen. Das heißt übersetzt: Die Unterlagen soll angenommen und bearbeitet werden, weil die Frist schuldlos versäumt wurde. Die Initiatoren setzten der Regierung dafür eine Frist bis 16. Juni.

Deren Hoffnung ist aber gering, dass bis dahin eine positive Antwort aus München kommt. Das heißt: „Wir müssen wohl klagen“, so Schmerbeck. Anwalt Sträßer habe zu einer Untätigkeitsklage geraten. Dabei geht es um das besondere pädagogische Interesse am Konzept der „Aktiven Schule“. „Man versucht, uns abzuwimmeln mit dem Argument, dass jedes Konzept einmalig sein muss.“ Dies gelte aber nur für den Umkreis, so die Penzberger Initiatoren, nicht auf ganz Deutschland gemünzt. Auch das Argument, Regelschulen seien so ähnlich, kann Schmerbeck nicht nachvollziehen. „Das ist eine komplett andere Pädagogik.“

Schulgründer hoffen zumindest auf September 2021 - neues Haus gesucht

Wenn das Schulgründungsteam den Klageweg beschreiten muss, „können wir heuer auf keinen Fall aufmachen“, weiß Schmerbeck. Was Probleme nach sich zieht. Die beiden Lehrer, hofft sie, würden zwar bei der Stange bleiben. Aber das Gebäude „Am alten Bahnhof“ (früher war dort die Montessorischule beheimatet) wird aber kaum mehr frei sein. „Wir müssen wohl wieder auf Suche gehen“, sagt sie. Außerdem bräuchte es für September 2021 genug Anmeldungen von Kindern.

Eine andere Frage ist, wann ein Gerichtstermin anberaumt wird. Für die Schulgründer wäre es wichtig, wenn noch heuer verhandelt würde. Bei einem Sieg könnte man im Januar mit Infoveranstaltungen starten. Eltern hätten schnell Klarheit, sagt Schmerbeck. Schon jetzt können Eltern ihre Kinder für das Schuljahr 2021/22 auf der Internetseite der Schulgründer registrieren lassen. Auch weitere Unterstützer würden gebraucht, erklärt sie, sei es bei der Gebäudesuche und bei der weiteren Vorbereitung, aber auch als Spender. „So ein Prozess“, sagt sie, „ist nicht umsonst.“

Unverbindliche Anmeldungen für das Schuljahr 2021/22 sind im Internet auf „www.aktive-schule-penzberg.de“ möglich. Fragen auch per E-Mail an „juliane. aktiveschule@gmx“.

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