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Aus Penzberg für Tansania: Eine der Schultafeln, die auf Reisen geht.

Umrüstung an der Birkenstraße

An Penzberger Grundschule beginnt das Digital-Zeitalter: 17 Kreidezeit-Tafeln für Tansania

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An der Penzberger Birkenstraßen-Grundschule endet die Kreidezeit, nächstes Schuljahr beginnt die Ära der digitalen Tafeln. Doch was tun mit den 17 alten grünen Kreide-Tafeln aus den Klassenzimmern? Wegwerfen? Das soll nicht geschehen. Über den Verein „Jambo Bukoba“ gehen sie auf Reise ins ostafrikanische Tansania.

Penzberg – Etwas wehmütig blickt Schulleiterin Annett Baier am Dienstag auf eine der alten aufklappbaren Tafeln, die in der Aula stehen. Eine Lehrerin hat die vier Meter breite Tafel mit Regenbogen, Schulhaus, Schiff und Palmen verziert. „Von Penzberg, Deutschland. Für die Kinder in Tansania“, steht darauf mit Kreide geschrieben. „Es ist schon eigenartig, die Tafeln abzugeben. Kreidehände gehören zu unserem Beruf“, sagt Baier. Aber natürlich freue sie sich auch auf das Abenteuer mit den neuen digitalen Tafeln.

Grundschule an der Birkenstraße: 17 digitale Tafeln 

In den Sommerferien geht die lang geplante digitale Umrüstung der Grundschule an der Birkenstraße in die entscheidende Phase. Sichtbares Zeichen ist, dass die Kreide-Tafeln durch 17 digitale Exemplare ausgetauscht werden, sogenannte „ActivPanels“, quasi riesengroße Smartphones. Dabei tauchte jedoch die Frage auf, was mit den alten Tafeln geschehen soll. Man hätte sie entsorgen können, sagt Ulrich Münzing von der Firma „Britnet“, die die Schule mit den „ActivPanels“ ausrüstet. Schöner sei aber der Gedanke, sie weiter zu nutzen. Eine Partnerfirma habe deshalb Kontakt zur Hilfsorganisation „Jambo Bukoba“ hergestellt.

Verein „Jambo Bukoba“ hilft im ostafrikanischen Tansania

Andreas Meindl von „Jambo Bukoba“ ist am Dienstag extra nach Penzberg gekommen. „Jambo“, sagt er, heiße „Hallo“ in der ostafrikanischen Sprache Suaheli. „Bukoba“ sei die Region in Tansania, in der sich der Münchner Verein engagiert. Bukoba liegt im Nordwesten Tansanias am Victoriasee.

Auf drei Säulen basiere die Arbeit von „Jambo Bukoba“, erzählt Meindl, selbst Vizeleiter des Gisela-Gymnasiums in Schwabing: Man wolle Mädchen stark machen, Schüler über Aids aufklären und die Verhältnisse an den Schulen verbessern. Klassen hätten dort häufig über 100 Schüler, Klassenräume seien, falls überhaupt vorhanden, in schlechtem Zustand. An vielen Schulen fehle sogar Wasser – deshalb habe der Verein zum Beispiel schon Wassertanks aufgestellt.

Aktion für Tansania: Schultafeln sind Mangelware

Schultafeln sind ebenfalls Mangelware. Die 23 Jahre alten, aber noch gut erhaltenen Tafeln aus Penzberg kommen da gerade recht – zwei Schulen, sagt Meindl, können damit ausgerüstet werden. Die Tafeln (Schulleiterin Baier: „Kreide kann ich Ihnen auch noch mitgeben“) sollen diese Woche abgeholt und in einen Lagerraum bei Kirchheim gebracht werden. Von dort gehen sie mit vielen anderen Hilfsmaterialien in einem Container auf eine zwei- bis dreimonatige Schiffsreise.

Grundschule an der Birkenstraße: Digitalisierung für 220.000 Euro

Mit dem Austausch der Tafeln beginne für die Grundschule an der Birkenstraße – sie hat ab September elf Klassen mit 251 Schülern – das „Technologiezeitalter“, sagt Bürgermeisterin Elke Zehetner. Rund 220.000 Euro investiert die Stadt in Netzwerktechnik, Digitaltafeln, Wlan-Infrastruktur und Lehrer-Notebooks. 82.000 Euro davon übernimmt der Staat. Zuständig auf städtischer Seite sind Stefan Ahne und Michael Haberlander. „Für uns ist es das erste Projekt dieser Art“, sagt Ahne. Die Birkenstraße-Schule habe gute Voraussetzungen wegen ihrer Größe und des begeisterten Kollegiums. Aber auch die zwei anderen Penzberger Schulen, für die die Stadt zuständig ist, die Bürgermeister-Prandl-Grundschule und Mittelschule, würden sicher noch folgen.

Ab nächstem Schuljahr werden nun in allen Klassenzimmern an der Birkenstraße die „ActivPanels“ hängen. „Die Schüler haben aber nach wie vor Heft und Bleistift“, sagt Haberlander. Die Digital-Tafeln mit Touchscreen und Internetanschluss seien ein Hilfsmittel nur für die rund 20 Lehrkräfte. Ein wenig vermissen werde sie dann aber das Quietschen der Kreide, scherzt Schulleiterin Baier. Kein Problem, sagt Münzing von der Firma „Britnet“ lächelnd: „Das lässt sich bei den ActivPanels einstellen.“

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