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Streuobstwiese auf Gut Hub in Penzberg.

Aus den 200 Obstbäumen in Penzberg wird nichts - ein Mischwald als Alternative?

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Der Wunsch, in Penzberg 200 neue Obstbäume zu pflanzen, wird nicht erfüllt. Der Grund: Die Stadt hat nach eigenen Angaben nicht so viel geeignete freie Flächen in ihrem Besitz. Zudem sei die Pflege von Obstbäumen in dieser Zahl zu aufwändig, heißt es. Alternativ gibt es nun den Vorschlag, einen Mischwald zu pflanzen.

Penzberg – 200 Obstbäume sollen im Herbst 2019 in Penzberg gepflanzt werden – diesen Wunsch hatten im vergangenen März der Verein „Penzberg hilft“, die FLP-Stadtratsfraktion und der fraktionslose Markus Bocksberger in einem Antrag an die Stadt formuliert. Man wolle damit Lebensraum für Bienen, Wespen, Hummeln und Käfer schaffen und später die Obsternte bedürftigen Bürgern anbieten, hieß es. Die Stadt, so der Vorschlag, solle das Grundstück zur Verfügung stellen, der Kauf der Bäume würde wiederum über den Verein „Penzberg hilft“ laufen.

Der Penzberger Stadtrat befasste sich damit erstmals im vergangenen Mai. Deutlich wurde bereits damals, dass es nicht so einfach werden wird. Zumal die Stadt Penzberg zuvor schon 100 Laubbäume anlässlich des Stadt-Jubiläums pflanzen ließ. Der Stadtrat einigte sich im Mai aber darauf, potenzielle Flächen suchen zu lassen. Beauftragt wurden damit die Baumkontrolleurin Anita Suttner und Klimaschutzmanager Andreas Wowra, der auch für die städtische Grünordnung zuständig ist.

200 Obstbäume: Schwierig, geeignete Böden zu finden

Ernüchternd ist allerdings das Ergebnis, das Anita Suttner und Andreas Wowra vor kurzem vorlegten. „Ich tue mich schwer, so viele Bäume auf einmal zu pflanzen“, gestand Suttner. Schwierig sei es zum Beispiel, geeignete Böden zu finden. „Wenn der Standort schlecht ist, bekommen die Bäume Krankheiten.“ Für 200 Obstbäume, so Suttner, wären 20 000 bis 80 000 Quadratmeter nötig. Außerdem verwies sie darauf, dass Obstbäume über Jahre eine dauerhafte Pflege bräuchten. „Wir können das als Bauhof nicht leisten.“ Suttner erklärte, dass man schon jetzt bei Pflanzungen auf Bienen- und Insektenfreundlichkeit achte. Ihr Kompromissvorschlag: „Es müssen keine Obstbäume sein, vielleicht kann in einem Projekt auf der Berghalde ein Wald geschaffen werden.“ Kleine Bäume, die zu einem Mischwald werden, zum Beispiel Eichen, Ahorn und Robinien, so Suttner. Für 2700 Laubbäume, rechnete sie vor, wären 5500 Quadratmeter nötig. „Das wäre eine schöne Sache“, fügte sie an.

200 Obstbäume: Meisten Flächen auf Gut Hub noch verpachtet

Rathaus-Mitarbeiter Wowra legte zudem das Ergebnis seiner Obstbaum-Standortsuche vor. Auf städtischen Grundstücken stünde demnach im Herbst 2019 Platz für 101 neue Obstbäume zur Verfügung, davon allein 63 auf der als „Sonnenacker“ gedachten Fläche hinter der Remise auf Gut Hub. Wowra listete zwar noch weitere Standorte für rund 500 Obstbäume auf, die meisten davon auf Gut Hub. Diese Flächen, sagte er, seien aber alle bis Ende 2022 verpachtet. Die Berghalde fiel ihm zufolge wegen der „bereits bestehenden hohen ökologischen Wertigkeit“ und der zu nassen Böden für Obstbäume durch.

Das Rathaus zitierte zugleich ein Schreiben von Karin Mende, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins. Die Pflanzung von 200 Bäumen sei eine gute Sache, doch nicht nur Obstbäume seien ein Gewinn für Bürger, Artenvielfalt und Klima, hieß es. Auch darin war die Rede, alternativ einen Wald zum Beispiel mit Walnuss, Ahorn, Eberesche und Weide zu pflanzen, die weit weniger Pflege als eine Streuobstwiese bedürfen.

Gemischte Reaktionen im Stadtrat: Enttäuschung und Verständnis

Die Reaktionen waren in der jüngsten Stadtratssitzung gemischt. Verständnis zeigten BfP-Fraktionschef Armin Jab („Der Antrag war gut gemeint“) und Grünen-Stadtrat Johannes Bauer, der selbst 70 Obstbäume im Garten hat. „Wenn man sie nicht schneiden und pflegen kann, ist es schade, wenn man sie pflanzt.“ Der Bauhof, sagte Bauer, habe genug Arbeit mit den „bestehenden Obstbäumen, die in Trockenperioden Stressmerkmale zeigen“.

Enttäuscht reagierten Michael Kühberger (FLP) und der Markus Bocksberger. Sie wunderten sich, dass auch der Ex-Standortvorschlag für ein Hotel als verpachtet genannt wurde. Außerdem erklärte Bocksberger, dass die Zahl von 200 Obstbäumen nicht sofort, sondern irgendwann als Gemeinschaftsaktion erreicht werden sollte.

Jack Eberl (FLP) machte am Ende einen Schlussstrich. „Wir kommen heute nicht weiter, wir ziehen den Antrag zurück“, erklärte er. Man wolle den Vorschlag von Anita Suttner, statt Obstbäume einen Wald zu pflanzen, erst besprechen. Die Stadt forderte er auf, beim Bayerischen Staatsforst wegen der Berghalde nachzufragen. Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) versicherte, man werde prüfen, ob der Forst ein Gelände auf der Berghalde zur Verfügung stellen würde.

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