Planskizze aus dem Bauprojekt an der Birkenstraße in Penzberg.
+
Entwurf frei gegeben: Die Fassade der sieben viergeschossigen Baukörper werden mit grauem Holz verkleidet werden. Durch farbige Markisen sollen die Gebäude freundlich wirken. Die Gärten im Erdgeschoss werden allen Bewohnern zur Verfügung stehen.

Neubauten in Penzberg

Bau-Projekt Birkenstraße fünf Millionen Euro teurer

  • Franziska Seliger
    vonFranziska Seliger
    schließen

Das Wohnbauprojekt der Stadt Penzberg an der Birkenstraße West wird um rund fünf Millionen Euro teurer als geschätzt. Für Diskussionen in der jüngsten Stadtratssitzung sorgten aber nicht diese Mehrkosten, sondern der plötzliche Wunsch nach Umplanungen.

  • 117 barrierefreie Wohnungen sollen auf einem Areal an der Birkenstraße entstehen.
  • In der jüngsten Stadtratssitzung wurde über mögliche Umplanungen diskutiert.
  • Berichtet wurde auch über eine Steigerung bei den Gesamtkosten.

Penzberg – 171 barrierefreie Wohnungen sollen auf rund 18.000 Quadratmeter großen Areal an der Birkenstraße in Penzberg entstehen. Bauherr ist die Stadt Penzberg. Eine erste Kostenschätzung ging von Gesamtkosten für das Projekt in Höhe von knapp 49 Millionen Euro aus. Doch die exakte Kostenberechnung, die die zuständigen Planer des Büros H2M Architekten in München den Stadträten nun in ihrer Feriensitzung vorlegten, nannte eine Summe von über 53 Millionen Euro.

Dass zwischen einer ersten Kostenschätzung und der späteren Kostenberechnung eine Lücke klaffe, sei nichts Ungewöhnliches, betonte Bürgermeister Stefan Korpan (CSU). Immerhin handele es sich bei einer Kostenschätzung um eine „schwammige Zahl“. Um sich für derartige Kostensteigerungen in Zukunft aber nicht mehr rechtfertigen zu müssen regte er an, Kostenschätzungen künftig nur noch nicht-öffentlich zu nennen.

Birkenstraße: Gesamtkosten steigen auf 53 Millionen Euro

Doch dieser Vorschlag blieb in der Sitzung eine Randnotiz. Dominiert wurde die Debatte um die Freigabe der Entwurfsplanung nämlich nicht etwa von den Kosten für das Projekt, sondern von einem Vorschlag von Kerstin Engel (Grüne): Nachdem die Planer die Planungen für die insgesamt sieben Baukörper, die viergeschossig auf dem Areal entstehen sollen und überwiegend Zwei- und Dreizimmerwohnungen Platz bieten sollen, detailliert erläutert hatte, kritisierte die Fraktionssprecherin der Grünen die Planung der Wohnblöcke als zu dicht.

Da die Gebäude auf einem Hanggrundstück errichtet werden sollen, ragen die geplanten Tiefgaragen deutlich sichtbar hervor – für Engel viel zu deutlich. Das erwecke den Eindruck, als wären die Gebäude nicht vier-, sondern fünfgeschossig. „Es entstehen deutliche Häuserblock-Schluchten“, monierte Engel.

Birkenstraße: Wunsch nach Umplanungen

Auch angesichts der ihrer Ansicht nach nicht ausreichenden Zahl an Stellplätzen schlug Engel vor, das nördlich der Wölflstraße gelegene Grundstück in die Planungen mit ein zu beziehen, dadurch die Bebauung zu entzerren und „Freiraum zu schaffen für Begegnung“. Ansonsten befürchtet die Grünen-Politikerin soziale Spannungen. Würde man etwa eines der sieben Häusermodule mit 16 Wohnungen auf das gegenüberliegende Grundstück verlegen, könnten auf dem ursprünglichen Bau-Areal mehr Grünflächen geschaffen werden, so Engel. Kämmerer Johann Blank riet von dieser Idee ab: Unter anderem deshalb, weil Umplanungen in der jetzigen Projekt-Phase zu Problemen mit der Regierung von Oberbayern bezüglich der Zuschüsse führen könnten.

Stadtbaumeister Justus Klement versicherte, Begegnungsflächen für die Bewohner würden geschaffen; unter anderem in Form so genannter „Indoor-Begegnungsräume“. Natürlich werde das Areal recht dicht bebaut, räumte Klement ein. Die angelegten Wege zwischen den Gebäuden würden aber Platz für Begegnung bieten. Auf den Dächern der Tiefgaragen sollen zudem Grünflächen sowie Spielmöglichkeiten für Kinder geschaffen werden, so die Planer. Hardi Lenk (SPD) war irritierte von Engels Umplanungswünschen. Immerhin arbeite man schon seit Jahren an dem Projekt, und bei allen Schritten sei der Stadtrat sehr gut mitgenommen worden. „Bitte bleiben wir dabei. Wir sind so auf einem guten Weg.“

171 barrierefreie Wohnungen sollen im neuen Viertel entstehen. Die Erschließung hat bereits begonnen.

Doch während die Planer das Wohnquartier durch seine geplante Hybridbauweise als „Vorreiter-Projekt“ im Bereich des ökologischen Bauens bezeichneten, bei dem nachhaltige Materialien verwendet werden sollen, ist es John-Christian Eilert (Grüne) aus ökologischer Sicht nicht ehrgeizig genug. „So ein großes Bauprojekt hat die Stadt nicht alle Tage. Da hätte ich mir mehr Ambitionen gewünscht“, sagte Eilert. Schließlich stimmten er, Kerstin Engel und Katharina von Platen (Grüne) gegen die Freigabe des Entwurfs samt Kostenberechnung.

Mit ein Grund für die höhere Kostenberechnung gegenüber der Schätzung sind laut Planer die unterschiedlichen Höhen-Niveau auf dem Gelände. Sie machen für die Tiefgaragen-Zufahrten mehrere Rampenbauwerke notwendig. Um mögliche Preissteigerungen zu berücksichtigten, rieten die Experten außerdem dazu, einen Risikopuffer von etwa 1,4 Millionen Euro (drei Prozent) einzuplanen. Das war dem Stadtrat zu wenig. Er setzte den Puffer mit fünf Prozent an. Sollte bis Jahresende die Baugenehmigung vorliegen, könnte Baubeginn für die erste Gebäudezeile im Sommer nächsten Jahres sein.

Auch interessant

Kommentare