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„Baurecht vor Baumrecht“: Neben dem ehemaligen Metropol-Kino sollen Birken gefällt werden, um Platz für die Musikschul-Baustelle zu schaffen.

Bürgermeisterin nimmt Stellung zu Protest der Naturschützer

Baumfällungen: Stadt Penzberg sieht „keine andere Möglichkeit“

Mehrere Bäume sollen gefällt werden, wenn das einstige Metropol-Kino im nächsten Jahr zur Städtischen Musikschule umgebaut wird. Während Naturschützer protestieren, verteidigt die Stadt diese Entscheidung.

Penzberg– Insgesamt handelt es sich um vier Birken am Schwadergraben, die an der Westseite des Gebäudes im Zuge der Baustellen-Einrichtung gefällt werden sollen. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Bauausschuss in seiner Sitzung im April mehrheitlich gefasst. Begründet wird die Fällung damit, dass während der Baustelle der Anwohnerverkehr aufrecht erhalten werden solle. Außerdem soll der Platz als Standort für den Kran dienen.

Nach der Berichterstattung über diese geplanten Baumfällungen habe sie zahlreiche Anfragen von Bürgern bekommen, die wissen wollten, ob die Fällung für eine vorübergehende Baustelle wirklich unvermeidlich ist, so Hannelore Jaresch. In einem Schreiben an den Stadtrat und Stadtbaumeister Justus Klement, das unserer Zeitung vorliegt, weist die Vorsitzende des Bund Naturschutz/Ortsgruppe Penzberg darauf hin, dass drei der Bäume laut Informationen der städtischen Baukontolleurin gesund seien. „Die Birkenallee am Schwadergraben ist für Penzberg stadtbildprägend“, betont Jaresch. Deshalb seien die Bäume auch immer wieder aufgeforstet worden.

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Jaresch verweist auf die Bedeutung der Bäume für den Klimaschutz: „Sie speichern CO2, verbessern die Luftqualität, indem sie Feinstaub binden, und sie kühlen durch ihren Schatten und die Abgabe von Feuchtigkeit die Innenstadt.“ In einer Zeit der Klima-Erwärmung sollte alles getan werden, um vitale Bäume mit ihren lebenswichtigen Funktionen in der Stadt zu erhalten, appelliert Jaresch und bittet die Verantwortlichen, „nochmals eingehend zu prüfen“, ob man die Baustellenplanung nicht ändern und die gesunden Birken erhalten könne.

Dies geht laut Bürgermeisterin Elke Zehetner nicht. „Es gibt keine andere Möglichkeit“, als die Bäume zu fällen, betont Zehetner. Und: „Wir müssen die Musikschule jetzt auf den Weg bringen.“

Leiter der Musikschule Penzberg: „Wir warten seit 30 Jahren auf ein eigenes Haus“ 

Auch der Leiter der Städtischen Musikschule, Johannes Meyer, dringt nachdrücklich auf den Beginn der Baumaßnahmen, denn: „Wir warten seit 30 Jahren auf ein eigenes Haus.“ Seit 2005 werde über das Projekt konkret diskutiert. Seit knapp einem halben Jahr sei bekannt, dass die Bäume gefällt werden sollen. „Da war genug Zeit, Einsprüche dagegen zu erheben“, so Meyer. Im Stadtgebiet gebe es unzählige Birken. Dass man sich da auf diese Birken fokussiere, könne er nicht verstehen. Zudem habe die Stadt gerade erst anlässlich ihres Jubiläums 100 neue Bäume pflanzen lassen.

Darauf weist auch Zehetner hin. Außerdem habe der Bauausschuss im April nicht nur die Fällung der Birken, sondern auch Ersatzpflanzungen für sie beschlossen. „Die wird es geben“, verspricht Zehetner.

Jaresch verweist jedoch darauf, dass Neupflanzungen, wie sie die Stadt im Zuge der Fällungen plane, erst nach vielen Jahren einen gleichwertigen Ausgleich zu großen Bäumen herstellen – also beispielsweise erst dann in gleichem Maße wie der alte Baumbestand CO2 speichern könnten. Zehetner kann den Naturschutzgedanken zwar nachvollziehen. Gefällt werden sollen die Birken trotzdem. Denn angesichts der Dringlichkeit des Projekts, durch das etwa 830 Musikschüler und rund 30 Lehrer endlich ein eigenes musikalisches Zuhause finden sollen, geht für sie „Baurecht vor Baumrecht.“

Franziska Seliger

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