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Bayern-Premiere: „Feuerwehr“ als Schulfach - Penzberger Kinder haben Retten und Löschen auf dem Stundenplan

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Von: Wolfgang Schörner

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Mit dem Feuerlöscher den Brand im Keim ersticken: Das üben hier die Mittelschüler, die jeden Mittwochnachmittag bei der Penzberger Feuerwehr in die Schule gehen; rechts Feuerwehrmann Thomas Kapfer-Arrington.
Mit dem Feuerlöscher den Brand im Keim ersticken: Das üben hier die Mittelschüler, die jeden Mittwochnachmittag bei der Penzberger Feuerwehr in die Schule gehen; rechts Feuerwehrmann Thomas Kapfer-Arrington. © Wolfgang Schörner

Neben Fächern wie Mathematik und Deutsch hat ein halbes Dutzend Penzberger Mittelschüler seit Sommer auch „Feuerwehr“ auf dem Stundenplan stehen. Einmal in der Woche wird für die Kinder das Penzberger Feuerwehrhaus zum Klassenzimmer. Feuerwehr und Mittelschule in Penzberg haben das Wahlfach erfunden – bayernweit vermutlich eine Premiere.

Penzberg – Sechs Mittelschüler stehen am Mittwochnachmittag auf dem Hof des Penzberger Feuerwehrhauses, alle mit Helm, Schutzanzug und Stiefeln. „Hier lernt man unter anderem, wie die Notrufnummer der Feuerwehr heißt“, erklärt Feuerwehrmann Thomas Kapfer-Arrington den Zuschauern, die die ungewöhnliche Unterrichtsstunde verfolgen. Die Antwort folgt auf den Fuß: „112“, rufen die Fünft- und Sechstklässler. „Da habt ihr vielen Menschen etwas voraus“, lobt Kapfer-Arrington.

Dann wird es spannend. Die Mittelschüler haben zuvor gelernt, dass Rauch heißer als Feuer sein kann, dass es verschiedene Brandarten gibt, zum Beispiel Holz-, Fett- und Benzinbrände, und unterschiedliche Feuerlöscher. Nun dürfen sie selbst einen Brand löschen, der auf einer Art Rost entzündet wird. Ein Schüler nach dem anderen greift zum Feuerlöscher.

Feuerwehr als Schulfach: Eine Gruppe von Penzberger Mittelschülern macht den Anfang

So sieht eine Unterrichtsstunde im Wahlfach „Feuerwehr“ aus. Seit Beginn des Schuljahres steht es für sieben Mittelschüler auf dem Stundenplan. Diese Woche wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die normale „Brandschutzerziehung“ ist nichts Neues: Die Penzberger Feuerwehr kommt, wenn gewünscht, in die Grundschulen und Kindergärten, neuerdings auch in die weiterführenden Schulen, um über Brandschutz zu erzählen. Neu ist allerdings, dass die Penzberger Feuerwehr seit September „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ als Unterrichtsfach anbietet, jede Woche eineinhalb Stunden, ein halbes Schuljahr lang für die erste Gruppe. Danach folgt die nächste. Offiziell heißt das Angebot „Arbeitsgemeinschaft Feuerwehr“. Kommandant Christian Abt gefällt aber das Wort „Wahlfach“ besser.

Penzberger Kommandant und Mittelschulleiter haben die Idee geboren

Die Idee hatte Abt zusammen mit dem Leiter der Mittelschule, Michael Zwick, geboren, bei einem Gespräch im Sommer. Das Wahlfach ist offenbar einzigartig in Bayern. Man habe beim Landesfeuerwehrverband nachgefragt, erzählt Kapfer-Arrington. Dort sei keine andere Kommune bekannt, in der es so etwas gibt. Kreisbrandrat Rüdiger Sobotta bestätigt das. Als Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbands kenne er zumindest in Oberbayern kein vergleichbares Projekt.

Schüler Maxim über das neue Fach: „Feuerwehr ist cool“

Die Kinder seien „total neugierig, offen und wissbegierig“, erzählt Kapfer-Arrington, der in einem sechsköpfigen Team quasi als „Feuerwehr-Lehrer“ fungiert. „Es macht sehr viel Spaß“, bestätigt der zehnjährige Severin. „Ich mag es, Leuten zu helfen.“ Später wolle er mal zur Feuerwehr gehen, erzählt Severin. „Es ist cool“, sagt auch Yaaqub über den etwas anderen Unterricht. Dem Zehnjährigen hat das Löschen am meisten Spaß gemacht. Auch Maxim, 10, fand das toll. Beeindruckt war er aber ebenso von der Atemschutzübungsstrecke, durch die er schon drei Mal gekrochen ist. Das sei spannend, aber anstrengend, berichtet er und fügt an: „Feuerwehr ist cool.“

Feuerwehr hofft, dass das Beispiel Schule macht - vielleicht auch bayernweit

Begeistert von dem Projekt ist Rektor Michael Zwick. Er spricht von einem Riesengewinn. Es sei ein „wahnsinnig nachhaltiges Lernen“. Ihn freut auch, dass die Mittelschule auf diese Weise in die kommunale Struktur eingebunden wird und zugleich etwas zurückgeben kann, wenn Schüler später mal zur Feuerwehr gehen. Zwick würde das Projekt gern auf weitere Jahrgangsstufen ausdehnen. Andere Schüler hätten schon gefragt, ob sie das auch machen dürften.

Für die Feuerwehr selbst ist es zum einen wichtig, dass die Kinder lernen, wie sie sich im Brandfall verhalten müssen. Zum anderen hofft sie, damit Nachwuchs zu bekommen. Es sei eine sehr produktive Art der Mitgliederwerbung, bestätigt Kreisbrandrat Sobotta. Wobei die Penzberger Feuerwehr da ohnehin sehr agil sei, fügt er an. Unterstützt wird das Projekt auch von Bürgermeister Stefan Korpan. Es sei wichtig, junge Leute zu begeistern und für die Feuerwehr zu gewinnen, sagt er.

Wäre das Wahlfach „Feuerwehr“ auch für Realschule und Gymnasium denkbar? Es gebe noch keine Gespräche, möglich sei aber alles, sagt Kommandant Abt. „Feuerwehr-Lehrer“ Kapfer-Arrington hofft jedenfalls, dass das Beispiel Schule macht – vielleicht auch bayernweit.

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