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Helden des Alltags: Die drei Realschüler Timo Soyer (15), Luis Kägeler (16) und Samuel Lorenz (15) haben einem verwundeten Mann in Penzberg das Leben gerettet. Sie waren einer Blutspur in den Wald gefolgt und alarmierten sofort die Rettungskräfte.

Die Lebensretter von Penzberg

Schock auf dem Heimweg: Schüler folgen Blutspur - das rettet einem Mann das Leben

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Auf dem Rückweg vom Sportunterricht stoßen drei Jugendliche in Penzberg auf eine Blutspur. Sie folgen ihr und finden einen schwer verletzten Mann im Wald. Ohne ihre Hilfe wäre er wohl verblutet.

Penzberg – Im Sportunterricht der Klasse 10b der Heinrich-Campendonk-Realschule in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) ist am Donnerstag nicht viel los. „Wir waren nur zu sechst, weil ein Teil von uns gerade auf Abschlussfahrt ist“, erinnert sich der 15-jährige Samuel Lorenz. Er und seine Mitschüler werfen ein paar Basketball-Körbe, ehe ihr Lehrer sie wegen der schmalen Besetzung 20 Minuten früher gehen lässt als sonst. Dass dadurch ein Leben gerettet wird, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Penzberg: Schüler folgen Blutspur - und retten Mann das Leben

Samuel Lorenz macht sich also gegen 13 Uhr auf den Rückweg vom Nonnenwaldstadion in Richtung Bushaltestelle an der Realschule, um heim ins nahe Beuerberg zu fahren. Seine beide Penzberger Spezln Timo Soyer (15) und Luis Kägeler (16) begleiten ihn. Die Route führt an einem Waldstück entlang, vorbei an einer Gartenbaufirma. Auf diesem Weg stoßen die drei Schüler plötzlich auf eine Blutspur.

„Erst waren es ein paar Tropfen, dann richtige Lachen“, sagt Samuel Lorenz. Zuerst denken sich die drei dabei noch nicht viel. „Wir haben gerätselt, ob das Kunstblut ist oder ob es von einem Tier stammt.“ Doch dann kommen zwei Passanten vorbei und berichten, dass sie im Wald einen Mann gesehen hätten, der möglicherweise verletzt sein könnte. „Da habe ich sofort die Polizei gerufen“, sagt Samuel Lorenz.

Penzberg: „Erst waren es Tropfen, dann richtige Lachen“

Die drei Schüler grübeln noch, ob sie der Blutspur wirklich in den Wald folgen sollen. Doch dann entscheiden sie: Was, wenn jemand wirklich Hilfe braucht? Also machen sie sich auf die Suche – aber nicht ohne vorher auszumachen, dass sich niemand alleine nähert, wenn sie den Mann finden.

Und tatsächlich: Sie finden ihn. Er sitzt am Fuße einer tiefen Böschung, die er offenbar hinabgestürzt ist, im nassen Gras. Der Mann ist ansprechbar, blutet aber stark am Bein. Zwei Mitarbeiter der Gartenbaufirma stoßen zu dem Schüler-Trio. Sie vermissen ihren Kollegen, der aus der Mittagspause nicht mehr zurückgekehrt ist. Samuel Lorenz ruft noch mal bei der Polizei an und bittet auch um einen Rettungswagen, der dann wenig später eintrifft. Die Retter binden sofort das Bein des Verwundeten ab, er wird ins Krankenhaus gebracht.

Penzberg: Ohne Zivilcourage wäre das Opfer wohl verblutet

„Ohne die Zivilcourage der drei Burschen wäre der Mann wohl verblutet“, sagt Johann Eder von der Penzberger Polizei einen Tag nach der Rettungstat. Laut Polizei hatte sich der 58-Jährige wenige Tage zuvor mit der Motorsäge ins Bein geschnitten. Die Wunde war wieder aufgeplatzt, davon war der Mann offenbar so geschockt, dass er ziel- und planlos umherirrte und schließlich die Böschung hinabstürzte. Der 58-Jährige arbeitet erst seit Kurzem bei der Gartenbaufirma und hatte den Unfall verheimlicht, möglicherweise aus Angst um seinen Arbeitsplatz.

Lebensretter von Penzberg: Schüler von Polizei gelobt

Eder lobt den Einsatz der drei Jugendlichen in höchsten Tönen. „Ohne sie hätten wir den Mann womöglich nicht gefunden. Das ist nicht selbstverständlich, dass sich drei so junge Burschen in so einem Fall zu Hilfe eilen.“ Vielleicht sind die drei ja sogar ein Fall für die Christophorus-Medaille, die der Freistaat an Lebensretter verleiht? „Für mich hätten sie es verdient“, sagt Johann Eder.

Weniger Glück als der Mann in Penzberg hatte ein Arbeiter im Landkreis Rottal-Inn: Der Lagerist fiel in ein Getreidesilo und konnte nur noch tot geborgen werden.

Noch nicht aufgelöst ist ein Vorfall, der ebenfalls in Bayern stattgefunden hat: Ein Schüler lag stark blutend auf der Straße und ist tot.

Ein 16-Jähriger aus Traunreut rettete kürzlich zwei Jugendlichen im Alter von vierzehn und neunzehn Jahren durch Glück das Leben - und das auch noch an seinem Geburtstag. 

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