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Angenagt: Ein Biber hat hier bei Benediktbeuern einen Baum bearbeitet.

Biber in Penzberg - wo sie nagen, wo sie Probleme bereiten und wo sie gerettet werden müssen

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Fast ein Dutzend Biber gibt es mittlerweile in Penzberg, die meisten im Bereich der Loisach. Andere fühlen sich an den Stadtbächen wohl. „Penzberg ist für den Biber ein Paradies“, sagt Biberbeauftragte Walter Heußler. An einigen Orten bereitet der fleißige Nager jedoch Probleme. Es gab aber auch schon Biber-Rettungen.

Penzberg – Walter Heußler befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit Bibern. Er erzählt in Schulen von dem Nager, von seinem dichten Fell, seinen Biberbauten, von einem perfekten Schwimmer und unermüdlichen Arbeiter. Ist er ein Biberfreund geworden? Ja, antwortet Walter Heußler. Der Penzberger ist seit Anfang 2007 Biberbeauftragter des Landkreises. Er war damals der erste, momentan gibt es fünf Biberbeauftragte. In der Natur sei der Biber „unwahrscheinlich positiv“, sagt Walter Heußler. Er sei ein „wertvoller Mitarbeiter der Natur“, er schaffe Lebensräume auch für andere Tiere. Wenn er zum Beispiel Bäume umlegt und sich dort der Eisvogel ansiedeln kann. „Er renaturiert.“

Die meisten Penzberger Biber sind an der Loisach

Die Rückkehr des Bibers, der in Deutschland schon einmal ausgerottet war, bereitet allerdings an manchen Orten Probleme. „Die Biber sind zurück, aber nicht zur Freude aller Menschen“, bestätigt Heußler. Er geht momentan von „neun bis elf Bibern“ in Penzberg aus, allein fünf davon im Bereich der Loisach, zum Beispiel bei Schönmühl, wo er ihm zufolge keine Probleme bereitet. Ein Teil der Biber hat sich im Stadtgebiet an den Bächen niedergelassen, etwa nahe Schwimmbad und Tennishalle. „Da hat er seine Ruhe, da kann er hausen“, sagt Heußler.

Am Fischhaberberg war ein Biber allerdings im vergangenen Jahr drauf und dran, in einem Garten einen großen alten Apfelbaum zu fällen, der – so die Befürchtung – auf ein Wohnhaus hätte fallen können. Damals riet Heußler zu einem Elektrozaun zur Bachböschung. Ein anderer Biber hatte schon einmal am Breunetsrieder Weg die Terrasse eines Wohnhauses untergraben.

Biber unterminierte Brücke in Maxkron

Walter Heußler berichtet auch von einem Fall am Eitzenberger Weiher, eigentlich weit weg von Wohngebieten. Dort habe ein Biber die Kontrollschächte der Münchner Wasserleitung unter Wasser gesetzt. Ihm zufolge wurde ein Biberzaun angebracht, ähnlich einem Weidezaun, nur engmaschiger. Am Reindlweiher habe ein Nager das Ablaufbauwerk blockiert. Und beim Zwinkweiher droht ein Biber den Damm zu unterminieren. Genau dies geschah schon einmal bei einer Brücke in Maxkron nahe der Pumpwerk-Ruine.

Jungbiber auf Wanderschaft: Es gibt immer wieder Unfälle

Auch von Verkehrsunfällen berichtet der Biberbeauftragte. Das kommt daher, dass Jungbiber nach etwa zweieinhalb Jahren ihre Burg verlassen („Da ist nix mit Hotel Mama“) und ein eigenes Revier suchen müssen. Auf dieser Suche kann es sein, dass sie Straßen überqueren. Auf der B472 im Bereich zwischen Sindelsdorf und Söchering, so Heußler, seien vergangenes Jahr sieben Biber überfahren worden. Was bei einem ausgewachsenen Tier auch für den Autofahrer gefährlich werden kann.

Erst vor kurzem hatte Walter Heußler – er ist auch Jäger und Naturschutzwächter – im Penzberger Stadtrat über die Biber-Situation berichtet. Er schätzt, dass Nager an Gewässern dritter Ordnung wie Säubach und Schwadergraben bislang Schäden von mehr als 100 000 Euro verursacht haben, ein Betrag, den die Stadt zum Beispiel für Reparaturen und Prävention aufwenden musste. Man müsse im Einzelfall abwägen, ob man einen Biber (er ist durch EU-Recht besonders geschützt) belassen kann, so Heußler. Es sei ein Spagat. Er spricht als eine Möglichkeit von „vergrämen“, also vertreiben, was zwar gelingen kann. „Aber nach drei, vier Monaten kommt der nächste, wenn das Revier leer ist.“ Und er spricht von „aus der Natur entnehmen“. Was nichts anderes als fangen oder erschießen bedeutet. So etwas kann ihm zufolge nötig sein, wenn Menschen gefährdet sind. Darüber würde im Landratsamt beraten. In Penzberg gab es laut Heußler so einen Fall aber noch nie.

Biber-Rettungen gab es allerdings schon. Immer wieder zieht es Tiere durch eine Röhre ins Becken des Loisachkraftwerks bei Schönmühl. Fünf bis sechs Mal geschehe das im Jahr, so Heußler. Die Tiere würden dann aus dem Becken gefischt. „Kein leichtes Unterfangen.“

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