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Der Abriss des Wellenbads ist umstritten. An dessen Stelle soll ein neues Hallenbad entstehen  - ohne Wellenbetrieb.

Penzbergs Bürgermeisterin im Interview

Zehetner: „Das ist ein Wermutstropfen“

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Penzberg – Auf Penzberg kommt in nächster Zeit einiges zu. Bürgermeisterin Elke Zehetner spricht zum Jahreswechsel im Interview über Großbaustellen, ihre Prioritäten und einen Steuerbescheid.

Frau Zehetner, es war ein Jahr des Spotts: erst der Esel-Brunnen, dann die unendliche Stadthallen-Baustelle. Trifft Sie der Spott?

Natürlich nehme ich die Kritik ernst. Es wäre schlimm, wenn dem nicht so wäre. Aber jetzt bin ich sehr froh, dass der Wasserträger steht und sich die Bevölkerung daran erfreut. Und dass die Stadthalle der Bevölkerung am 1. Mai 2017 zusammen mit dem Geschenk eines Maibaums zurückgegeben wird.

Zur Stadthalle: Sie haben sich auf den 1. Mai als Eröffnungstermin festgelegt. Klappt das wirklich?

Da bin ich mir ganz sicher. Wahrscheinlich wird, wie bei so vielen Baustellen, am Morgen noch der letzte Staub gewischt, aber die Stadthalle wird am 1. Mai eröffnet.

Eine Großbaustelle wäre damit abgeschlossen. Die nächste ist in Sicht: das neue Hallenbad. Was passiert da im Jahr 2017?

Es werden die Planungsarbeiten und die Ausschreibung der Arbeiten erfolgen. Mitte 2018 wird das Wellenbad abgerissen und im Oktober 2020 das neue Bad eröffnet.

Für den Schwimmunterricht müssen die Schüler wohl nach Weilheim oder Geretsried ausweichen

Das heißt aber, dass Vereine wie die Schwimmgemeinschaft und dass die Schulen über zwei Jahre lang kein Hallenbad haben. Wo sollen die hin?

Das ist natürlich ein sehr großer Wermutstropfen. Es ist auch wenig hilfreich, wenn ich darauf verweise, dass nicht jede Kommune ein Schwimmbad hat. Für den Sommer kann ich nur hoffen, dass er heiß wird, damit die Kinder im Huber Weiher und im Eitzenberger Weiher zum Schwimmen gehen können. Beim Schwimmverein müssen wir uns zusammen mit den Nachbargemeinden aushelfen. Denn den Schwimmsport zwei Jahre und vier Monate einzustellen, geht nicht. Da müssen wir miteinander eine Lösung suchen.

Und was ist mit den Schulen? Dort ist Schwimmunterricht Pflicht.

Wir müssen schauen, inwieweit Kapazitäten zum Beispiel in Weilheim oder Geretsried vorhanden sind. Ich kann nur sagen: Wir werden unser Möglichstes tun.

Wieso lässt die Stadt das Wellenbad nicht stehen? Es funktioniert doch.

Alle Fachleute sind sich da einig: Das Bad ist 40 Jahre alt, das Dachtragwerk ist auf absehbare Zeit nicht mehr tragfähig. Die Technik bis hin zu den Kassenautomaten ist veraltet. Das Bad hat Defizite beim vorbeugenden Brandschutz. Wir müssen, obwohl wir das Wellenbad abreißen, jetzt sogar noch Geld hineinstecken. Der TÜV würde heute auch die Sprungtürme nicht mehr abnehmen – die Wassertiefe und die Deckenhöhe sind zu gering. Seit zehn Jahren werden außerdem die Energieverluste größer und größer. Die warme Luft bleibt nicht, wo sie sein sollte: im Wellenbad. Energiekosten im sechsstelligen Euro-Bereich durch die Wände zu blasen, geht nicht. Und an dem Bad herumzudoktern wäre nur Flickwerk.

Kritik setzte es auch, weil es keinen Wellenbetrieb mehr geben soll. Was sagen Sie den Leuten?

Die Investition von insgesamt zwölf Millionen Euro würde durch den Wellenbetrieb laut Kostenschätzung um 1,5 Millionen Euro erhöht. Aber es geht um etwa anderes: um den Energieverbrauch. Allein die Stromkosten für den Wellenbetrieb würden rund 30 000 bis 35 000 Euro im Jahr betragen. Stadtwerke und Verwaltungsrat sind der Überzeugung, dass man sich das in der heutigen Zeit nicht mehr erlauben kann.

Das sind die Schwerpunkte für das Jahr 2017 

Ein Blick ins nächste Jahr: Was werden für Sie 2017 die Prioritäten sein?

Der Wohnungsbau: an der Birkenstraße, an der Mathias-Flurl-Straße und an der Gustavstraße. Nächstes Jahr stehen zudem der Kindergarten-Anbau ans „Spatzennest“ und der Kindergarten-Neubau bei der Christkönigskirche an. Und es geht um eine Lösung für das städtische Altenheim, entweder ein Anbau oder ein Neubau in der Gartenstraße oder an anderer Stelle.

Die Mietpreise auf dem freien Markt in Penzberg sind hoch, Eigentum ist teuer. Glauben Sie, dass man so Druck aus dem Kessel nehmen kann?

Bei den aufgezählten Projekten haben wir die beste Mischung, die man erwarten kann. An der Saalangerstraße hat die Wohnbau Weilheim bereits 2016 acht Wohnungen für das mittlere Mietpreissegment gebaut. An der Gustavstraße entstehen Sozialwohnungen. An der Mathias-Flurl-Straße werden es genossenschaftliche Wohnungen...

...die aber nicht ganz günstig sind.

Ja, mag sein. Aber die Nachfrage ist sehr groß. Und an der Birkenstraße haben wir als Stadt alles vor: vom sozialen Wohnungsbau über Mietwohnungen fürs mittlere und hohe Preissegment bis zum Reihen- und Einfamilienhaus. Allein für die Birkenstraße haben wir schon über 100 Anfragen.

Das kommende Jahr könnte der Stadt finanzielle Probleme bereiten 

2017 könnte es plötzlich aber auch zappenduster werden, wenn ein Steuerbescheid ins Haus flattert: die Gewerbesteuer-Rückzahlung an Roche. Im schlimmsten Fall geht es um 48 Millionen Euro inklusive Zinsen. Als Datum hieß es 1. April. Ihre Prognose?

Wenn ich mich auf die Prognose unseres Stadtkämmerers verlassen darf, dann passiert nächstes Jahr noch nichts. Leider, denn wir zahlen sechs Prozent Zinsen. Der Betrag wächst also jedes weitere Jahr um 1,94 Millionen Euro. Das tut uns weh.

Ist die Stadt Penzberg trotzdem gewappnet – sie greift 2017 immerhin tief in die Rücklagen?

Ja, unsere Haushaltsplanung ist vorsichtig. Und ich gehe davon aus, dass der Landkreis uns im Notfall einen Kassenkredit erlaubt, um die Steuerschuld zu begleichen, obwohl wir keine Beitragssatzung für den Straßenausbau beschlossen haben.

Sie glauben, das Landratsamt lässt da mit sich reden?

Da bin ich sicher. Es kann nicht sein, dass uns bei den heutigen Zinsen die Zwischenfinanzierung nicht gestattet wird und wir Grundstücke verkaufen müssen.

Die Lichter in Penzberg gehen nicht aus?

Nein, ich will da die Bürger ganz klar beruhigen. Es wird keine Horrorszenarien geben.

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