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Statt Bundespolitik: Mit diesem Plakat versuchte Klaus Adler um 1980 einen Ortsverband in Penzberg zu gründen – ohne Resonanz. Erst 1984 klappte es.

Grünen-Bundesverband wurde 1980 gegründet

Grüne feiern 40-Jähriges in Berlin - ein Penzberger ist als „Dienstältester“ unter den Promis

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Seit 40 Jahren gibt es den Bundesverband der Grünen. Feiern wird er das am Freitag in Berlin mit allerlei Prominenz. Unter den rund 300 geladenen Gäste ist auch ein Penzberger: Klaus Adler – als „dienstältestes Mitglied“ in Deutschland. Er ist schon länger dabei, als es die Bundes-Grünen gibt.

Penzberg – „Um es zurückhaltend auszudrücken: Ich freue mich ziemlich, dabei zu sein“, sagt Klaus Adler. Der 71-jährige Penzberger gehört zu den rund 300 geladenen Gästen, wenn die Bundes-Grünen am 10. Januar in einem erlesenen Kreis ihren 40. Geburtstag feiern, und zwar im „Motorwerk“, einem angesagten Veranstaltungsort in Berlin. Zu den Festrednern gehören der ehemalige grüne Bundesaußenminister Joschka Fischer, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Marianne Birthler. Sie hatte 1990 in der DDR das „Bündnis 90“ mitgegründet, das kurz darauf mit den Grünen fusionierte. Eingeladen wurde Klaus Adler als „dienstältestes Mitglied“ – so hat es der Grünen-Bundesverband ihm geschrieben. Denn er gehörte schon zu den Grünen, als es den Bundesverband noch gar nicht gab.

Bundes-Grüne speisten sich vor 40 Jahren aus mehreren Quellen

Um das zu verstehen, muss man wissen, dass die Grünen sich einst aus mehreren Quellen speisten, aus denen im Januar 1980 in Karlsruhe der Bundesverband der Grünen entstand. Eine dieser Quellen war die „Grüne Aktion Zukunft“, im Juli 1978 von Herbert Gruhl gegründet, der sich später von den Grünen abwandte und 1981 die ÖDP aus der Taufe hob. Die „Grüne Aktion Zukunft“ war damals die erste bundesweite Umweltpartei. Und Klaus Adler, der zuvor bei der SPD war, trat ihr im August 1978 bei. Deshalb nun die Einladung vom Grünen-Bundesverband als „dienstältestes Mitglied“. Sie haben das wohl in ihrem Archiv ausgegraben, mutmaßt Adler.

Klaus Adler hebt den 40 Jahre alten Stimmzettel immer noch auf

Der Penzberger war 1979 auch Mitgründer des Grünen-Kreisverbands Weilheim-Schongau. Als Delegierter fuhr er nach Karlsruhe, als am 13. Januar 1980 der grüne Bundesverband aus der Taufe gehoben wurde. Den schlichten Stimmzettel bewahrt er heute noch auf. In den ersten Jahren arbeitete Klaus Adler zum Beispiel mit Petra Kelly zusammen. „Sie hat mich sehr fasziniert“, sagt der Penzberger über die Friedensaktivistin, die 1983 über die bayerische Landesliste in den Bundestag kam. „Ihr Selbstmord ist mir sehr nahegegangen.“ Sie und ihr Lebensgefährte Gert Bastian waren 1992 erschossen aufgefunden worden. Adler lernte auch Otto Schily kennen, der später zur SPD wechselte und Bundesinnenminister wurde. Schily übernachtete sogar bei ihm auf dem Weg in die Berge. Und auf dessen Tochter Jenny Schily, heute eine Theater- und Filmschauspielerin, passte Adler auch schon mal während einer Grünen-Veranstaltung auf, als das Kleinkind unter den Tischen umherkrabbelte.

Klaus Adler: Lieber Lokalpolitik als eine Karriere auf Bundesebene

Damals hätte Klaus Adler es mit einer Politkarriere auf Bundesebene versuchen können. Doch die Arbeit in der Bundespartei forderte ihren Tribut. Er war kaum zu Hause bei seiner Familie. außerdem war da noch sein Beruf als Lehrer. 1984 zog sich Klaus Adler von der Bundesebene zurück, gründete im selben Jahr aber den Penzberger Grünen-Ortsverband. Von 1990 bis 2019 gehörte er dem Penzberger Stadtrat an. Dass die Grünen nach den ersten schwierigen Jahren heute so erfolgreich sind, lässt ihn „mit Stolz zurückblicken“. Die ökologischen Sorgen, die heute Menschen zu den Grünen treiben, habe er schon damals – so ähnlich – gehabt. „Damals war man aber Einzelkämpfer, heute ist es eine Welle.“ Trotzdem traut er den Umfragewerte nicht: „Für Grüne ist gerade Konjunktur, es kann sich aber schnell wieder ändern.“

Klaus Adler und ein altes Foto mit Joschka Fischer

Zu Adlers Mitstreitern der ersten Stunde gehörte übrigens nicht Joschka Fischer, der am Freitag Festredner ist. Er trat den Grünen erst 1982 bei. „Ihn kannte damals noch keiner“, erzählt der Penzberger. Trotzdem verbindet ihn ein spezielles Foto mit Joschka Fischer. Es entstand 1998, als es beim Grünen-Bundesparteitag um eine rot-grüne Koalition mit Gerhard Schröder ging. Der Gymnasiallehrer hatte damals mit seiner Klasse gewettet, dass er von sich und Fischer auf dem Podium ein Foto machen werde und er dabei ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Ich grüße meine Klasse 10a“ tragen wird. Das Foto will Adler am Freitag mit nach Berlin zur Feier nehmen und Joschka Fischer zeigen. Vielleicht kann sich Fischer daran erinnern.

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