+
„Kamera läuft“: Aufnahmen für das Musical-Videoprojekt.

Penzberger Familienmusical

Corona stoppt drei Jahrzehnte Musical-Tradition in Penzberg: Videos als „kleine Trostpflaster“

  • vonWolfgang Schörner
    schließen

Das Familienmusical ist in Penzberg ein fester Bestandteil des Kulturkalenders. Eigentlich hätte Musicalchefin Ellen Hennen heuer mit ihrem jungen Chor das 29. Musical aufführen wollen – wäre die Corona-Pandemie nicht gewesen. Ganz ohne Musicallieder sollte das Jahr aber nicht vorbeigehen. Ellen Hennen hat daraus nun ein Videoprojekt gemacht.

Penzberg – An einem Nachmittag auf Gut Hub bei Penzberg: Acht Kinder stehen im Stall des Gutsgebäudes. Mit Ellen Hennen gehen sie noch einmal die Choreografie durch. Die Musicalchefin ist zufrieden. Dann wird es ernst. Kameramann David Hennen hat sich am anderen Ende des Stalls postiert. „Seid ihr bereit“, ruft er. „Jaaa“, schallt es ihm entgegen. „Kamera läuft“, antwortet David Hennen und schreitet langsam auf die Kinder zu. Vom Tonband kommt Mark Forsters Lied „Strong like a Lion“, das die Kinder zuvor einzeln im Tonstudio eingesungen haben. Im Stall bewegen sie nur ihre Lippen. „Und aus“, ruft Kameramann David Hennen. „Sehr gut“, sagt die Musicalchefin strahlend. Die Szene ist im Kasten.

Penzberger Musicals: Videoprojekt soll für Kinder einen Ausgleich schaffen

Mit dem Videoprojekt will Ellen Hennen einen Ausgleich dafür schaffen, dass es heuer kein Musical gibt. Ihr geht es dabei um die Kinder und die Jugendlichen ihres Chors, die jedes Jahr sehnlichst den Proben und Aufführungen entgegenfiebern. Mehr als 50 Buben und Mädchen sind an dem Videoprojekt beteiligt. Das Ergebnis erhalten sollen sowohl die Kinder als auch die Schulen, „die uns treu besuchen kommen“. „Als kleines Trostpflaster“, so Ellen Hennen. „Damit die Kinder etwas für sich als Erinnerung haben.“ Veröffentlicht werden sollen die Musikvideos aus dem Projekt allerdings nicht, sagt sie.

Das neue Penzberger Musical sollte „We are Future“ heißen

Anfangs der Corona-Pandemie hoffte die 58-jährige Iffeldorferin noch, dass heuer ein weiteres Musical aufgeführt werden kann. Ellen Hennen hatte damals wie die anderen Lehrer der Penzberger Musikschule auf Online-Unterricht umgestellt. Für ihren Kinderchor drehte sie „Sing-mit-Videos“. Und mit den älteren Chorkinder, den Elf- bis 13-Jährigen, versuchte sie noch einige Wochen per Skype, die Vorbereitungen auf das Musical weiterzuführen. „We are Future“ sollte es heißen, ein Musical, das sich um den Klimaschutz und „Friday for Future“ dreht. Es wäre das 29. Musical von Ellen Hennen und ihrem Chor „Voice HappenZ“ gewesen – 2016 hatte sie für dieses Engagement den Kulturpreis der Stadt Penzberg erhalten. Irgendwann war aber klar. Auf die Bühnenbretter könne man das Musical heuer auf keinen Fall bringen, so Ellen Hennen. Es musste eine Alternative her.

Musicallieder und Performance: 50 Buben und Mädchen waren dabei

Diese Alternative fand die Musikschullehrerin in dem Videoprojekt. Weil es lange Zeit kein grünes Licht für gemeinsame Chorproben gab, beschloss sie, die Musicalsongs bei sich zu Hause aufzunehmen – mit jedem Kind einzeln. Eine Freundin ihres Sohnes, die Tonmeisterin Laura Picerno, richtete dafür ein kleines Tonstudio ein. In den Pfingstferien ging es los. Mehr als 50 junge Sänger und Sängerinnen seien bei ihr gewesen. Die Kinder sangen 16 Lieder ein: zum Beispiel „Ich wär so gerne Millionär“ von den „Prinzen“, „Keine Maschine“ von Tim Bendzko und „Blank Space“ von Taylor Swift genauso wie die Klassiker „Money, Money, Money“ von ABBA und „Footloose“ von Kenny Loggins.

Musicalersatz: Tonstudio und Videoaufnahmen

Ende Juni starteten dann die Aufnahmen für die Musikvideos – kleine getanzte Geschichten zu den Liedern. Professionelle Hilfe bekam die Musikschullehrerin von ihrem Sohn David Hennen, einem Kameramann. Sie habe auch eine Sondergenehmigung für 20 Leute, sagt Ellen Hennen. Die Kinder drehten am Fohnsee, an der Heuwinklkapelle, am Iffeldorfer Sportplatz, im Modehaus Lampka, in der Bürgermeister-Prandl-Grundschule und eben auf Gut Hub.

Es sei ihr einfach wichtig, mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten zu können, sagt Ellen Hennen. Und für die Kinder sollte es ein schönes Erlebnis in dieser Zeit sein. Die lange Musical-Reihe in Penzberg, die 1992 mit „Max und Moritz“ begann, soll nächstes Jahr fortgesetzt werden. Sie werde das Musical „We are future“ nach den Sommerferien umarbeiten und mit neuen Songs versehen, sagt Ellen Hennen. Aufgeführt werden soll es dann „hoffentlich im Juli 2021“.

Videoprojekt-Spenden für Mae Luiza

Ellen Hennen und ihr Chor verbinden das Videoprojekt „We are future“ mit einer Spendensammlung für die Musikschule im brasilianischen Mae Luiza. Diese habe wenig Geld zur Verfügung, um sich neue Instrumente für die Schüler leisten zu können. Spenden können unter dem Stichwort „Songs für Mae Luiza“ auf das Elternbeiratskonto der Penzberger Musikschule eingezahlt werden (IBAN: DE60 7035 1030 0000 3265 38; BIC: BYLADEMWH1).

Lesen Sie auch: Erbbaugrundstücke: Stadt Penzberg feilt an den Noten

Und: Pläne in Penzberg: Radeln auf dem „Bahnbogen“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Streiterei in Weilheim eskaliert: Angreifer schütteln sogar Kinderwagen samt Baby
Streiterei in Weilheim eskaliert: Angreifer schütteln sogar Kinderwagen samt Baby
Unfälle bei Weilheim, Bernried und Pähl fordern drei Schwerverletzte
Unfälle bei Weilheim, Bernried und Pähl fordern drei Schwerverletzte
73-Jährige von Lastwagen überfahren
73-Jährige von Lastwagen überfahren
Zu schnell, überladen und mit technischen Mängeln: Unfall mit Anhänger legt B 472 lahm
Zu schnell, überladen und mit technischen Mängeln: Unfall mit Anhänger legt B 472 lahm

Kommentare